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Sport und Kochen verbindet Asylbewerber und Schüler treffen sich im Meppener jam

Von Heiner Harnack | 21.06.2015, 17:00 Uhr

Nach UN-Schätzungen befinden sich rund 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht und versuchen, in anderen Ländern ein besseres Leben für sich und ihre Familien aufzubauen. Im Meppener Jugendzentrum jam haben sich junge Flüchtlinge aus dem Sudan, aus Eritrea oder aus dem Kosovo mit jungen Meppenern getroffen, um die ersten Schritte zu einem besseren Verständnis untereinander gemeinsam zu gehen.

Stadtjugendpfleger Karsten Streeck und seine Helfer waren noch tags zuvor von Tür zu Tür gegangen, um die jungen Flüchtlinge zum gemeinsamen Kennenlernen-Nachmittag ins Jugendzentrum jam einzuladen. „Wir sind schon zufrieden, wenn eine gute Handvoll zu uns kommt“, sagte Streeck im Vorfeld, um dann überwältigt festzustellen, dass rund 70 junge Menschen den Weg in die Königstraße fanden und dabei sein wollten, wenn es darum ging, sich besser zu verstehen.

Es herrschte ein Stimmengewirr aus verschiedenen Sprachen, das bei Verständigungsproblemen meistens mit Englisch kompensiert wurde. Ging auch das nicht, halfen sich die jungen Leute einfach mit der Zeichensprache.

Sport und Kochen

Dass Fußball die Menschen verbindet, zeigte sich auch im jam. Ob draußen der Kugel nachgejagt oder der Tischkicker ständig belagert wurde, dies war das beste Beispiel, dass Sport über alle Grenzen hinweg Menschen zusammenführen kann. Beim „Chaos-Spiel“ jagten die Jugendlichen den Punkten quer durch das Jugendzentrum hinterher und hatten auch hier keine Berührungsängste.

Dass unter den Flüchtlingen auch große Angst herrscht, von den deutschen Behörden abgeschoben zu werden, zeigte das Beispiel von Adnan aus dem Kosovo, der seit sieben Monaten hier lebt und gut Deutsch spricht. Am Donnerstag soll der Kosovo-Albaner, dessen Frau und Kinder noch im Kosovo leben, Deutschland verlassen. „Mein Anwalt hat mir gesagt, dass er nichts mehr für mich tun kann“ erzählt Adnan, der als Lkw-Fahrer und Dachdecker gearbeitet hat.

Der 20-jährige Sami, der gebürtig aus dem Sudan stammt, hat Afrika verlassen, weil er gläubiger Christ ist und keine Chance für sich sieht, nicht verfolgt zu werden. In gutem Englisch erklärt Sami, der bereits seine Familie verloren hat und über Libyen fliehen konnte, dass er in Deutschland gerne studieren und arbeiten möchte. „Ich möchte nur in Frieden leben und würde zunächst einmal gerne in Meppen bleiben, da es eine schöne kleine Stadt ist“ sagte er.

Die 24-jährige Studentin Anna, die bereits einen Gruppenleiter-Kurs im jam absolviert hatte, war über ein Caritas-Treffen auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam geworden. Sie bietet zusammen mit Peter Ahlers einen Kochclub für Flüchtlinge an, der jeden Mittwochnachmittag von 16 bis 18 Uhr im jam stattfindet. „Jeder, der zu uns kommen möchte, ist eingeladen“, erzählt die Lehramtsstudentin, die sich einfach nur ehrenamtlich engagieren will: „Man sieht, dass man wirklich etwas Gutes tun kann und das ist schön.“