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Sicher ins Jahr 2017 Silvesterfeuerwerk: Tipps zum Umgang mit Böllern und Raketen

Von Carola Alge | 28.12.2016, 11:05 Uhr

Der Verkauf von Feuerwerken für Silvester 2017 startet am 29. Dezember 2016 und endet am Silvestertag. Vulkane, Fontänen, Chinaböller und Co. werden in diesen Tagen wieder bergeweise eingekauft. Damit die Knallerei nicht – im wahrsten Sinne des Wortes – ins Auge geht, haben wir Tipps für den richtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern.

Beim Abbrennen von Feuerwerken sollte man äußerst vorsichtig sein und einige Tipps beachten. Die Gefahr von falsch verwendeten Feuerwerkskörpern zu Silvester in Folge von Trunkenheit zum Beispiel ist auch in Deutschland immer noch groß oder sogar die Regel. Für manchen endet die Silvesterfeier in der Notaufnahme des Krankenhauses.

Explosionsgefährlich

Feuerwerkskörper sind immer feuer-, besonders aber explosionsgefährlich. Sie fallen deshalb unter das Sprengstoffgesetz. „Aus mir völlig unerklärlichen Gründen wurden sie in den letzten immer größer und somit potenziell immer gefährlicher“, bedauert der Meppener Pyrotechniker Dr. Hans Knöchel. Die Netto-Explosivmenge (NEM), die allein die Gefährlichkeit bestimmt, habe mit Billigung der BAM zu Batteriegrößen geführt, die vor zehn Jahren noch zum Großfeuerwerk der Klasse IV zählten. Auch die aus den Batterien verschossenen großkalibrigen Knall- und Effektkörper seien mit hochwirksamen Explosivgeschossen vergleichbar, wenn sie nichtvorschriftsgemäß vertikal, sondern horizontal abgefeuert werden. Das gelte gleichermaßen für Raketen. „Eine damit getroffene Person kann unter Umständen schwerste Augen-, Gehör- und sonstige Gesundheitsschäden davontragen“, warnt Knöchel.

Schwer heilende Verletzungen

Für „ganz besonders dämlich“ hält Knöchel die Verwendung von Seenot-Rauchkörpern bzw. rot abbrennender Seenot-Fackeln. „Während auf See eine schnelle Rauchverdünnung durch den Wind erfolgt, klettert der giftige heiße Farbrauch an windarmen Stellen langsam hoch und kann lange eingeatmet werden. Die Seenot-Fackeln erreichen während der gesamten Brennzeit je nach Rezeptur Temperaturen von über 1500 Grad und führen zu schwer heilenden Verletzungen, die häufig genug mit den hochgiftigen Verbrennungsprodukten kontaminiert sind und grässliche Narben hinterlassen.“

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Aber auch die Wirkung beliebter großer Chinaböller sei bei unsachgemäßer Verwendung nicht zu unterschätzen. „Sie können eine Hand zerfleischen oder so stark verbrennen, dass eine Amputation unumgänglich ist.“

Der Pyrotechniker rät, bei der Verwendung von Feuerwerken immer die aufgedruckte Gebrauchsanweisung zu lesen und sich strikt daran halten. Ein Abstand von acht bis zehn Metern zu Raketen, Batterien und Co. seien „immer gut“, ein vertikaler Abschuss unabdingbar.“

Keine Höchstmenge

Da es eine Höchstmenge beim Verkauf von Silvesterfeuerwerk nicht gibt, kommen manche Käufer auf bis zu fünf Kilogramm reine Explosivstoffmasse in einem normal großen Einkaufswagen. Das ist ganz und gar nicht ohne. „Für die wirkungsgleiche Menge von Schwarzpulver bräuchte man den Sprengstofferlaubnisschein eines Ordnungsamtes“, so Fachmann Knöchel .

