„Viel Qualität im Orchester“ 800 Gäste beim Jahreskonzert des IMV Neuenkirchen

Von Reinhard Fanslau

Solist Jonas Stock (vorne) musizierte hingebungsvoll. Foto: Reinhard FanslauSolist Jonas Stock (vorne) musizierte hingebungsvoll. Foto: Reinhard Fanslau

Neuenkirchen-Vörden. Die musikalische Reise beim Jahreskonzert des Instrumental Musikvereins (IMV) Neuenkirchen führte diesmal nach Russland und Japan.

„Reiseleiter“ Heiko Maschmann und seine 60 Musiker hatten auch in diesem Jahr wieder ein Programm ausgearbeitet, das rund 800 Gäste in der Sporthalle der Oberschule Neuenkirchen vollends überzeugte. Nach knapp drei Stunden ging ein wiederum nachhaltig beeindruckender Auftritt zu Ende.

Zunächst gehörte die Bühne dem Jungen Blasorchester Neuenkirchen-Vörden. Es war erst der zweite öffentliche Auftritt des erst im September gegründeten Ensembles. Was sich die jungen Virtuosen unter Leitung von Claudia Hellweg und Julian Luttmer in dieser kurzen Zeit erarbeitet haben, ist aller Ehren wert. Für ihre drei Darbietungen gab es verdienten Applaus. Besonders die rhythmisch starke, weil trommelorientierte „Frozen Parade Sequenz“ vo Michael Brown und Will Rapp hinterließ nachhaltigen Eindruck. Der Satz „Der Verein braucht sich um den Nachwuchs keine Gedanken zu machen“ fiel zwar erst viel später, hätte aber auch zu diesem Zeitpunkt schon gut gepasst.

Dann kamen „die Großen“ zum Zug. Das erste Stück des IMV, die „Jubilee Overture“ dirigierte noch Julian Luttmer. Zum „Klarinettenkonzert Nr.1 in f-Moll“ von Carl Maria von Weber betrat Heiko Maschmann das nagelneue, zu seinem 25-jährigen Jubiläum von Sponsoren gestiftete Dirigentenpult.

Was dann folgen sollte, war für viele Zuhörer der vorweggenommene Höhepunkt des Abends. Den größten Anteil daran hatte Solist Jonas Stock. Der Klarinettist holte alles aus seinem Instrument heraus – die träumerisch verspielte Seite ebenso wie die virtuos-dynamische. Langanhaltender Beifall der Zuschauer im Stehen war der verdiente Lohn für den hochkonzentrierten Solisten und das ihn unterstützende Ensemble.

Dann brach die musikalische Gesellschaft auf nach Russland. Zwei Auszüge aus „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky standen zunächst auf dem Programm. Es ist ein Klassiker der Klassik, aber auch bekannt geworden in den 1970er Jahren als Rockversion der Band „Emerson, Lake und Palmer“. Auch das dann folgende, deutlich unbekanntere Werk war das eines russischen Komponisten, die „Burlesque“ von Georgy Salnikov.

Auch nicht jedem bekannt gewesen sein dürfte der Name Alfred Reed, dessen „Seventh Suite for Band“ nach Japan führte. So hieß einer der Auszüge daraus „The Winds and Waves of Wajima“. Ein Werk des noch lebenden amerikanischen Komponisten James Barnes schloss den fernöstlichen Reigen: „Impressions of Japan“. Zwei von den Zuschauern vehement geforderte Zugaben beendeten das Konzert.

Souverän und wortgewandt führte wie gewohnt Ulrich Kettler, IMV-Vorsitzender und Trompeter, durch den Abend. Der Wortanteil war in diesem Jahr besonders hoch, da Kettler an diesem Abend viele Ehrungen verdienter Mitglieder vornehmen musste, alle voran die von Heiko Maschmann. Kettler würdigte dass sich bei Maschmann ein hoher musikalischer Anspruch mit viel menschlicher Wärme vereint und dass er in all den Jahren immer gewusst und gezeigt habe, wohin die musikalische Reise gehe.

Der Geehrte selbst zeigte sich sichtlich gerührt und sagte rückblickend auf ein Vierteljahrhundert im IMV: „Mir haben diese 25 Jahre so viel Spaß gemacht, denn wir haben so viel Qualität im Orchester“. Dann hätte sich Kettler eigentlich selber für 25 Jahre Mitgliedschaft ehren müssen. Das überließ er dem 2. Vorsitzenden, Reiner Kolhosser.

Wohin im nächsten Jahr die musikalische Reise führt, wissen die Zuhörer jetzt noch nicht. Dass aber auch im kommenden Jahr der halbe Ort für dieses Konzert auf den Beinen sein wird, wieder die geballte Lokalprominenz und viele Gäste von weither zu erwarten sind und wieder hochwertige symphonische Blasmusik zu hören sein wird, steht jetzt schon fest.