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Verfahren aber eingestellt Frau in Haselünner Spielothek sexuell genötigt

Von Alfred Korfhage, Alfred Korfhage | 02.02.2017, 18:39 Uhr

Vor dem Schöffengericht Meppen musste sich ein 50-jähriger Mann wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung in einer Haselünner Spielothek verantworten.

Grundlage war das Sexualstrafrecht, wie es bis September 2016 noch gültig war. Dieses alte Recht schrieb vor, dass bei der Tatausführung Gewalt angewendet werden muss. Laut Anklageschrift kannten sich Täter und Opfer nur flüchtig. Sie unterhielten sich über zwei Stunden in der Spielothek über alles Mögliche, auch über ihre gescheiterten Ehen und intime Themen. Bei einem späteren Besuch traf der Mann die Frau später wieder. Sie saß gebannt vor dem Spielautomaten. Ihr Gesprächspartner trat dann an sie heran, griff ihr unvermittelt zwischen die Beine, berührte sie an der Brust und leckte ihr Ohr ab. Wie lange sich dieser Übergriff hinzog, blieb in der Verhandlung ungeklärt.

Frau schrie nicht um Hilfe

Die Frau sagte aus, sie habe keinen Aufstand machen wollen und deshalb nicht um Hilfe geschrien. Sie habe seine Zudringlichkeiten mit abwehrenden Armbewegungen verhindern wollen, was ihr dann auch gelang. Statt sofort Anzeige zu erstatten, versuchte sie allein mit dieser Erniedrigung klarzukommen. Erst einige Monate später vertraute sie sich Bekannten an, die ihr empfahlen, zur Polizei zu gehen.

18 Eintragungen

Das amtliche Führungszeugnis des Mannes weist 18 Eintragungen auf, darunter auch mehrere wegen sexueller Nötigung. Er bestritt vor Gericht jedoch jegliche Gewaltanwendung, schilderte seine Kontakte zu der Frau als völlig harmlos. Er habe keine sexuelle Absichten gehabt, als er ihr an die Schulter fasste. Sie habe in einem Fall auf seine gut gemeinte Anrede geradezu hysterisch reagiert.

Ein Psychologe überprüfte die Vorwürfe der Frau. Nach einem langen Gespräch sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass ihre Angaben tatsächlich Erlebtes beinhalteten, am Wahrheitsgehalt habe er keinen Zweifel. Der Gutachter lobte zudem die sachdienliche Vernehmung durch eine Polizeibeamtin.

Gewalt nicht nachweisbar

Der Staatsanwalt musste trotzdem zum eigenen Bedauern feststellen, dass für die Übergriffe des Angeklagten keine Gewaltanwendung nachweisbar sei. Es sei eine tätliche Beleidigung festgestellt worden. Der Strafantrag hätte innerhalb von drei Monaten nach Tatbegehung gestellt werden müssen, was die junge Frau aber leider versäumt habe. Er könne nur den Antrag stellen, das Verfahren einzustellen. Ein Freispruch verbiete sich, weil die Tathandlung glaubhaft geschildert und bewiesen wurde.

Die Rechtsanwältin der Geschädigten sah in der für ihre Mandantin völlig unfreiwillige Grabscherei eine Gewalthandlung, sie stellte aber keinen Antrag auf eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe. Der Verteidiger beantragte in seinem Plädoyer Freispruch.

Das Schöffengericht bewertete die Aussage der Frau als absolut glaubhaft. Es sei aber für eine sexuelle Nötigung keine Gewalt nachweisbar, deswegen sei dieser Anklagepunkt einzustellen. Eine tätliche Beleidigung habe der Angeklagte begangen, es fehle aber der fristgemäße Strafantrag. Es spreche viel dafür, dass der Angeklagte sexuelle Absichten hegte. Für einen Freispruch sei die Sachlage zu eindeutig.