Ein Artikel der Redaktion

Wer will Backshop schaden? Gefälschte Briefe: Bäckerei aus Meppen erteilt Hausverbote

23.12.2015, 14:27 Uhr

Die „Ermittlungsmethode“ wäre ungewöhnlich: Die Inhaberin eines Backshops in der Meppener Neustadt versucht nach Diebstählen in ihrem Geschäft, den oder die Täter nach dem Ausschlussprinzip zu finden, schreibt zahlreiche Anwohner an, um ihnen Hausverbot zu erteilen. Solche Schreiben gibt es in der Tat. Sie sind nach Auskunft der Polizei jedoch Fälschungen.

 Von Carola Alge und Ann-Christin Fischer 

Hier wolle offensichtlich jemand dem Backshop schaden, sagte ein Beamter am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Mit von Unbekannt fingierten Schreiben wird zahlreichen Anwohnern in der Nachbarschaft des Ladens an der Haselünner Straße Hausverbot erteilt.

Eine Empfängerin eines solchen Briefes ist Thea Graf in der benachbarten Georg-Wesener-Straße. In dem mit „Erteilung von Hausverbot“ überschriebenem Brief vom 17. Dezember 2015 an sie heißt es unter anderem: „Wegen dem Vorfall (Diebstahl vom 9. Dezember 2015) erteile ich Ihnen ab sofort in den Räumlichkeiten des Backshops Hausverbot. Ich erstatte ohne weitere Ermahnung Anzeige wegen Hausfriedensbruch gegen Sie, sollten Sie das Ladengeschäft in Zukunft noch einmal betreten.“

Schreiben nie verfasst

Den hat Graf zum letzten Mal vor etwa fünf Jahren von innen gesehen. „Ich habe früher morgens immer regelmäßig Brötchen dort geholt, wenn ich mit dem Hund unterwegs war“, sagt sie auf Anfrage. Über den Brief habe sie sich deshalb mehr als gewundert. Mit dem Papier in der Hand ging die 75-Jährige in den Shop, verlangte eine Erklärung. Die habe sie bekommen: Die Inhaberin habe das Schreiben nie verfasst. Die Seniorin und andere Empfänger sollten die Briefe zur Polizei bringen.

Zahlreiche Anzeigen

Das haben mittlerweile zahlreiche empörte Anwohner getan. Bei der Polizei liegen derzeit mehr als 30 dieser Briefe vor – verbunden mit Anzeigen gegen unbekannt. Diebstähle habe es in dem Backshop, in dem in der Nacht von Sonntag auf Montag eine Fensterscheibe eingeschlagen wurde, in der jüngeren Vergangenheit nicht gegeben. Das werde in den Fake-Schreiben nur suggeriert. Die Polizei ermittle deshalb.

Unter anderem sei, so der Beamte, möglicherweise der Tatbestand der Urkundenfälschung und der üblen Nachrede erfüllt. Alle Briefe seien zum Beispiel mit gefälschtem Stempel versehen. Schlusssatz darin: „Bitte überweisen Sie umgehend die noch angeschriebenen Artikel.“

„Ein Riesenschreck“

Eine weitere Anwohnerin erklärte auf Anfrage unserer Redaktion: „Es war ein Riesenschreck, als ich den Brief bekam.“ Sie sei in dem Laden nicht Kundin, wollte die Sache deshalb geklärt wissen. Die Frau radelte zu dem Backshop, um über die Angelegenheit zu reden. Das Gespräch war nicht mehr nötig. Am Fenster habe ein Zettel mit dem Vermerk geklebt: „Wir haben die Briefe nicht geschrieben.“ Damit sei für sie die Angelegenheit erledigt gewesen.

Inhaber haben Angst

Nicht so für den Backshop und seine Inhaber Elisabeth van Held und Uwe Klinkbeil. „Ich hatte noch nie in meinem Leben Angst, aber jetzt schon. Wir wissen nicht, was als nächstes kommt“, gibt Elisabeth van Held zu bedenken. Seit fast 16 Jahren führt sie den Laden und habe so etwas noch nie erlebt. Nach dem Steinwurf in die Fensterscheibe hat sie sich zwei Pfeffersprays besorgt, eines steht direkt hinter der Theke, mit dem anderen kommt sie morgens zur Arbeit. Vor den Vorfällen öffnete sie morgens um halb vier die Türen, jetzt lasse sie nur noch die herein, die sie kenne. „Ich bin einfach hilflos, mehr kann ich nicht machen“, sagt die 60-Jährige.

Besonders dreist: Der oder die vermeintlichen Täter verschickten Briefe auch an tote Ehepartner der Kunden. „Es kommen viele ältere Leute zu uns, schon seit Jahren. Und auf einmal kommt ein Brief zu ihnen nach Hause, adressiert an einen Toten. Das ist doch unglaublich“, sagt Uwe Klinkbeil aufbrausend.

Vor ein paar Monaten Herzinfarkte

Erst vor ein paar Monaten hatte er drei Herzinfarkte, musste wiederbelebt werden und hatte nur noch 20 Prozent Herztätigkeit. Drei Stents sorgen nun dafür, dass sein Herz weiter schlägt. Seine Ärzte verordneten ihm absolute Ruhe. „Natürlich muss ich mich schonen, aber wie soll man bei diesem Stress, auch noch jetzt um die Weihnachtszeit, zur Ruhe kommen?“

Briefe seit fast einer Woche im Umlauf

Seit fast einer Woche sind die Briefe in der Meppener Neustadt im Umlauf. Immer wieder kommen Kunden vorbei und wollen aufgeklärt werden. „Viele rufen auch an, und ich erkläre ihnen, was hier gerade passiert“, so van Held. Auf manchen Briefen stünde sogar der Satz: „Wir schließen unsere Bäckerei zum 31.3.2016.“ Der Kommentar der beiden: „Das ist doch absoluter Schwachsinn.“

Sicherheitsvorkehrungen

Unterkriegen lassen möchte sich das Paar nicht. „Diese Leute bekommen uns hier nicht raus“, gibt sich Elisabeth van Held kämpferisch. Im nächsten Jahr werden Kameras den Eingang des Backshops rund um die Uhr aufnehmen. Weitere Sicherheitsvorkehrungen sind in Planung. Und auch wenn sie im Moment Angst haben, lassen sie sich nicht einschüchtern und wollen weiterhin die Meppener Bürger mit Brötchen und Gebäck versorgen.

 Die Polizei in Meppen bittet alle, die ein solches Schreiben bekommen haben, es im Original in der Wache abzugeben. Zeugen sollten sich ebenfalls bei der Polizei, 

 Tel. 05931/9490, melden.