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Stück der Theater-AG Meppener Schüler spielen „Der Prozess um den Schatten des Esels“

Von Petra Heidemann, Petra Heidemann | 22.08.2017, 21:39 Uhr

Die Theater AG des Meppener Windthorst-Gymnasiums inszeniert Dürrenmatts „Der Prozess um den Schatten des Esels“ im Meppener Theater.

„Wir brauchen dringend einen neuen Glauben an den Menschen“, so der Erzpriester Agathyrsus im Parlamentsausschuss für Kultusfragen. Das erste Hörspiel des Schweizer Autors Friedrich Dürrenmatt „Der Prozess um des Esels Schatten“ überrascht in seiner geradezu erschreckenden Aktualität.

Grundmotiv in Antike bekannt

Das Grundmotiv der Geschichte war bereits in der Antike bekannt, das Hörspiel von 1951 basiert auf dem vierten Buch „Der Process um des Esels Schatten“ des satirischen Romans „Die Abderiten“ von Christoph Martin Wieland und erschien 1958 erstmals in gedruckter Form. Eine Bühnenfassung von Jörg Reichlin wurde 1994 in Frankfurt am Main aufgeführt. Auch das Augsburger Puppentheater hat sich des Stücks in einer Abendaufführung für Erwachsene seit 1962 mehrfach angenommen.

Es entsteht Streit

Die Stadt Abdera wird von einem Skandal  erschüttert. Der Eseltreiber Anthrax – das einfache Volk repräsentierend – vermietet sein Tier an den wohlhabenden Zahnarzt Struthion. Als dieser sich Im Verlauf einer heißen dreitägigen Reise von Abdera nach Gerania für eine kurze Verschnaufpause in den Schatten des Tieres setzt, entsteht ein Streit, da er für diesen besonderen Dienst nicht extra gezahlt habe. So kommt es schließlich zum besagten Prozess vor dem Stadtrichter Philippides, der einen gütlichen Kompromiss anstrebt. Doch die Anwälte Physignatus und Polyphonus machen daraus einen Testfall für das Rechtssystem in Abdera.

Pathetische und feindselige Rhetorik

Mit pathetischer und feindseliger Rhetorik behaupten sie, dass die Justiz unglaubwürdig sei, falls nicht der eigenen Partei Recht zugesprochen werde, gehe es doch nicht nur um materielle Bereicherung. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich Streit im gesamten Volk und jedermann versucht, persönliche Vorteile aus der grotesken Sachlage zu ziehen. Neben den fragwürdigen Leitsätzen der Justiz entpuppt sich schließlich die gesamte Gemeinde Abderas als Zwei-Parteien-Gesellschaft, in der es gilt, sich einer Seite anzuschließen und die jeweils anders Denkenden auszurotten. So arbeitet die Gesellschaft mit aller Kraft am eigenen Untergang, jeder wird zum Beteiligten einer Auseinandersetzung, die geradewegs auf die Katastrophe hinsteuert. Am Ende ist Abdera eingeäschert und die Streithähne sind ruiniert.

Groteske Lawine

Dürrenmatt setzt eine groteske Lawine in Gang, die unerbittlich ihren zerstörerischen Weg nimmt. Jeder hat seine Gründe, dem Anderen eins auszuwischen. Der Anlass des Prozesses wird immer unwichtiger, es zählt das Rechthaben in emotionalen und weltanschaulichen Irrungen und Wirrungen. Die Suche nach dem neuen Glauben an den Menschen bleibt unbeantwortet. Ironisch entlarvt Friedrich Dürrenmatts Satire „Der Prozess um des Esels Schatten“ unsere Gesellschaft, in der populistische Propaganda in allen Netzen und Radikalisierungen gegen „die anderen“ finden in beängstigender Weise Nährboden. Damit trifft Dürrenmatt auch heute den Nerv der Zeit. Die Frage, wer in der Geschichte eigentlich der Esel sei, mag jeder Zuschauer selber versuchen zu beantworten.

Gelegenheit dazu haben die Besucher des Meppener Theaters am Donnerstag, 14. September, und am Dienstag, 19. September, jeweils um 20 Uhr. Einlass ist jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt an der Abendkasse beträgt sieben Euro für Erwachsene, für Schüler fünf Euro.