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Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ 2017 Preisträgerkonzert in der Musikschule des Emslandes in Meppen

Von Petra Heidemann, Petra Heidemann | 13.02.2017, 15:11 Uhr

Mit einem Sonntagskonzert haben 20 der insgesamt 50 Preisträger des 54. Regionalwettbewerbs „Jugend musiziert“ aus dem Emsland und der Grafschaft Bentheim in Meppen beeindruckend Zeugnis von ihrem Können gegeben. 19 von ihnen haben die Qualifikation für den Landeswettbewerb erreicht, der im März in Wolfenbüttel stattfinden wird.

Der Stellvertretende Vorsitzende des Regionalausschusses „Jugend musiziert“ Lulzim Bucaliu bezeichnete in seiner Begrüßung die jungen Künstler als „Spitzenreiter der Kultur“ und zollte ihnen Respekt, dass sie sich mit großem Fleiß eingesetzt, dem Wettbewerb gestellt und der damit verbundenen Kritik ausgesetzt hätten. Er dankte der Sparkasse Emsland, aus deren Vorstand Oliver Rosen gekommen war, für ihr Sponsoring und den Kommunen für ihre Gutschein-Präsente für die Preisträger. Weiterhin würdigte er die unterstützende Arbeit der Eltern, des Landkreises und nicht zuletzt der Musikschule des Emslandes unter der Leitung von Martin Nieswandt. Zur Übergabe der Urkunden, Blumen und Preise begrüßte er außerdem auch den ersten Kreisrat des Landkreises Emsland Martin Gerenkamp und die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Meppen Andrea Kötter.

Konzentrierte Körperspannung

Das abwechslungsreiche Programm wurde eröffnet von dem erst siebenjährigen Hendrik Nießing am Flügel mit dem C-Dur-Stück aus „Das Wohltemperierte Klavier“ von Bach, ein Werk, das in aufsteigender chromatischer Folge Präludien und Fugen in allen Dur- und Moll-Tonarten umfasst. Ohne auch nur einen Blick auf die Noten zu werfen, spielte der junge Pianist hochkonzentriert und strahlte bei aller Dynamik, die er in das Stück legte, entspannte Ruhe aus. Ihm folgten die nicht viel älteren Zwillingsschwestern Mariia und Anastasiia Davydova - Mariia geradezu versunken in das zart und tupfend zu Gehör gebrachte „ Altfranzösische Liedchen“ aus Tschaikowskys „Kinderalbum“, für das dieser einst 24 „kleine Solostücke mit für Kinder verlockenden Titeln“ komponierte. Energisch in die Tasten greifend, mit tänzerischer Leichtigkeit und bis in die Fußspitzen sichtbarer konzentrierter Körperspannung schloss Anastasiia mit dem „Deutschen Tanz in C-Dur Allegretto“ von Mozart den Klavierteil des Konzerts ab.

Kulturförderung ein wahrer Schatz

In seinem Grußwort dankte Gerenkamp allen Unterstützern der musikalischen Förderung und berief sich auf Nietzsche mit : „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ Im digital bestimmten Umfeld gäben der Übungseinsatz, das „Dranbleiben“  und die musikalische Leistung dieser Preisträger Zeugnis davon, dass Leistung durchaus noch in der „alten analogen Welt“ der Musik nicht nur möglich sei, sondern hier würden entscheidend wichtige, Lebensqualität fördernde Erfahrungen gemacht. So sei die Kulturförderung der Musikschule ein wahrer Schatz. Immerhin führt die Musikschule des Emslandes über 8000 Kinder im Emsland und in der Grafschaft an die Musik heran.

Beherzte Bogenstriche

Der Mittelteil des sonntäglichen Konzerts war den Streichern zugedacht. Hier überzeugte das feinfühlig aufeinander abgestimmte Zusammenspiel des Cello-Trios Montje Kuhlmann, Angelina Dederer und Miriam Lampenschulten mit der Sonata Nr.2 C-Dur des barocken Schriftstellers und Komponisten Daniel Speer. Präzise wie ein Uhrwerk und mit beherzten Bogenstrichen spielten Lena Niers (Violine) und Ella Wüstefeld (Viola) im musikalischen Dialog geradezu neckisch-verschmitzt „Der Teufel“ und „Der berühmte Detektiv“ des iranischen, seit 1981 in Berlin lebenden Violinpädagogen Ramin Entezami, dessen Werke international bei Musikpädagogen und Schülern großen Anklang finden. Dem als Eurovisionsfanfare bekannten Präludium aus dem „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier, einem französischen Komponisten zur Zeit Ludwig XIV, verlieh das Streichquartett Linus Hammer (Violine), Lina Sandschulte (Violine), Sebastian Ricke (Viola) und Angelina Dederer (Violoncello) konzertante Volltönigkeit und  rundete das Programm für Streicher ab.

50 Preisträger

Anschließend übergaben Kötter, Gerenkamp, Rosen, Nieswandt und Bucaliu mit sichtlicher Freude 55 Preise und Urkunden an die insgesamt fünfzig Preisträger. Simeon Velinski, ebenfalls maßgeblich am Erfolg dieser musikalisch-pädagogischen Arbeit beteiligt, war erkrankt und konnte in diesem Jahr nicht an der Preisverleihung teilnehmen. Mit kraftvollen Schlägen auf ihr siebenteiliges Instrument setzte Montje Kuhlmann als rhythmisch präzise Schlagzeugerin mit einem Solostück ihres Lehrers Ulrich Lonnemann einen markanten Schlusspunkt hinter die Gratulationen. Im letzten Teil des Nachmittagskonzertes präsentierten die Bläser ihr Können. Madlena Riddering, Laura Hadam und Femke Clarietje Schlütken beeindruckten durch fröhliche Dynamik und gesanglich-gefühlvoll mit dem Adagio aus dem 6. Trio für 3 Flöten op. 5 von Kasper Kummer, einem Komponisten und Musikpädagogen der späten Wiener Klassik.

Spannungsreiche Balance

Nicht nur die beiden Instrumente glänzten, als die Blechbläser Nikolai Malorny (Trompete) und Wiebke Kuhlmann (Euphonium) „Baroque ‚n‘ Brass“ von Eugene Anderson zum Strahlen brachten und sich einander feierliche Passagen einerseits und schnelle Läufe andererseits zuspielten. Mit der Nr. 5 aus den „Czernowitzer Skizzen“ des österreichischen Film-, Opern- und Bühnenkomponisten Alexander Kulkelka, 2004 komponiert, fanden die vier Klarinettisten Rebekka Conen, Jacob Penniggers und Pascal Lake zusammen mit ihrem Lehrer Lulzim Bucaliu, der für die erkrankte Kirsten Klene einsprang, die spannungsvolle Balance zwischen Klezmer-hafter Sehnsucht und tänzerisch-temperamentvoller Fröhlichkeit in Moll. Damit vollendeten sie dieses Konzert, dessen vielversprechende Leistungen großen Respekt verlangen und sich wirklich sehen, besser gesagt, hören lassen können.