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Renaturierung in Meppen Mehr Raum für den Teglinger Bach

Von Tobias Böckermann | 15.07.2014, 15:30 Uhr

Der Teglinger Bach erhält kurz vor den Toren der Stadt Meppen wieder einen Teil seiner Freiheit zurück. Wo jetzt noch Bagger brummen, soll er sich schon bald auf fast zwei Kilometern seinen Weg selbst suchen dürfen.

Für Baggerfahrer Wilhelm Arling ist das Vorhaben durchaus eine Herausforderung. „Man muss ganz anders denken“, sagt er, der 35 Jahre Erfahrung darin hat, mit der Baggerschaufel immer alles möglichst schnurgerade zu bauen, zum Beispiel eine Straße. Nun aber muss er seinen Komatsu-Bagger dazu bringen, den schnurgerade verlaufenden Bach so umzugestalten, dass er mäandern, also in Kurven fließen kann. Arling fährt deshalb am Rand des Baches entlang und baggert die geraden Ufer einfach weg.

Übrig bleibt eine Kraterlandschaft, in der der ursprüngliche Verlauf nur noch an den Pflanzen zu erkennen ist, die in der Mitte des Baches gestanden hatten. Irgendwann wird das fließende Wasser die Buckel glatt schleifen und sich einen ganz eigenen Weg suchen – so wie früher.

Für die offizielle Eröffnung der Bachbaustelle am Montagnachmittag legte Wilhelm Arling eine Pause ein, während etwas entfernt seine Kollegen von der Firma Heinze aus Geeste mit einem weiteren Bagger und einer Raupe den Oberboden eines ehemaligen Ackers weiter abschoben.

Landrat Reinhard Winter war eigens zur Baustelle gekommen, um gemeinsam unter anderem mit Ludger Pott von der Unteren Naturschutzbehörde, dem Vorsitzenden der Naturschutzstiftung Emsland, Bernhard van der Ahe, Meppens stellvertretender Bürgermeisterin Annelene Ewers, dem Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden der Wasser- und Bodenverbände Bernd-Carsten Hiebing und der Botschafterin der Bingo-Umweltstiftung Anne Zachow, das Projekt zu erläutern.

Innovativer Ansatz

Winter betonte den innovativen Ansatz des Vorhabens. Dass ein Bach sich seinen Verlauf wieder selbst suchen dürfe, habe es in Niedersachsen so wohl noch nicht gegeben. Die Maßnahme sei ein Baustein bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie im Landkreis Emsland, die dazu verpflichte, die Wasserqualität und auch den Lebensraum im und am Wasser zu verbessern.

Umgestaltet wird nicht nur ein 1,3 Kilometer langes Stück des Teglinger Baches selbst, sondern mit dem Harpener Schloot (400 Meter) auch ein Zufluss. Außerdem soll sich die einst natürliche Talaue mit Tümpeln und Teichen auf einer Fläche von 13 Hektar zurückentwickeln können. Insgesamt werden dafür bis Ende November 50000 Kubikmeter Boden bewegt.

Für die Umsetzung des Vorhabens stehen 268000 Euro zur Verfügung, die aus Mitteln der Bingo-Stiftung (241000 Euro) und der Naturschutzstiftung Emsland (27000 Euro) gestellt werden. Das Land Niedersachsen hat nach Angaben von Ludger Pott eine zugesagte Förderung von 90000 Euro wieder zurückgenommen. „Die Baukosten sind niedriger ausgefallen als erwartet, da hat das Land das Geld gestrichen“, bedauerte Pott. Er hätte sich gewünscht, dass alle Geldgeber anteilig weniger hätten bezahlen müssen, zumal die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie eine Landesaufgabe sei.

Die Stadt Meppen bringt zudem zwei Hektar Land im Wert von 60000 Euro in das Projekt ein, die Naturschutzstiftung hat für 370000 Euro weitere elf Hektar angekauft. Die Renaturierung des Teilstückes geht einher mit einer Naturschutzmaßnahme des Fischereivereins Meppen vor einigen Wochen. Der Verein hatte in der Nähe auf einer Länge von 300 Metern dem Bachbett durch Einbauten und Kiesschüttungen mehr Struktur verliehen. Ziel ist auch hier die Erhöhung der Artenvielfalt.

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