16-tägige Rallye durch Nordeuropa Ein Abenteuer – von Vörden bis an das „Ende der Welt“

Von Hans Schmutte


Neuenkirchen-Vörden. Einmal Nordkap und zurück. Alles andere als ein normaler Ferientrip war das, was die 27-jährigen Vördener Dominik Brune und Sven Altesellmeyer erlebten. Es war eine Rallye durch zehn nordeuropäische Länder rund um die Ostsee – mit besonderen Herausforderungen.

So waren ausschließlich Fahrzeuge zugelassen, die mindestens 20 Jahre alt waren und einen maximalen Wert von 2500 Euro hatten. Ein Navi war genauso tabu wie die Benutzung von Autobahnen. Zusätzlich mussten mindestens 750 Euro Spenden für einen guten Zweck gesammelt werden. Als die „nördlichste Rally des Erdballs“ bezeichnet der Organisator die unter dem Namen „The Baltic Sea Circle“ laufende Rallye.

Dominik und Sven, beide keinerlei Rallyeerfahrung, gingen mit einem alten Volvo 850 mit Benzinmotor, Baujahr 1994, an den Start „Der hatte schon 350000 km auf dem Tacho, dann schafft er auch noch die paar bei der Rallye“, setzten sie ihr volles Vertrauen in das alte Gefährt, das sie 750 Euro gekauft hatten. 400 Euro investierten sie noch in Verschleißteile.

In 16 Tagen wurden rund 8500 km von den Vördenern zurückgelegt. Die Rally startete in Hamburg, führte durch Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und zurück nach Deutschland. Geschwindigkeit spielte keine Rolle, es ging um Spaß und Abenteuer. Grundsätzlich konnten die 254 teilnehmenden Teams die Route frei wählen, es waren allerdings bestimmte Punkte fest vorgegeben, die angelaufen werden mussten, wie etwa das „Ende der Welt“ – das Nordkap also.

Übernachtet wurde überwiegend im mitgeführten Zelt, in freier Wildbahn, auf Campingplätzen, am Strand oder bei Privatpersonen. Einmal bei einem deutschen Auswanderer, der eine Alpakafarm betreibt. Dort probierten die beiden zum ersten Mal Elchwurst, die ihnen prima schmeckte.

Täglich war eine Aufgabe zu lösen. Das wurde im Bordbuch durch Fotos und Beschreibung dokumentiert. So sollte unterwegs eine Büroklammer in einen möglichst hochwertigen Gegenstand getauscht werden. Die Vördener schafften es bis zum T-Shirt. Die „Wikingerweihe“ mit Ostseewasser, dänischem Sand, schwedischem Stahl und Tannenzweig mussten sie absolvieren oder einen alten Autofriedhof in Schweden finden, auf dem der erste Tourbus der Gruppe ABBA stand. Eine Aufgabe haben sie verweigert: Es sollte ein fermentierter Hering 200 km offen im Wagen transportiert werden. „Den Gestank kann man sich nicht vorstellen“, verzogen die beiden die Gesichter beim Erzählen. Auf die Punkte für diese Aufgabe haben sie gerne verzichtet.

Sie überquerten den Polarkreis, genossen die einzigartige Natur auf den Lofoten, erreichten das Nordkap bei Nebel, sahen sich Städte wie Murmansk, St. Petersburg oder Tallinn an. Die Zeit für die Besichtigungen musste vorher immer herausgefahren werden. So saßen sie schon mal 13 Stunden am Steuer und spulten 850 km am Stück ab, wobei es zum Teil über Schotterpisten ging. „Da kam schon richtiges Rallyefeeling auf“, grinste Sven Altesellmeyer.

Dominik und Sven waren von der Hilfsbereitschaft unter allen Teammitgliedern begeistert. Bei 254 alten Wagen gab es natürlich immer wieder Ausfälle. Man half sich untereinander so gut es irgendwie ging mit Rat und Tat. Einige mussten allerdings doch mit ihren Wagen in eine Werkstatt oder ihn ganz aufgeben. Dass alle Teilnehmer in einer WhatsApp-Gruppe organisiert waren, erwies sich dabei als sehr hilfreich. Internet und Handyverbindungen waren auch in der „Wildnis“ von erstaunlich guter Qualität.

Unterschiedliche Erfahrungen sammelten die Teams unterwegs mit der Polizei. So musste in Norwegen für eine Geschwindigkeitsüberschreitung um acht km/h 400 Euro bezahlt werden, in Russland für 52 km/h nichts, weil der Polizeibeamte sich nicht verständlich machen konnte. Ein Team hatte in St.Petersburg einen Unfall verursacht, bei dem ein Taxi hinten komplett eingedrückt worden war. Obwohl der Schaden offensichtlich deutlich über 3000 Euro betrug, verlangte der Taxifahrer nur 150 US-Dollar in bar. Damit war die Sache erledigt.

Rund 5000 Euro haben Sven und Dominik für die Abenteuerrallye insgesamt ausgegeben. Darin enthalten sind allerdings die Kosten für das Auto, für 935 Liter Benzin und 800 Euro Startgeld. Beide sind aber überzeugt, dass es gut angelegtes Geld war, denn die Reise war für sie ein großartiges Erlebnis. Sie sind jetzt schon am überlegen, welchen Teil Europas sie im nächsten Jahr im Rahmen einer Rallye erkunden wollen.

Die Vorgabe, 750 Euro Spenden für einen guten Zweck zu sammeln, haben die beiden übrigens übererfüllt. Es wurden 2400 Euro, über die sich jetzt die Bürgerstiftung Neuenkirchen-Vörden freuen darf.