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Prozessauftakt in Meppen Asylbewerber bestreitet Brandstiftung in Harener Unterkunft

23.09.2015, 13:44 Uhr

Vor dem Schöffengericht Meppen hat am Mittwoch der Prozess gegen einen Asylbewerber aus Haren begonnen. Dem Mann wird Brandstiftung und Körperverletzung vorgeworfen.

 Der Fall aus Haren hatte im April für Aufsehen gesorgt : Dem 21-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, nach einem Streit mit anderen Bewohnern am Morgen des 2. April 2015 in der Unterkunft an der Brückenstraße in Haren einen Mülleimer angezündet und damit ein Feuer in dem ehemaligen Schulgebäude ausgelöst zu haben.

Zwei Mitbewohner verletzt

Außerdem soll der 21-Jährige einen seiner Mitbewohner mit Flaschen und einem Messer angegriffen haben. Laut Anklage hatte der Mann versucht, den Angeklagten daran zu hindern, eine weitere Mülltonne anzuzünden. Der Angegriffene erlitt Verletzungen an Kopf und Arm. Einen weiteren Mitbewohner soll der Angeklagte ebenfalls am Arm verletzt haben, weil dieser die Polizei verständigte.

Alle Bewohner konnten sich rechtzeitig vor dem Feuer in Sicherheit bringen. Allerdings zerstörte der Brand die Unterkunft völlig. Die Einrichtung war sowohl Asylbewerberunterkunft als auch städtische Wohnunterkunft.

Angeklagter berichtet von Erinnerungslücken

Der Angeklagte sitzt seit dem Vorfall in Untersuchungshaft. Im Gericht übersetzte für ihn eine Italienisch-Dolmetscherin. Er sagte aus, in der Unterkunft sei jeder gegen jeden, alle seien Alkoholiker, arbeits- oder mittellos. Die Stimmung sei angespannt gewesen.

Am Abend vor dem Vorfall habe er mehr getrunken als sonst. Gemeinsam mit einem seiner drei Mitbewohner, einem gebürtigen Meppener, mit denen er sich den Schlafraum teilt. Dieser sei ein bisschen rassistisch und habe ihn oft provoziert, sagte er.

Aus Notwehr gehandelt?

Wie die Auseinandersetzung angefangen hatte, wisse er nicht mehr. Erinnern könne er sich daran, dass er aufs Auge geschlagen wurde, berichtete der Angeklagte. Er habe auf dem Boden gelegen und der besagte Mitbewohner habe auf ihn eingetreten. Um ihn zu stoppen, habe er Flaschen nach ihm geworfen. Es entspräche nicht seinem Wesen, auf einen Menschen loszugehen, sagte der Angeklagte über sich. Dass er ihn getroffen und verletzt hatte, tue ihm leid.

An ein Messer könne er sich nicht erinnern. Er bestreitet zudem, das Feuer gelegt zu haben. Jemand habe die Situation ausgenutzt und das Feuer gelegt, um ihn zu beschuldigen, mutmaßte er. Der andere verletzte Mitbewohner sei nach seiner Aussage gestürzt, wegen einer Neigung des Bodens.

Fünf Zeugen angehört

Zum ersten Verhandlungstag am Mittwoch waren fünf Zeugen geladen: Das Gericht ließ zunächst die Ermittlungsvorgänge schildern von einem Polizeibeamten der Dienststelle Haren sowie dem Meldungsführer des Kriminalkommissariats in Meppen. Der Beamte aus Haren wies darauf hin, dass einer seiner Kollegen am Abend vor dem Brand zur Unterkunft gerufen worden war. Es habe eine Auseinandersetzung gegeben. Das in der Anklageschrift erwähnte Messer sei nicht gefunden worden, da eine Spurensuche im brennenden Gebäude nicht möglich war.

Zeugen berichten von Randale und Alkohol

Zudem sagten zwei Augenzeugen des Vorfalls aus, die in unmittelbarer Nähe zur Asylbewerberunterkunft wohnen. Ein Mann habe gerufen, dass „die Neuen“ Feuer machen würden, sagte die Augenzeugin. Gemeint seien drei Marokkaner, sagte der Augenzeuge und er habe den Ausruf so verstanden, dass nur eine Person Feuer legen würde. Außerdem sagte der Augenzeuge aus, dass fast alle Bewohner der Unterkunft Alkohol trinken würden und dass er in der Nacht des Vorfalls die verletzten Bewohner alkoholisiert antraf.

Der fünfte Zeuge ist Beamter bei der Stadt Haren und überreichte dem Richter ein Gutachten der Versicherung. Demnach sei der Schaden an Gebäude und Einrichtung auf rund 103000 Euro beziffert worden.

Ein zweiter Prozesstag ist für kommenden Freitag vorgesehen. Dann wird ein Gutachter unter anderem zur Frage nach der Alkoholisierung der Beteiligten angehört. Auch die beiden Hauptzeugen, die der Angeklagte verletzt haben soll, vernimmt das Gericht bei diesem Termin.