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Sonniger Platz, schattige Leute Jule Gölsdorf überzeugt bei 5. Meppener Krimitagen

Von Reinhard Fanslau | 09.11.2017, 18:44 Uhr

Die Messlatte für die anderen Vortragenden der Veranstaltungsreihe liegt jetzt hoch. Viel Beifall für ihren Auftritt zum Auftakt der 5. Meppener (Krimi-) Literaturtage hat Jule Gölsdorf im Café Koppelschleuse erhalten. Vor etlichen Krimi-Fans trug die Autorin knappe zwei Stunden aus ihrem aktuellen Erfolgsbuch „Tödliche Vorstellung“ vor.

Kai Engelke, der künstlerische Leiter der Krimitage, kündigte die 41-Jährige als Multi-Talent an. Vielen Besuchern sind Gesicht und Name der gebürtigen Würzburgerin aus TV-Sendungen bekannt. So moderiert die gelernte Journalistin zum Beispiel die „Bingo!“-Show auf NDR mit Michael Thürnau zusammen und ist auch für die Sender ntv und KiKa tätig. Gekommen waren am Dienstag aber alle wegen ihrer literarischen Ader und weil viele ihr Erstlingswerk „Mörderisches Monaco“ gelesen und für gut befunden hatten. Wie ihr Debut spielt auch „Tödliche Vorstellung“ im Fürstentum an der Cote d’Azur. „Monaco ist ein sonniger Platz für schattige Leute“, habe ihr ein Bekannter mal gesagt. „Hier leben auf engem Raum viele reiche Leute. Ein guter Ort, um Kriminalgeschichten zu entwickeln“, sagte die Autorin bei ihrer Lesung in Meppen.

Anders als Karl May, der nie an den Schauplätzen seiner Romane war, recherchierte die Autorin für ihr Werk vor Ort. Es spielt im Zirkusmilieu. Monaco ist einmal im Jahr Schauplatz eines weltweit beachteten Zirkusfestivals. Dort traf sich Gölsdorf nicht nur mit Prinzessin Stephanie, sondern absolvierte auch ein Praktikum auf einer Polizeistation. Und sie traf sich mit dem Tierarzt, der früher die Hunde des 2005 verstorbenen und für seine Tierliebe bekannten Fürsten Rainier behandelte. Aus all dem formte sie ein Buch mit Format. Allein, die Auszüge, die die Schreiberin im Café Koppelschleuse vortrug, machen Lust auf mehr. Die Zuhörer waren sofort in der Szenerie, die sie geschaffen hatten, und fieberten auf der Suche nach dem Mörder mit.

Wildtiere im Zirkus?

Dazu schafft es Gölsdorf sehr geschickt, in ihren Büchern Untergeschichten mit gerade viel diskutierten gesellschaftlichen Themen zu integrieren. In ihrem Erstling lautete dieses: „Sportler und Homosexualität“. Jetzt dreht es sich um die aktuelle Frage „Wildtiere im Zirkus? Ja oder nein“. „Ich möchte dazu beitragen, dass diese Diskussion angeregt wird“, sagte die Schriftstellerin. Bei der Lesung in Meppen gelang ihr das gut. Viele Zuhörer trugen in der Runde ihre Erfahrungen und Meinungen vor. Gölsdorf sagte einerseits, dass sie ein gewisses Verständnis für die Zirkusleute hat. Andererseits sei sie letztens in einer tierfreien Show eines Zirkus gewesen und anschließend zu der Erkenntnis gelangt: „Mir hat es nicht gefehlt, dass ich kein Tier in der Manege gesehen habe.“

Ein weiteres Plus zeigte sich beim auch sprachlich brillanten Vortrag der Autorin. Sie versteht es gut, auch immer eine humorvolle Komponente in ihre Verbrechensgeschichten einzubauen. So hörten an diesem Abend die Gäste zum Beispiel von einem unfreiwillig kiffenden Hund oder erfuhren, welche Vorzüge polnischer Limetten-Kaktus-Saft hat. Das alles zusammen ergab eine niveauvolle, spannende, bunte Mischung, die den Zuhörern im Café Koppelschleuse am Dienstag einen kurzweiligen Abend bescherte. Viele von ihnen ließen sich am Ende mitgebrachte oder vor Ort gekaufte Bücher von Jule Gölsdorf persönlich signieren.