Und wie sieht es mit der Sprengkraft einer durchschnittlichen Haushaltsmenge an Knallerei zu Silvester aus? Beim Billigfeuerwerk der Discounter komme man nach Angaben Knöchels leicht auf einen Vergleichswert von etwa ein bis zwei Kilogramm Schwarzpulver, falls man sich die Mühe macht, alle Explosivstoffbestandteile heraus zu pulen, sie anschließend zu mischen und in einen geschlossenen Behälter zu packen. „Das reicht locker, um unter Verwendung von bis zu zehn Litern Benzin einen großen Pkw im Stil eines ‚Tatorts’ zu zerlegen“.

Meist Verbrennungen

Welche Verletzungen unsachgemäß abgeschossene Feuerwerkskörper haben können, wird nicht zuletzt auch in der Notaufnahme im Meppener Krankenhaus deutlich. Hier werden nach Auskunft von Dr. Kai Günsche in der Silvesternacht im Schnitt etwa 50 Personen behandelt. Das sind doppelt so viele Patienten in üblichen Wochenendnächten. Bei den Verletzungen handelt es sich aufgrund des Feuerwerkes meist um Verbrennungen, Handverletzungen und Verletzungen des Gesichts, insbesondere auch der Augen. Da das Meppener Ludmillenstift ein handchirurgisches Zentrum vorhält, werden die Schwerhandverletzten der Region überwiegend hier versorgt.

Unfälle vermeiden

Zur Vermeidung von Unfällen rät Günsche , Chefarzt der Orthopädie, Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Meppener Krankenhaus, immer genügend Abstand zu den Feuerwerkskörpern einhalten, nur zugelassene Knaller und Raketen abschießen und Kinder davon fernhalten. Auch Mutproben (explodierende Knallkörper in der Hand halten oder ähnliches) gehörten „sicherlich nicht zu einem gelungenen Jahreswechsel.“ Große Mengen Alkohol und Böller sollten sich in dieser Kombination zudem eigentlich ausschließen. Auch sogenannte „Krepierer“, das heißt Knaller, die nicht explodieren, sollte man auf keinen Fall ein zweites Mal entzünden.

Sicherheitshinweise beachten

Darauf verweist auch die Polizeiinspektion Emsland. Sicherheitshinweise auf den Raketen und Knallern seien unbedingt zu beachten. „Feuerwerkskörper gehören nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen und dürfen nur im Freien abgebrannt werden. Geknallt werden darf lediglich am Silvester- und am Neujahrstag, jedoch nicht in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen“, sagte ein Polizeisprecher. Böller und Raketen dürften niemals auf Personen oder in Fenster geworfen werden.

Feuerwerkskörper nicht selbst basteln

Eindringlich warnt die Polizei davor, Feuerwerkskörper selbst zu basteln oder die im Handel erhältlichen Artikel zu verändern. Auch beim gleichzeitigen Abbrennen mehrerer Knallkörper oder der Herstellung einer zusätzlichen Verdichtung in einem entsprechenden Behälter drohten unvorhersehbare Gefahren. In dem Zusammenhang weist die Polizei auf die Gefahren von selbst gebastelten „Abschussgeräten“ hin, die mit Selbstlaboraten gezündet werden. In den letzten Jahren sei es hierbei immer wieder zu schweren Unfällen gekommen, bei denen Personen lebensgefährlich verletzt wurden oder Brände entstanden sind.

Geldbuße droht

Untersagt ist das Abfeuern von Schreckschuss-,Reizstoff- und Signalwaffen auf öffentlichen Straßen und Plätzen – auch zu Silvester. Benutzt man eine solche Waffe in der Öffentlichkeit, auch wenn man im Besitz des „Kleinen Waffenscheines“ ist, stelle dies eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße geahndet wird. Gleichzeitig könne die Waffe eingezogen werden. Werde eine solche Waffe auf öffentlichen Straßen und Plätzen abgefeuert, ohne dass der Besitzer den „Kleinen Waffenschein“ hat, stelle dies sogar eine Straftat dar, die mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe (bis zu drei Jahren Haft) geahndet wird.