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So läuft eine Evakuierung ab Moorbrand im Emsland: Was bedeutet der Katastrophenfall für die Menschen?

Von Tobias Böckermann | 25.09.2018, 19:22 Uhr

Der Landkreis Emsland hat wegen des Moorbrands den Katastrophenfall ausgerufen. Damit will er für den inzwischen sehr unwahrscheinlichen Fall gerüstet sein, dass die Flammen auf die Dörfer Klein und Groß Stavern übergreifen. Aber was bedeutet das genau?

Ein Katastrophenfall kann bei drohenden schweren Schäden, etwa bei verheerenden Unglücken oder Naturereignissen, ausgelöst werden. Im Emsland sind derartige Ereignisse sehr selten – zuletzt war das 1998 beim Jahrhunderthochwasser der Hase der Fall, nicht aber beim Transrapid-Unglück 2006.

Nun also geht es um ein drohendes Feuer, das mehr als 1000 Menschen und deren Tiere potenziell bedroht. Die organisierte Verlegung von Menschen und Tiere aus einem gefährdeten Gebiet mit Transport, Unterkunft und Versorgung in ein ungefährdetes Gebiet – eine Evakuierung ist ein komplexes Vorhaben, das beim dafür zuständigen Landkreis Emsland und auch bei den einzelnen Gemeinden immer wieder in der Theorie durchgespielt wird. Im Notfall liegen damit die notwendigen Planungsabläufe sozusagen in der Schublade.

Es gibt Lagen (also Unglücke), in denen eine Evakuierung möglichst umgehend erfolgen muss, etwa bei Großbränden oder Bombenfunden. In anderen spitzt sich die Situation langsam zu und eine mögliche Evakuierung kann daher umfassend vorbereitet werden, wie jetzt beim Moorbrand.

Eine Evakuierung erfolgt durch die Polizei und bei Bedarf mit Unterstützung weiterer Kräfte. Je nach Lage und verfügbarer Zeit werden die Bewohner durch Sirenen, Flyer, Lautsprecherdurchsagen, Radiodurchsagen oder Social Media informiert. Es ist auch möglich, dass Einsatzkräfte von Tür zu Tür gehen.

Viele helfen sich selbst

In der Regel können sich ca. 50 Prozent der zu Evakuierenden selbst aus dem gefährdeten Gebiet bewegen. Für die übrigen Personen müssen Transportmöglichkeiten geschaffen werden, z.B. mit Bussen oder Krankentransporte. Der Ort, in den evakuiert wird, muss weit genug von der Gefahrenlage entfernt sein und für die voraussichtliche Zahl der Evakuierten geeignet sein. Im Falle Stavern würde die Unterbringung derjenigen, die nicht selbst eine Unterkunft zum Beispiel bei Bekannten organisieren, in der Stadthalle Haselünne erfolgen. Dort könnte die notwendige Infrastruktur sichergestellt werden.

Je nach Lage muss entschieden werden, ob, wie und wohin Tiere aus dem gefährdeten Gebiet gerettet werden können, oder ob es möglich ist, zur Versorgung der zurückgebliebenen Tiere kurzfristig in das Gefahrengebiet zurückzukehren. Weiterhin muss die Unterbringung von Kleintieren, wie z. B. Katzen und Hunden, geregelt werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel Ställe mit Mastgeflügel oder Milchkühen allein aus praktischen Erwägungen nicht geräumt werden könnten, sondern dass die Landwirte zur Tierversorgung bei entsprechender Sicherheitslage kurzfristig auf ihre Höfe zurückkehren. Landrat Reinhard Winter hatte Ende vergangenen Woche deutlich gemacht: „Zuerst geht es um die Menschen. Aber wir quälen auch keine Tiere.“

Zwangsmittel möglich

Bei einer entsprechenden Anordnung gilt grundsätzlich, dass die Aufforderung zum Verlassen der eigenen Wohnung oder eines Hauses für die Betroffenen rechtlich verpflichtend ist. Auch derjenige, der auf eigenes Risiko in seiner Wohnung oder seinem Haus bleiben möchte, muss das betroffene Gebiet verlassen, wenn eine unmittelbare Gefahr droht. Die Polizei kann zur Durchsetzung der Evakuierung auch Zwangsmittel anwenden.

Damit sind im Katastrophenfall sogar einige Grundrechte außer Kraft gesetzt, zum Beispiel eben das Recht auf Freizügigkeit und Unverletzlichkeit der Wohnung. Im Notfall können die Behörden auch Einwohner als Helfer verpflichten und fremde Gebäude oder Autos nutzen.

Der Landkreis Emsland kann derweil noch keine Angaben dazu machen, wann der Katastrophenfall aufgehoben wird. Ein Sprecher teilte auf Anfrage mit, das Ende des durch den Landkreis ausgerufenen Katastrophenfalls sei offen. Man müsse zunächst eine grundlegende Änderung der Lage abwarten.