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Rettungsaktion Im Motorraum: Katze überlebt Autofahrt mit Tempo 180 auf A31

Von Julia Mausch | 29.06.2016, 15:15 Uhr

Miau! Dieses Geräusch verfolgte Christian Strodt über Tage. Um genau zu sein, eine Woche. Jedes Mal, wenn er in Wesuwe um sein Haus ging, erklang das Geräusch erneut. Zuerst glaubte er, ein Katzennest im Garten zu haben. Ein Trugschluss, erkannte er, als er seine Frau von einer Feier in Lingen abholen wollte.

„Tapsi“ geht es gut, sehr gut sogar. Die kleine Katzendame lebt bei der Familie Walter, wird gepflegt und vor alllem eins – verwöhnt. Kein Wunder, der Vierbeiner hat eine aufregende Woche hinter sich und ist, hat nicht nur ein neues Zuhause gefunden, sondern ist, seit ihr zwei Mal das Leben gerettet werden musste, der Star in Wesuwe. ( Anwohner schnappen in Tinnen mutmaßlichen Dieb )

Katzennest im Garten?

Knapp eine Woche ist es her, seit sie zum ersten Mal den Kontakt Christian Strodt aus Wesuwe aufnahm – auf einem ungewöhnlichen Weg. Über Tage hinweg nahm Strodt eigenartige Geräusche vor seinem Haus wahr, konnte dieser aber nicht so recht einordnen. „Anfangs hab ich gedacht, wir haben eine Katzenfamilie in der Hecke vor dem Haus“, erinnert sich Strodt. Immer mal wieder schaute er, woher die Geräusche kamen, Vierbeiner sah er aber nie.

Mit 180 Stundenkilometern über die Autobahn

Auch nicht, als er am vergangenen Samstag seine Frau nach Lingen zu einem Fest bringen wollte. Er fuhr mit seinem Golf los, und hörte abermals ein leises „Miau“. Das Geräusch hörte auch abends nicht auf, als er seine Frau aus der benachbarten Stadt wieder abholen wollte und auf seinem Weg einen Zwischenstopp an der Tankstelle einlegte. Ein Zeitpunkt, an dem Christian Strodt anfing, an sich selbst zu zweifeln. „Das war einfach zu schräg, ständig verfolgte mich ein Miauen, das ich nicht lokalisieren konnte.“ Mit 180 Stundenkilometern ging es von Wesuwe aus auf die A31 Richtung Lingen.

Katze verweigert Hilfe

In Lingen angekommen, ertönte wieder das Geräusch. Christian Strodt wurde es zu bunt. Zusammen mit seinen Freunden nahm er seinen Golf genauer unter die Lupe und traute seinen Augen nicht. In einer kleinen Kammer zwischen dem Kühlergrill und den Scheinwerfern versteckte sich „Tapsi“. Unbeschadet von der rasanten Autofahrt, dafür verschmutzt und verschüchtert, fauchte und miaute das Kätzchen vor sich hin. Und verweigerte jegliche Hilfeversuch der Männer. Irgendwann war es geschafft, die Katze war frei.

Und wieder ertönt ein „Miau“

Freunde gaben Christian Strodt und seiner Frau Streu und Futter mit, um „Tapsi“, die zu diesem Zeitpunkt auf den Namen „Motte“ getauft wurde, zu versorgen. In der Garage brachte das Paar die Katze unter. Irgendwann war sie verschwunden. Sie hat wohl ihre Mutter wieder gefunden, dachte sich Strodt, als er einen Tag später zum Frühdienst aufbrechen wollte. Er setzte sich in seinen Wagen, fuhr los und dann passierte es: „Miau“. Der Ton kam aus dem Motorraum – dieses Mal aus seinem Polo, nicht aus dem Golf. „Nicht schon wieder“, dachte sich Christian Strodt und fuhr direkt weiter zu einer Werkstatt. Wieder über die A31, dieses Mal aber sehr vorsichtig. „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man weiß, man hat ein Tier im Motorraum stecken.“

Hilfe im Harener Bürgerbüro

Als die Mechaniker die Motorhaube öffneten, blickten sie in die Augen von „Motte“. Ein zweites Mal wurde die Katzendame gerettet, ein zweites Mal war das Tier dafür eher weniger dankbar. Statt in der Garage einzuquartieren, brachte Christian Strodt das Tier in das Harener Bürgerbüro, das für Fundtiere zuständig ist. ( Weiterlesen: Wohin mit dem Fundtier? ) Er fuhr wieder nach Hause und traf prompt auf seine Nachbarn, die auf der Suche nach der Katze waren.

Tapsi bekommt eine „Halbschwester“

Wolfgang Walter und seine Kinder Leonie und Justin hatten von den ungewöhnlichen Vorfällen in den vergangenen Tagen erfahren und sich entschlossen, die Katze aufzunehmen, da Christian Strodt diese Möglichkeit nicht hatte. „Was für ein Happy Ende“, fand Strodt und machte sich unverzüglich wieder auf den Weg nach Haren, um „Motte“ abzuholen – mit Erfolg. Mittlerweile ist die Katzendame fester Bestandteil der Walters, hat nicht nur den neuen Namen „Tapsi“ erhalten, sondern hat auch noch eine „Halbschwester“ bekommen: Malteserhündin „Cila“. „Die beiden verstehen sich“, sagt Wolfgang Walter auf Nachfrage und weiter: „Tapsi hat sich erholt, sie blüht auf.“ Rausgehen dürfe sie aber vorerst nicht. Vielleicht gar keine schlechte Idee?