Thorsten Willer „unverstärkt“ „Wohnzimmerkonzert“ im Neuenkirchener Kulturbahnhof

Bei dem vollkommen „unverstärkten“ Auftritt kam Thorsten Willers Reibeisenstimme gut zur Geltung. Foto: Sascha KnapekBei dem vollkommen „unverstärkten“ Auftritt kam Thorsten Willers Reibeisenstimme gut zur Geltung. Foto: Sascha Knapek

Neuenkirchen-Vörden. Große Hallen sind für Thorsten Willer nicht Neues. Als Vorband von Revolverheld oder Johannes Oerding kennt er sich in ihnen aus. Dass der Singer-Songwriter aus Wuppertal auch im ganz kleinen Kreis überzeugen kann, beweist er bei seinem Auftritt im Bistro des Kulturbahnhofs.

„Willkommen zu diesem Wohnzimmerkonzert“, sagt Willer zur Begrüßung und bringt damit den intimen Rahmen auf den Punkt. Im beschaulichen KuBa-Bistro ist die Zuschauerzahl überschaubar. An der mitreißenden Verve, mit der der Gitarrist und Sänger seine Stücke präsentiert und sein Publikum unterhält, ändert das nichts.

In die Karten spielt Willer dabei auch die für ihn eher ungewöhnliche Tatsache, dass der Auftritt „komplett unplugged“ stattfindet. Ohne Stimmhilfe muss der 36-Jährige zwischen den Songs seine Gitarre stimmen. Und damit das Publikum währenddessen nicht in Langeweile verfällt, erzählt der Wuppertaler nebenbei entweder kleine Anekdoten oder er kommt mit seinen Zuhörern ins Gespräch. Eine Atmosphäre, die den angenehmen „Wohnzimmerkonzert-Charakter“ des Abends perfekt abrundet. „Auch, wenn ich mich am Ende eines Satzes manchmal nicht mehr an seinen Anfang erinnern kann“, frotzelt der Multitasker.

Eine von Thorsten Willers Geschichten dreht sich um die Sprache, in der er seine Lieder singt. Zu Beginn seiner Karriere war dies ausschließlich Englisch. Erst nach zwei Studioalben sattelt der Mann aus Nordrhein-Westfalen auf seine Muttersprache um. Sein erster deutscher Song heißt „Die Schwebe“, wurde 2011 geschrieben und beinhaltet an exponierter Stelle das Wort „atemlos“. „Das Wort, das man mittlerweile nicht mehr in deutschen Songs singen darf“, scherzt der Musiker und delegiert diesen Part in Neuenkirchen an sein amüsiertes Publikum.

Reibeisenstimme mit Pathos

Ohne Verstärker sind es Willers Westerngitarre und seine mit viel Pathos angereicherte Reibeisenstimme, die ohne Netz und doppelten Boden im Fokus stehen. Eine Ausgangslage, die die Stärken des sympathischen Musikers bei Stücken wie dem freigeistigen „Ein Tag“ zur Geltung bringen. Der 36-Jährige braucht keine fette Produktion, um mit seinen Songs zu fesseln.

Wie schnell der Protagonist in Südoldenburg ankommt und mit welch offenen Armen ihn das Kuba-Publikum empfängt, wird schon ganz früh bei „Der Moment“ deutlich. In den lauten Passagen kratzt Willers Stimme genau so, wie man es sich von einer rockigen Männerstimme wünscht. Seine Zuhörer kann er damit bereits beim zweiten Stück des Abends zum Mitsingen animieren.

Die meisten von Willers Songs weisen ähnliche Schnittmengen auf. Gefühlvolle Balladen und sehnsüchtige Rocker verwebt der Künstler zu einer durchaus eigenen Handschrift. Dass der Mann im Karohemd aber auch anders kann, zeigt sein etwas älterer Song „Set Me Free“. „Slowdown“ hieß Willers Alternative-Band, mit der er zwischen 2010 und 2014 auf der Bühne stand. Akustischer Post-Grunge, präsentiert in Singer-Songwriter-Manier. Eine weitere Seite von Thorsten Willer, die den Auftritt im Kulturbahnhof zu etwas Besonderem macht.


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