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UWG-Fraktion misstraut GMA Gutachten löst Kontroverse im Meppener Stadtrat aus

Von Hermann-Josef Mammes | 17.06.2018, 20:00 Uhr

Sehr kontrovers hat der Meppener Stadtrat das neue Einzelhandels- und Zentrenkonzept der GMA (Gesellschaft für Markt - und Absatzforschung mbH) beurteilt.

Diplom Geograf Jürgen Giese vm Bauamt stellte in der Ratssitzung die Kernaussagen dar. Die 105-seitige Expertise listet für Meppen 255 Einzelhandelsbetriebe mit einer Verkaufsfläche von 125.100 Quadratmetern auf und damit zehn Geschäfte bzw. 1420 Quadratmeter weniger als vor acht Jahren. Meppen sei ein Mittelzentrum und besitze rein rechnerisch ein Einzugsgebiet im Einzelhandel für 136.870 Menschen. Die Ausdehnung reiche von Sustrum bis Geeste sowie von Twist bis Werlte. „Dies kann bei der Ansiedlung und notwendigen Genehmigung von Großvorhaben ein enormer Vorteil sein“, sagte Giese.

Märkte gut verteilt

Die Lebensmittelmärkte seien gut über das Stadtgebiet verteilt. Viele Meppener könnten die Discounter fußläufig in zehn Minuten erreichen. Der Edeka-Markt in der Esterfelder Stiege habe das größte Einzugsgebiet. Ausbau- und Erweiterungspläne gebe es auch bei anderen Discountern wie Lidl oder Aldi. Während die Kreisstadt bei den meisten Sortimenten wie Bekleidung, Schuhe, Elektrowaren, Schmuck sowie Bau- Heimwerker- und Gartenbedarf gut aufgestellt sei, gebe es trotzdem Versorgungsengpässe. Diese sieht das GMA-Gutachten im Bereich von Büchern, Spielwaren sowie Fahrrädern.

„Wir sind als Einkaufsstadt gut aufgestellt“, sagte CDU-Ratsherr Jürgen Schwering. Zugleich vermisse er jedoch eine Stellungnahme der Meppener Kaufmannschaft zum Gutachten.

Großes Misstrauen

Ganz andere Töne schlug CDU-Fraktionsvorsitzender Günther Pletz an: „Ich misstraue dem Gutachten.“ Nach seiner Einschätzung erfüllt GMA „seit Jahren den Auftrag der Stadtverwaltung perfekt“. So soll dieses mal ein „Einzelhandelsbetrieb an der Fürstenbergstraße“ ermöglicht werden, sobald der hagebaumarkt von dort an die Fullener Straße umsiedeln kann.

Dynamischer Prozess

Für SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Kötter ist die Fortschreibung eines solchen Gutachtens hingegen „ein dynamischer Prozess“. So änderten sich permanent die Rahmenbedingungen zum Beispiel durch den Online-Handel. Die SPD sähe das Konzept als Instrument an, um den Einzelhandel zu stärken und damit die Nahversorgung der Bürger zu sichern. Martin Tecklenburg (Bündnis 90/Die Grünen) monierte erneut, dass auch das Gutachten für den Wohnbereich „Feldkamp“ keinen Nahversorger vorsieht.

Privates Wohnhaus

Einstimmig verabschiedete der Meppener Stadtrat den Bebauungsplan „Zwischen Haselünner Straße und Schlagbrückener Weg“. Wie Diplom Geograf Jürgen Giese sagte, entstand hier bereits ein privates Mehrfamilienhaus, das ursprünglich als Flüchtlingsunterkunft geplant war. Wegen des fehlenden Bedarfs aber privat vermietet wurde.

Soziales Wohnen

Nach den Plänen der Stadt kann jetzt auf dem Eckgrundstück ein eingeschossiges Doppelhaus errichtet werden. Die Stadt selbst besitzt hier ebenfalls ein größeres Baugrundstück. Hierfür sieht der Bebauungsplan eine zweigeschossige Bauweise mit einer Maximalhöhe von 11,50 Metern vor. Es dürfen maximal sechs Wohnungen je Einzelhaus errichtet werden. SPD-Rasherr Horst Diecks begrüßt es , dass hier die Stadt „günstigen Wohnraum“ schafft. CDU-Ratsfrau Bernadette Hempelmann wurde etwas konkreter: „Wir begrüßen gerade an diesem Standort sozialen Wohnungsbau.“ So sei die Neustadt bei den Bürgern zwar sehr beliebt, aber Wohnraum auf der anderen Seite kaum bezahlbar.