Knapp 100 Teilnehmer Treffen der Viehfahrer am Autohof Neuenkirchen

Von Holger Schulze

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Neuenkirchen-Vörden. Was vor vier Jahren auf einer Wiese in Schleptrup noch ausreichend Platz fand, musste inzwischen auf den Autohof in Neuenkirchen auswandern: Das Viehfahrer-Treffen erfreut sich zunehmender Beliebtheit in der Gemeinschaft diese spezialisierten Transporteure.

Knapp unter der Hunderter-Marke lag in diesem Jahr die Anzahl der vor Ort anwesenden Viehtransporter bei diesem mittlerweile fünften Treffen. DJ Hansi zu Beginn und zum Schluss, dazwischen Lkw-Ziehen, Bullenreiten, Boxautomat, Dosenwerfen und eine Ausstellung. Ferner ein Fachvortrag, ein Rundgang von Veterinären durch den Fahrzeugpark, die Siegerehrung, eine Versteigerung und ein Liveauftritt von Anja Owens bildeten den äußeren Rahmen der Veranstaltung. Außerdem übergaben die Viehfahrer noch drei Spenden. Die Kinderpsychiatrien des St.-Franziskus-Stifts in Steinfeld und die der Clemens-August-Klinik in Neuenkirchen wurden mit dem Reinerlös des Viehfahrer-Treffens bedacht. Eine separate Sammlung unter den Fahrern sollte außerdem einem Kollegen, den der Tod seiner Frau zum jetzt alleinerziehenden Vater machte, eine Woche Urlaub mit seinen Kindern ermöglichen.

Denn viel zu Hause sind die Viehfahrer nicht. 2500 bis 3000 Kilometer verbringen viele von ihnen pro Woche in der Fahrerkabine. Und sind an ihrem Arbeitsplatz so manchen Anfeindungen von Tierfreunden ausgesetzt. Diesen oft die Beleidigungsgrenze überschreitenden Vorurteilen mit der Möglichkeit zur Aufklärung entgegenzutreten ist, neben der Pflege der Gemeinschaft unter den Fahrern, das Hauptanliegen der Treffen, wie die Mitorganisatoren Sven Kreyenhagen und Jochen Theisen am Rande der Veranstaltung deutlich machten. „Wir sind gestartet, um den Menschen Einblicke in unsere Arbeit zu ermöglichen, die Interesse daran haben, wie die Viehtransporte eigentlich stattfinden, welche Fahrzeugtechnik zum Einsatz kommt und welche Standards wir beim Transport beachten müssen, “, präzisierte Theisen die Idee zu den Viehfahrer-Treffen.

Viele Vorurteile

Eines der Vorurteile, denen sich die Fahrer an jeder Raststätte sowie in den sozialen Medien ausgesetzt sehen, ist die Behauptung, mit den Tieren werde nicht sorgsam beim Transport zum Schlachthof umgegangen. „Nur 60 Prozent der Transporte enden im Schlachthof. Die anderen Fahrten sind Lebendtransporte von Zucht- oder Wettbewerbstieren wie Pferden oder Schafen zum Weidewechsel“, stellen Kreyenhagen und Theisen klar. 93 Prozent aller Viehtransporte in Deutschland seien zudem Kurzstreckentransporte unter acht Stunden. Die Zeitmessung beginnt dabei, wenn das erste Tier auf dem Wagen ist und das Laden kann schon über eine Stunde dauern. Vier Prozent der Fahrten dauern bis zu 14 Stunden, wenn zum Beispiel die Tiere von Hamburg nach München gebracht werden sollen. Die verbleibenden drei Prozent gehen ins Ausland und dauern entsprechend länger. Doch lebende Schlachttiere dürfen aus Deutschland überhaupt nicht exportiert werden. Zu den Sorgfaltspflichten der Fahrer, die zuvor alle einen rund einwöchigen Lehrgang mit Prüfungen für den Befähigungsnachweis zu absolvieren müssen, gehört es ferner, keine erkennbar kranken Tiere zu befördern.

Ein weiteres Vorurteil besteht in der Annahme, dass viele Transporte nachts durchgeführt werden, um etwas zu vertuschen. Dabei hat das Arbeiten der Fahrer entgegen dem eigenen Biorhythmus die Gründe, dass die Tiere nachts schlafen und damit stressfreier transportiert werden können. Außerdem machen die Sommertemperaturen tagsüber den Tieren auch mehr zu schaffen als die Nachtfahrten.

Viehtransporter gestern und heute.

„Redet mit uns, nicht über uns, Es ist schade, dass so viele Halbwahrheiten unterwegs sind“, wünschen sich Kreyenhagen und Theisen. „Schließlich machen wir unsere Arbeit auch für euch, die ihr Fleisch essen wollt“. Für die beiden Viehfahrer ist es nicht nachvollziehbar, „dass man auf der Autobahn auf uns mit dem Finger zeigt und sich zwei Ausfahrten weiter an der Raststätte einen Burger bestellt.


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