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Streithahn im Gockel-Kostüm 27-Jähriger in Meppen nach Schlägerei verurteilt

Von Alfred Korfhage | 14.07.2014, 13:01 Uhr

Weil er bei einem Streit in Meppen einem jungen Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen und das Nasenbein gebrochen hat, ist ein 27-Jähriger vom Strafrichter zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Der Angeklagte hatte im September 2013 zusammen mit seinen Freunden Junggesellenabschied gefeiert und dabei ein Gockel-Kostüm angezogen. Schließlich kam der Angeklagte auf die Idee, in einer der Gaststätten an der Bahnhofstraße in Meppen noch etwas zu trinken. Sein Kostüm war vor einem Imbiss Anlass für Spott, was ein Wortgefecht nach sich zog, bis dem Angeklagten der Geduldsfaden riss. Mit einem Boxhieb setzte er sein Gegenüber außer Gefecht. Der Faustschlag war so heftig, dass diesem das Nasenbein gebrochen wurde, es wurde vom Facharzt sogar attestiert, dass die Halswirbelsäule angeknackst wurde. Per Operation musste die Nase gerichtet werden, zwei Wochen Krankschreibung schlossen sich an.

Der Angeklagte gab den Boxhieb zu, behauptete aber, er sei nicht nur verbal angegriffen worden, er habe auch einen Schlag ins Gesicht bekommen, auf den er dann entsprechend geantwortet habe. Er habe sich bei dem Verletzten entschuldigt. Er gab ein Foto von sich zur Ermittlungsakte, worauf eine Rötung um sein Auges zu erkennen war. Für die Hochzeitsfeier habe er „eine Menge Kosmetik“ benötigt, um sein blaues Auge abzudecken.

Die Tatzeit, gegen 4 Uhr, die Feier und der Ort des Streits sprachen dafür, dass Alkohol eine Rolle spielte. Alle Beteiligten, auch die Zeuginnen, bestätigten, dass sie angetrunken gewesen seien. Die Anzeige wurde später erstattet, sodass dazu seitens der Polizei keine Feststellungen getroffen wurden. Die unmittelbar Beteiligten widersprachen sich, auch die Zeugen hatten Erinnerungslücken, sodass der genaue Ablauf der Handlung nicht geklärt werden konnte.

Der Staatsanwalt war überzeugt, dass der Angeklagte nicht in Notwehr gehandelt habe, der Faustschlag sei eine einfache Körperverletzung. Da dieser bisher nicht straffällig wurde, seien 30 Tagessätze zu 20 Euro eine ausreichende Sanktion.

Der Verteidiger widersprach, sein Mandant sei provoziert worden, wogegen Notwehr berechtigt sei, deswegen sei er freizusprechen.

Der Anwalt des Nebenklägers war mit der rechtlichen Würdigung des Staatsanwalts einverstanden. Das Gockel-Kostüm habe Lästereien provoziert, damit habe der Angeklagte rechnen müssen.

Der Strafrichter ging über den Antrag hinaus, er urteilte auf 40 Tagessätze, insgesamt also 800 Euro, dazu müsse er die Kosten seines Anwalts und die des Verletzten tragen. Es liege eine vorsätzliche Körperverletzung vor. Kein Zeuge habe gesehen, dass der Angeklagte einen Schlag ab bekam, Notwehr sei damit ausgeschlossen. Für ihn spreche die bisherige Straffreiheit, auch der Alkohol habe sich ausgewirkt. Gegen ihn spreche die Kostümierung, damit habe er Kommentare Anderer erwarten können, und die schwere Verletzung sei zu berücksichtigen.