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Nabil Ismail neuer Standesbeamter Eine Prise Humor für das Personenstandswesen in der Gemeinde Neuenkirchen-Vörden

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Probesitzen im Trauzimmer ohne Krawatte: Die Vertretung für das Standesamt kann jetzt auch Nabil Ismail übernehmen. Foto: Ilona UphausProbesitzen im Trauzimmer ohne Krawatte: Die Vertretung für das Standesamt kann jetzt auch Nabil Ismail übernehmen. Foto: Ilona Uphaus

Neuenkirchen-Vörden. Der Gang zum Einwohnermeldeamt nach Neuenkirchen-Vörden ist alles andere als trocken und langweilig. Dafür sorgt ein junges Mitarbeiter-Team, zu dem auch Nabil Ismail gehört. Der 29-jährige Verwaltungsfachangestellte steht nach abgeschlossener Fortbildung jetzt auch als Vertretung für das Standesamt bereit.

Mit viel Humor würzt Nabil Ismail die sonst so trockenen Amtsvorgänge, was besonders bei Kindern und Jugendlichen sehr gut ankommt. Zwei Brüder benötigen einen Personalausweis. Der Zehnjährige legt nur zögerlich seinen Zeigefinger auf den Fingerprint-Scanner. Doch der angekündigte „kleine Stromschlag“ bleibt aus. Der große Bruder feixt. Der Fingerabdruck im Ausweis sei freiwillig. Nabil Ismail erklärt den beiden Jungs alles ganz genau.

Bei allem Spaß müssen die Gesetzesvorgaben natürlich genau eingehalten werden. „Man verkennt das Personenstandswesen total“, ist sich der frischgebackene Standesbeamte sicher. „Heiraten ist nicht mal eben so“, sagt er. Zum Beispiel müssten die Ehevoraussetzungen akribisch geprüft werden. Gibt es etwa ein Verwandtschaftsverhältnis? Sind beide Partner wirklich unverheiratet? Gehandelt werde „nur nach Recht und Gesetz“, betont er, der „an keine Weisung gebunden“ ist.

Neben Deutsch spricht der junge Mann aus Lohne fließend Ägyptisch und Englisch, denn seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Ägypter. Schauspieler wollte er ursprünglich werden. Verschiedene kleine Rollen hat er in Fernsehsendungen bereits übernommen. Unter anderem in einer Gerichtssendung, bei der er feststellte, dass wenigstens die Richter und Anwälte echt gewesen seien. Doch seine Eltern meinten „Junge, lern was Vernünftiges“.

Nach einer abgeschlossenen Ausbildung in der Systemgastronomie hat er noch einmal das Fach gewechselt und von 2008 bis 2010 eine Umschulung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht. Eine Ausbildung, die es in sich habe, meint er. „Das kleine Jura“ nannte das einer seiner Referenten. Die klassischen Rechtsanwendungen mussten gebüffelt werden. Jede Urkunde entfalte Rechtskraft, erklärt Ismail. Da dürfe „kein falscher Buchstabe“ dabei sein.

Die Fortbildung zum Standesbeamten hat er in Deutschlands einziger Fachakademie in Bad Salzschlierf bei Fulda absolviert. Hier sei er „hochsensibilisiert rausgegangen“, mit der Einstellung „lieber alles doppelt prüfen“. Die Leute sähen dann oft nur „den nervigen Beamten, der es allen schwer machen will“, meint Ismail. Dennoch müsse jede Unterschrift geprüft werden. Denn alles könne weitreichende Folgen haben. Wenn eine Ehe zum Beispiel für ungültig erklärt werde, habe das auch Folgen bezüglich des Erbrechts.

Einen Meter hinter der Grenze von Neuenkirchen-Vörden sei er im Übrigen kein Standesbeamter mehr, erzählt er. Trauungen können in der Gemeinde in den Rathäusern in Vörden und Neuenkirchen und auch im Ackerbürgerhaus vollzogen werden. Mindestens alle drei Jahre sei eine Fortbildung erforderlich.

In der Freizeit spielt Nabil Ismail auf dem schottischen Dudelsack. Er war früher in der Lohner Musical AG aktiv. Außerdem übt er sich im „Kung-Fu“.

Die letzten Rollenangebote für Fernsehsendungen hat er allerdings abgesagt. Neben dem zeitlichen Problem sei es jetzt nicht mehr angemessen, zum Beispiel einen Verbrecher zu mimen, denn „manche Menschen können Fiktion und Wirklichkeit nicht auseinanderhalten“, wie er einmal am eigenen Leib erfahren habe.

Sein jetziger Job gefalle ihm im Übrigen sehr, denn er liebe den Umgang mit den Menschen. Und langweilig werde es hier nie.


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