Erinnerungen an den 1. Oktoer 1993 Neuenkirchen und Vörden erst seit 25 Jahren Neuenkirchen-Vörden

Meine Nachrichten

Um das Thema Neuenkirchen-Vörden Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Neuenkirchen-Vörden . Die Gebietsreform, die einst Neuenkirchener und Vördener in einer kommunalen Zwangsheirat zusammenführte, liegt inzwischen 44 Jahre zurück. Doch erst seit 25 Jahren heißt die Gemeinde im Südoldenburgischen auch tatsächlich Neuenkirchen-Vörden.

Bürgermeister Ansgar Brockmann reicht das Schriftstück an Bernard Wienhold – den früheren Gemeindedirektor – weiter. Dieser dürfte es schon einmal in Händen gehalten haben. Im Sommer 1993. Von damals bis heute schlummerte die Mitteilung aus dem Landesinnenministerium in Hannover in einem Aktenordner im Rathaus an der Küsterstraße. Zum Jubiläum des Gemeindenamens Neuenkirchen-Vörden hat Ansgar Brockmann das Papier wieder hervorgeholt. Erinnerungen werden wach…

…an Neuenkirchener und Vördener. Deren Zusammengehen im Jahre 1974 war unfreiwillig, ihr Miteinander folglich nicht immer einfach. „Dieser neue Gemeindename war aber eine gute Entscheidung“, stellt der heute 90-jährige Wienhold fest. Seit dem 1. Oktober 1993 heißt die Kommune offiziell nicht mehr Neuenkirchen (Oldenburg), sondern Neuenkirchen-Vörden. Das habe den Gemeinsinn spürbar angeschoben, sagt Wienhold.

Zuvor gab es eher selten Verbindendes. Die anderen Teilnehmer der kleinen Gesprächsrunde im Rathaus nicken. Die langjährigen Ratsmitglieder Josef Schönfeld („Der Streit von 1974 bis 1992 hat schon gelähmt“) und Hermann Schütte („Es gibt zwar immer noch einzelne Betonköpfe, aber die Entwicklung der Gemeinde ist kontinuierlich nach vorne getragen worden“) sind da. Auch Sandra Röwe aus dem Amt für Bürgerservice, die damals – 1993 – gerade in der Verwaltung als Auszubildende eingestiegen war, ist gekommen. Ihr gegenüber sitzt Kurt Moll. Heute ist er im Ruhestand. In jenen Jahren, als der Wunsch einer amtlichen Vördener Abspaltung sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigte (siehe Info-Box unten) und u. a. von der Bürgerinitiative „Aktionsgemeinschaft zur Korrektur der Gebietsreform“ vorangetrieben wurde, war er Konrektor der Hauptschule mit Orientierungsstufe.

Auch Moll findet, dass insbesondere die jungen Bürger über das tägliche Zusammenleben an den örtlichen Schulen die Vördener und Neuenkirchener „Schritt für Schritt zueinander“ gefunden hätten. Dass 1994 noch ein Realschulzweig dazugekommen sei, habe diese Entwicklung noch einmal positiv beeinflusst, so Moll.

„Der gemeinsame Name der Gemeinde und die gemeinsame Schule waren schon sehr entscheidend, um zusammenzufinden“, sagt auch Reinhard Rehling. Damals arbeitete er für die Spadaka in Vörden, heute heißt das Geldinstitut Volksbank Neuenkirchen-Vörden. Auch die Banker haben sich also beim Namen angepasst. „Beide haben sich im neuen Namen wiedergefunden“, analysiert Rehling. Beide – damit meint er die Neuenkirchener und die Vördener.

Das Miteinander der örtlichen Sportvereine in der Gemeinde sei zunehmend besser geworden, stellt Paul Escher fest. Er ist Vorsitzender des TuS Neuenkirchen. „Die Anfänge waren schwer, aber so langsam trägt es Früchte“, sagt er über die eine oder andere Spielgemeinschaft mit den Vördenern.

Aus den Akten geholt: Der Bescheid aus dem Nds. Innenministerium aus dem Jahre 1993. Foto: Marcus Alwes

„Man kann nur dann erfolgreich zusammenarbeiten, wenn man auf Augenhöhe ist“, befindet Bürgermeister Brockmann. Und er stellt infrage, ob Neuenkirchen und Vörden als eigenständige Kleinstgemeinden heute so weit wären, wie es Neuenkirchen-Vörden inzwischen ist. „Bei den Schulen, beim Niedersachsenpark, Naturbad, Kultubahnhof, bei der gemeinsamen Musikschule oder in Infrastrukturfragen“, nennt Brockmann eine ganze Reihe von Beispielen. Bernard Wienhold und die anderen im Raum widersprechen ihm nicht.


Der lange Weg zum Gemeindenamen:

Die Gebietsreform in Niedersachsen im Jahre 1974 sorgte für die Eingliederung des Fleckens Vörden sowie der Gemeinden Hinnenkamp und Hörsten in die Gemeinde Neuenkirchen (Oldenburg) und in den Landkreis Vechta. Es war – rückblickend – wohl nicht einmal Liebe auf den zweiten Blick. Das Zusammenwachsen der Ortsteile gestaltete sich schwierig, im Ortsteil Vörden blieb die Sehnsucht nach kommunaler Eigenständigkeit lange Zeit bestehen.

Das im Frühjahr 1990 im Landtag beschlossene Gesetz zur Neubildung der Stadt Aschendorf sowie der Gemeinden Langförden, Vörden und Mulsum wurde jedoch am 12. Mai 1992 durch eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtsin Karlsruhe für nichtig erklärt und als Verstoß gegen das Grundgesetz bewertet. Der Traum von der Vördener Loslösung und Eigenständigkeit war damit endgültig geplatzt.

Doch es gab in der Folgezeit erste Fortschritte beim Zusammenwachsen. Das Vördener Rad wurde in das Gemeindewappen integriert und ein auf den Weg gebrachter Antrag auf einen neuen Gemeindenamen hatte beim Nds. Innenminister Erfolg. Aus Neuenkirchen (Oldenburg) wurde am 1. Oktober 1993 offiziell Neuenkirchen-Vörden.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN