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Rasse des Jahres 2016 Eine Chance für die Schwarzbunten Niederungsrinder

Von Tobias Böckermann | 09.01.2016, 15:10 Uhr

Jahr für Jahr weist die Gesellschaft zur Erhaltung alter und bedrohter Haustierrassen GEH auf Nutztierrassen hin, deren Erhalt für die Nachwelt fraglich, aber lohnenswert erscheint. 2016 steht unter anderem das Schwarzbunte Niederungsrind im Mittelpunkt – eine Rinderrasse, die auch im Emsland einst weit verbreitet war.

Die GEH spannt mit dem Original Braunvieh aus den Alpen, dem Glanrind aus dem Mittelgebirge und dem Schwarzbunten Niederungsrind aus dem Tiefland einen deutschlandweiten Bogen durch die Kulturlandschaft. In Deutschland stehen aktuell 133 Nutztierrassen auf der Roten Liste, darunter Bentheimer Landschaf und Bentheimer Schwein , aber auch das Niederungsrind.

Es verkörpert einen Rindertyp, der über Jahrhunderte das Überleben der Menschheit gesichert hat. Es war zuverlässig als Zug- und Arbeitstier, ergiebig in der Milcherzeugung aus dem betriebseigenen Grundfutter, angemessen produktiv in der Erzeugung von Qualitätsfleisch und bewährt bei der Bereitstellung von hofeigenem Dünger.

Das Deutsche Schwarzbunte Niederungsrind (DSN) kommt dabei wohl vielen Norddeutschen bekannt vor: „Stehn doch überall auf den Weiden rum“, könnte man denken und hat doch unrecht. Denn die wenigen Kühe, die noch in der freien Landschaft zu sehen sind, stammen genetisch gesehen zumeist aus Übersee. Sie sind zwar schwarz-weiß (also umgangssprachlich schwarz-bunt) wie die alten Niederungsrinder, gehören aber zur Hochleistungsrasse „Holstein Friesian“ aus den USA.

Das alte Niederungsrind entstand einst in den fruchtbaren Nordseemarschen Europas. Dort züchteten Bauern von Holland bis Dänemark bereits seit dem Mittelalter ein milchreiches Rind, das dem Niederungsrind ähnelte. Im Jahr 1876 wurdedas erste Herdbuch in Ostfriesland gegründet und die Rasse erhielt einen Zuchtstandard.

Zuchttiere hat man später immer wieder in andere Regionen verkauft. Mit den europäischen Einwanderern gelangte das Niederungsrind sogar in die USA, wo fortan die Milchleistung wichtigstes Zuchtziel wurde.

So entstand aus europäischen Ursprungstieren das Holstein Friesian Rind (HF), während in Europa weiterhin ein kleinrahmigeres Tier mit mittlerer Muskelfülle bei guter Milchleistung angestrebt wurde.

Als in den 1960er-Jahren der Import von eiweißhaltigen Futtermitteln wie Soja aus Übersee preisgünstig möglich wurde und die Nutzung von Tiefgefriersamen den weltweiten Genetikaustausch vereinfachte, begann man in den alten Bundesländern mit der Einkreuzung der milchleistungsstärkeren Holstein Friesian, deren Erben schließlich die Niederungsrinder fast komplett verdrängten. Nur 2730 Niederungsrinder sind heute übrig, ein Teil davon in den ostdeutschen Bundesländern.

Mehr Fett, weniger Milch

Mit 4,16 Prozent Fett in der Milch liegt das Niederungsrind höher als die Holstein Friesian. Es erreicht eine durchschnittliche Milchleistung von 6800 Kilogramm bei 3,5 Prozent Eiweiß. Unter vergleichbaren Bedingungen beträgt der Rückstand auf Holstein Friesian-Kühe nach Einschätzung des Vereins „Genreserve Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind e.V.“ in Brandenburg gegenwärtig rund 2000 Kilogramm Milch pro Jahr. Zu empfehlen sei die Rasse für die Bewirtschaftung von Weide- und Naturschutzgebieten, für ökologisch wirtschaftende Betriebe und für extensive Produktionsbedingungen mit einem hohen Anteil betriebseigener Grobfutterverwertung.

Das Niederungsrind ist in der emsländischen Landschaft nur noch selten zu entdecken. Einige Jahre gab es zwei Tiere im Emsland Moormuseum auf dem dortigen GEH-Archehof. Der Tierpark Nordhorn züchtet und zeigt die Rasse aktuell.

Vor allem aber in Niederlangen kümmert sich der Heimatverein ehrenamtlich um die alten „Swatbunten“. Auf einer Weide im Kapellenmoor sorgen die Rindviecher für den Erhalt einer fünf Hektar großen Feuchtwiese.