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Stadt benennt Weg nach Schauspieler Hermann Lause Der Mädchenfänger von Meppen

Von Carola Alge | 28.10.2011, 10:00 Uhr

Das Rampenlicht außerhalb der Bühne ist nie groß sein Ding gewesen. Hermann Lause war zwar Schauspieler mit Leib und Seele, auf die Titelbilder der Zeitschriften zog es den gebürtigen Meppener aber nicht. Der Mime lebte still und zurückgezogen in Hamburg. Still wurde ihm auch gestern eine Ehre in seiner Heimatstadt zuteil: Der Weg vom Stadtwall zum Theater wurde nach ihm benannt, das Schild offiziell enthüllt.

Ganz anders war Lause als junger Mann. Als Abiturient zog er 1960 mit den Mitschülern durch die Stadt und gab eine Soloeinlage. Er lockte damals, eine alte „Melone“ auf dem Kopf, in der Hand ein schwarzes Stäbchen, im Stil des Rattenfängers von Hameln eine immer größer werdende Zahl von Schülerinnen des nahe gelegenen Lyzeums aus den Klassenräumen auf die Straße.

Lehrerinnen entsetzt

Zum Entsetzen der Lehrerinnen folgten ihm etwa 200 Mädchen auf den Marktplatz. Erst als die Pause längst vorbei war, führte der Gymnasiast „Mädchenfänger“ seine „Ratten“ ins Lyzeum zurück, wo den jungen Frauen eine harte Strafe drohte. Doch mit seinem Charme und einem großen Blumenstrauß gelang es ihm, die Direktorin zu besänftigen. Der Auftritt bescherte dem Darsteller bereits in jungen Jahren ein beachtliches Publikum auf dem Marktplatz. Er genoss das sichtlich. „Es war ein lausiger Spaß“, sagte er einmal im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ihn zeichnete sein feiner Humor aus. Daran erinnert sich einer seiner Meppener Weggefährten noch gut. Wilhelm Bartels verbrachte mit ihm in jungen Jahren viel Zeit im Fähnlein der „Neudeutschen“, der „Studierenden Deutschen Jugend“. Von 1950 bis 1956 erkundeten sie gemeinsam die nähere und weitere Heimat. Als „Meppener Wölfe“ unternahmen sie mit dem Fahrrad Touren in den Teutoburger Wald, an die Mosel, in den Hatz, ins Weserbergland und sogar nach Kopenhagen.

In den Sommerferien waren die jungen Männer drei bis vier Wochen auf Tour. „Wenn wir bergan ins Schwitzen kamen, sorgte Hermann stets mit seinem trockenen knappen Humor für gute Laune und neuen Schwung“, erinnert sich Bartels.

Noch gut vor Augen hat er Lauses erste schauspielerische Gehversuche: „Bereits im Februar 1954 wusste er als Burgfäulein in dem Theaterstück ‚Das unterste Gewölbe‘ in den Armen des Ritters zu gefallen.“ Richtig erlernte Lause die Schauspielerei 1963 bei Ellen Mahlke in München. Hier bekam der Meppener Privatunterricht. Da es in ihrem Haus eine richtige Bühne nicht gab, machte er auf einem nur wenige Quadratmeter großen schlichten Teppich die ersten Schritte, statt auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Von diesem Bodenbelag nahm er sich später ein Stück mit, bewahrte es sorgfältig auf.

Lause hat das Teppichstück immer als symbolisch wertvoll gesehen.“ Mit beiden Beinen auf dem Teppich zu bleiben, nicht abzuheben“, daran sollte es ihn erinnern. Mit Erfolg. Der Mime war stets jemand, der natürlich und unkompliziert daherkam. Dafür liebte er es aber, künstlerisch komplizierte Sachen zu machen, zum Beispiel schwierige Rollen zu spielen. Das Handwerkszeug dazu bekam er vor allem durch „learning by doing“. „Man lernt den Beruf nicht nur auf der Schule, sondern vor allem vom Gucken, im Vollzug sozusagen“, war seine Devise. So fühlte sich der Wahlhanseat bei seinem ersten Auftritt auch gewissermaßen nur als Tablettträger, mehr nicht. Das war 1966 im Schlossparktheater, der Dependance des Berliner Schillertheaters, wo er den Pierre in der „Zimmerwirtin“ von Jacques Audiberti gab.

Von da an ging es bald aufwärts mit Lause. Der Sohn eines Vermessungstechnikers studierte zwar Archäologie, Kunstgeschichte und Philosophie, doch das Theater ließ ihn nie ganz los. Nach zwölf Semestern brach er das Studium ab, widmete sich ganz dem, was er immer machen wollte: der Schauspielerei.

Am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, wo er mit Frau und Sohn lebte, gehörte er quasi zum Inventar. Dem Haus stand Peter Zadek lange vor. Mit ihm arbeitete Lause viel zusammen, unter anderem am Akademietheater in Wien. Der blondhaarige Mime liebte das Theater. Es könne die Zuschauer aufwühlen, sei facettenreich und doch stets ein Gesamtwerk, fand Lause.

Aber auch in verschiedenen Filmen wirkte der Meppener mit. Mit Veronica Ferres zum Beispiel spielte er im „Superweib“. Er bezeichnete sie als „wunderbare Kollegin und Partnerin“, die unkompliziert und ohne Attitüden sei. Mit Ferres drehte Lause auch den Kinofilm „Schtonk“, in dem er als Kurt Glück zu sehen war. Außerdem wirkte er unter anderem in dem Doku-Drama „Die Staatskanzlei“ und in Wolfgang Petersens Ökothriller „Smog“ mit.

Gastauftritte in Serien

Fernsehserien dagegen waren kaum Lauses Ding, obwohl er immer wieder mal Gastauftritte im „Großstadtrevier“, „Der Fahnder“ und Co. hatte. „Mich hat es nie richtig gereizt, dass einen hinterher alle ansprechen oder man auf einem Titelbild irgendeiner Zeitschrift erscheint. Ich habe kein Bedürfnis nach dieser Art der Vergrößerung von Öffentlichkeit mitzuwirken“, sagte er einst im Interview mit unserer Zeitung.

Im „Schimanski“-Film „Sünde“ war Hermann Lause zum letzten Mal am 26. Juni 2005 zu sehen. Einen Monat vorher starb er im Alter von 66 Jahren an den Folgen einer schweren Krebserkrankung. In Erinnerung bleibt er als bescheidener, aber sehr präsenter Vollblutschauspieler, der von großer Wandlungsfähigkeit war, der Kollegen, Freunde und Bekannte gleichermaßen begeisterte.

An den Schauspieler aus Meppen erinnert jetzt jenes Schild, das gestern Arnold Terborg vom städtischen Kulturamt, und Christoph Behnes, Vorsitzender des Heimatvereins, enthüllten. Der Hermann-Lause-Weg führt vom Stadtwall zum Theater – zu der Stätte, die für Hermann Lause in vielen Orten berufliches Zuhause war, wo er im Rampenlicht stand...