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Vorsicht beim Rasenmähen Meppener Tierschützerin sorgt sich um den Igel

16.04.2015, 15:10 Uhr

Es ist mit den Igeln so wie mit den Menschen: Der eine ist Frühaufsteher, der andere schläft gerne etwas länger. So langsam erwacht in diesen Tagen aber auch der letzte stachelige Gartengeselle aus seinem Winterschlaf. Das ist gleichzeitig eine besonders aufregende Phase für die beiden ehrenamtlichen Igelschützerinnen Rita Gölnitz und Uta Rühl.

Das Ende der Winterschlafzeit bei Igeln fällt genau in die Zeit der beginnenden Gartensaison bei den Menschen. Das ist besonders für den Braunbrustigel gefährlich (Erinaceus europaeus), diese Igelart ist in unseren Breiten vermehrt zu finden.

Durch den langen Winterschlaf ist der Stoffwechsel der Tiere noch nicht auf Touren, sie sind träge und erkennen die Gefahr nicht so schnell. So kann es zu schweren oder sogar tödlichen Verletzungen kommen. „Gartenfreunde sollten die zu bearbeitenden Flächen absuchen, bevor sie mit Rasenmäher, Trimmer, Sense oder Fräse loslegen“, empfiehlt Rita Gölnitz. „Ein Igel verbindet Krach nicht mit Gefahr. Das Tier rennt daher auch nicht weg“, ergänzt Uta Rühl.

Die ersten stacheligen Pflegefälle der Saison sind bereits im Hause Gölnitz eingetroffen. Ein Ehepaar aus Geeste entdeckte bei der Gartenarbeit einen kleinen, schwachen und viel zu mageren Gesellen und brachte diesen sofort zur Igelschützerin nach Meppen, wo er als Erstes auf die Waage kommt. „Mit 280 Gramm Körpergewicht ist der Kleine viel zu leicht, er sollte mindestens 350 Gramm wiegen“, sagt Göllnitz.

Laktoseunverträglichkeit

Nach dem Wiegen folgte eine Kotuntersuchung, um zu sehen, ob der stachelige Patient Parasiten hat. Wenn ja, bekommt er ein Mittel dagegen verabreicht. Als Nahrung zum Aufpäppeln steht spezielle, auch für Igel gut geeignete Katzenaufzugsmilch auf dem Speiseplan. Es ist im Prinzip keine Milch, sondern ein Pulver, das in Fencheltee oder Wasser aufgelöst wird und viel Fett und Proteine enthält.

An der Stelle räumen die beiden Igelschützerinnen mit dem immer noch weit verbreiteten Glauben auf, dass es gut sei, Igeln im Garten Schälchen mit Kuhmilch hinzustellen. „Igel haben eine Laktoseunverträglichkeit und bekommen sofort Durchfall oder sterben sogar, wenn sie Milch zu sich nehmen“, sagt Rühl.

Außer unachtsamen Gartenbesitzern hat der Erinaceus europaeus bei uns nur angeblich wenige natürliche Feinde. „Wenn sie noch ganz klein sind, kann es vorkommen, dass sie Eulen, Bussarden oder Mardern zum Opfer fallen“, erzählt Gölnitz. Von Hund und Katze haben die Tiere jedoch nichts zu befürchten.

Gäbe es da nicht noch die unnatürlichen Feinde: Autos. Jahr für Jahr werden nach Schätzungen der Initiative „Pro Igel“ etwa eine Million Tiere in Deutschland überfahren. Auf dem warmen Asphalt der Straßen halten sich viele Insekten auf, die Igel gerne an Ort und Stelle als Nahrung verzehren, und dabei werden sie überrollt.

Auch in diesen Tagen sind bereits die ersten von Autos plattgefahrenen Igel auf den Straßen des Landkreises zu sehen. Doch sei ihres Wissens nach der Bestand im Emsland noch nicht gefährdet, sagt Gölnitz.