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Tag der Bundeswehr bei der WTD Meppen Pilot von Kampfhubschrauber: „Habe geilsten Beruf der Bundeswehr“

Von Ann-Christin Fischer, Ann-Christin Fischer | 10.06.2018, 18:52 Uhr

Die Ärmel seiner Uniform hat Claus Cordes hochgekrempelt, der Reißverschluss des Overalls ist leicht geöffnet, eine Kappe schützt ihn vor der Mittagssonne. Der Kampfhubschrauber „Tiger“ ist darauf zu sehen. Er war am Samstag auf der WTD 91 in Meppen zu bestaunen.

„Flight“ steht auf dem T-Shirt, welches er unter der Uniform trägt. Breit grinsend beantwortet er Frage um Frage. Viele möchten mit ihm sprechen. Kein Wunder, schließlich ist er Pilot. Pilot der fliegenden Kavallerie moderner Streitkräfte. Und sein Beruf ist einzigartig, fast. Er und Andreas Buttenmüller sind die beiden Piloten des Kampfhubschraubers Tiger. Cordes Blick trifft direkt, er schaut jedem in die Augen, doch plötzlich bricht er die Gespräche ab und sagt. „Ich glaube, da kommt gerade ein ganz wichtiger Mann, ich muss hier kurz unterbrechen.“

Ein Kindheitstraum

Auf Augenhöhe findet sich niemand. Dann ein schüchternes „Hallo…“. Matheo Thy, gerade noch voller Euphorie und fordernd, wirkt schüchtern, hält seine Hand vor den Mund und guckt Claus Cordes mit großen Augen an. Matheos Mutter hilft: „Hier möchte jemand wissen, wer denn wohl der Pilot des Tigers ist.“ Matheo kommt aus Geeste und möchte vielleicht irgendwann Pilot werden. Ein Kindheitstraum, den viele Jungs selbst noch als gestandene Männer haben. Als Matheo bei Claus Cordes auf dem Arm ist, kann er es kaum fassen. So nah war er einem Piloten noch nie. Die beiden reden miteinander und plötzlich sagt Cordes. „Komm, du bist der erste und wirst der letzte heute sein, aber das machen wir jetzt.“ Er nimmt den Kleinen mit hinter die Absperrung und beide gehen zum Tiger. Matheo ist dem Kampfhubschrauber so nah wie kein anderer Besucher an diesem Tag. Zusammen mit Claus Cordes fasst er ihn an und der kleine Emsländer blickt den Piloten immer wieder ungläubig an. Im Hintergrund freut sich Matheos Mutter mit ihrem Kind.

Verantwortungsvolle Aufgabe

Seitdem er zwölf Jahre alt ist möchte Claus Cordes Hubschrauber fliegen. „Ich wusste schon damals, dass ich diesen Beruf unbedingt später ausüben möchte, dass ich bei der Bundeswehr lande, war nicht klar“, erinnert er sich. Er berichtet von Türen, die aufgegangen sind und durch die er gerne gegangen ist und meint: „In meinem Leben habe ich viel Gutes erfahren dürfen und ich habe die Möglichkeiten genutzt, die ich ergreifen konnte.“ Er gehört zur WTD 61, also der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr. Sie sind für den Testflugbetrieb zuständig. „Den Tiger zu fliegen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, aber ich muss sagen, ich habe den geilsten Beruf in der Bundeswehr“, sagt Cordes. Knapp eine Million Euro hat seine Ausbildung gekostet. Und Cordes beherrscht sein Handwerk.

Unglaubliche Manöver

Eine Achterbahnfahrt ist nichts gegen das, was er beim Tag der offenen Tür den Besuchern zeigt. Eigentlich ist die Mission des Tigers klar: Der Kampf gegen Hochwertziele wie Führungseinrichtungen, gepanzerte Kampftruppen, gegnerische luftmechanische Kräfte, logistische Einrichtungen und abstandsfähige Waffensysteme. Der Tiger ist am Rumpf 14 Meter lang, mit Mast über fünf Meter hoch und hat einen Rotordurchmesser von 13 Metern. Die Steigrate beträgt 10,7 Meter in der Sekunde. Und das bei knapp sechs Tonnen Startgewicht. 3000 Flugstunden hat Cordes schon auf dem Tacho. Wie er bei der Vorführung den Hubschrauber in die Vertikale stellt, plötzlich abbricht und es scheint, als ob ihn der Wind gen Westen treibt, ist eine fliegerische Meisterleistung. Solche Manöver erfordern eine tiefe Systemkenntnis, tönt es aus den Lautsprechern. Die hat Matheo natürlich nicht, aber er hat etwas anderes erleben dürfen: Ein Mal bei dem Piloten auf dem Arm sein, der den Tiger bändigen kann.