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Zerstörungen angerichtet Tabernakel aus Fullener Kirche gestohlen

Von Tobias Böckermann | 10.11.2013, 14:15 Uhr

Die Motive sind unklar, aber der Schaden ist groß: Unbekannten sind in der Nacht zum Sonntag in die St. Vinzentius-Kirche in Groß Fullen eingebrochen, haben allerhand Zerstörung angerichtet und dann den Tabernakel gestohlen. Die Gemeinde ist schockiert.

Um 9.30 Uhr hatte eigentlich das Hochamt in der erst vor zwei Jahre umgestalteten Kirche stattfinden sollen. Aber als zwei Gemeinde mitglieder schon um kurz vor neun Uhr die Kirche betraten, weil sie noch einige Lieder vorbereiten wollten, lagen Scherben im seitlichen Innenraum vor dem Ewigen Licht. Ein sehr schmales Seitenfenster hatten der oder die Täter eingeschlagen und waren durch die Öffnung ins Innere der Kirche gelangt.

Dort, wo der Tabernakel in einen großen Ständer aus Sandstein eingefasst war, klafft nun ein Loch. Der metallene Schrank ist weg - und mit ihm ein Kelch und ein Gefäß für die Monstranz. Im anderen Seitenflügel der Kirche, dort wo das neue Taufbecken steht, lagen Dutzende von Scherben: die Täter hatten einen großen Wasserbehälter auf den Boden geschmettert und zerstört. Küsterin Ulrike Borker und Hausmeister Heinz Rüther informierten die Polizei, die ihre Ermittlungen aufnahm. Das Hochamt wurde ins benachbarte Gemeindehaus verlegt.

Pastor Hubertus Goldbeck war entsetzt, als er die Nachricht vom Einbruch hörte. „Ich dachte zunächst, es handele sich wieder um Metalldiebe“, sagte er am Sonntagmittag. Immerhin war erst vor zwei Jahren ein Wegekreuz zwischen den beiden Gemeindeteilen Fullen und Versen gestohlen worden ( wir berichteten ). „Aber als ich sah, dass die Täter auch wahllos Dinge zerstört haben, kamen mir Zweifel“, sagte Goldbeck. „Wenn es Metalldiebe waren, dann waren es Amateure“, ist er sich sicher.

Wer auch immer für die Tat verantwortlich ist – er hat Spuren hinterlassen. Unter anderem haften an zwei Wänden Blutreste, möglicherweise hatten sich die Täter selbst verletzt.

Wie hoch der finanzielle Schaden ist, konnte Hubertus Goldbeck am Sonntag nicht sagen. „Wohl nicht so hoch, wie man es erwarten könnte“, sagt er. „Alles ist ersetzbar.“ Schwerer wiege die Tat selbst. „Die Kirchgänger waren durchaus geschockt“, berichtet Heinz Rüther. Häufigster Kommentar: „Nichts ist mehr heilig.“

Der Raub aus einer Kirche erinnert zudem an einen Diebstahl vor rund zwei Wochen. Damals wurde das Borghorster Stiftskreuz aus der Nikomedeskirche im Kreis Steinfurt gestohlen. Die Reliquie aus dem 11. Jahrhundert ist einer der bedeutendsten Kunstschätze Europas.