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Projekt soll Cybermobbing vorbeugen Emsländische Schüler zum Medienverhalten befragt

Von PM. | 22.12.2015, 20:45 Uhr

Die neuen Medien bestimmen zunehmend den Alltag von Kindern und Jugendlichen. Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim und der Landkreis Emsland haben daher gemeinsam mit 23 teilnehmenden Schulen im Rahmen des Projekts „Digital Na(t)ives“ eine Online-Befragung von Schülern zum Medienverhalten durchgeführt.

Dabei sind Datensätze von 5422 Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 10, von Förderschule bis Gymnasium, für ein regionales Abbild ausgewertet worden.

„Soziale Netzwerke und Apps haben die zwischenmenschliche Beziehungspflege bahnbrechend geändert. Die Internetabhängigkeit der so genannten ,Digital Natives´ , der digitalen Muttersprachler, scheint stark ausgeprägt“, sagt Landrat Reinhard Winter. Karl-Heinz Brüggemann, Leiter der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim, ergänzt: „Zahlreiche Eltern fragen sich, ob das Medienverhalten ihrer Kinder noch normal ist oder eine soziale Abkapselung erfolgt. Dennoch scheinen Eltern auch bereit zu sein, die Wünsche der Kinder nach Kommunikationsmitteln auf höchstem technischem Niveau zu erfüllen“.

So sei vielfach bereits die Erstkommunion Anlass, dem Wunsch nach einem Smartphone zu entsprechen. 97,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen besitzen ein Smartphone. Lediglich 15 % der Schüler gaben an, nicht von den Geräten abhängig zu sein.

31 Prozent fühlen sich gestresst

Dass das Smartphone einen großen Stellenwert im Leben der Jugendliche einnimmt, lässt sich auch an diesen Zahlen ablesen: 31 Prozent der Jugendlichen fühlen sich gestresst, weil zu viele Nachrichten ankommen. Über die Hälfte der Befragten ist auch nachts online; ein erheblicher Teil von ihnen wird von eingehenden Nachrichten wach.

Entgegen der Annahme, dass Cybermobbing und Sexting Probleme mit großem Ausmaß seien, spiegeln die vorliegenden Ergebnisse dies im Emsland nicht wider. 6,34 Prozent der Schüler gaben an, Opfer von Cybermobbing geworden zu sein; schwerpunktmäßig in den Klassen 5 bis 7. Werden alle teilnehmenden Klassen einbezogen, so ergibt dies rein rechnerisch eine Betroffenheit von ein bis zwei Schülern pro Klasse.

Die Hälfte der Befragten würde sich im Fall eigener Betroffenheit zuerst an die Eltern wenden. Ein Drittel würde zunächst mit Freunden und die anderen mit Lehrern und weiteren Bezugspersonen sprechen. Alarmierend ist, dass die Hälfte der tatsächlichen Mobbingopfer ihr Leiden erdulden, ohne sich jemandem anzuvertrauen. Aber fast 70 Prozent der Mitschüler wären bereit, Opfern zu helfen und aus Gerechtigkeitsempfinden Mobbing dem Lehrer mitzuteilen, um so die digitalen Attacken zu unterbinden. Ein bis zwei Prozent verschicken eigene Nacktbilder über das Smartphone (Sexting). 11 Prozent sind bereits sexuell über das Internet oder Smartphone belästigt worden. Über 14 Prozent der befragten Schüler wurden nach Nacktbildern gefragt. Über die Hälfte der Anfragenden waren dabei persönlich nicht bekannt.

Fehlendes Sicherheitsbewusstsein

Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang das fehlende Sicherheitsbewusstsein der Kinder und Jugendlichen. Viele Schüler waren mit dem Lesen der Nutzungsbedingungen überfordert. Gut 60 Prozent der Schüler wissen nicht, dass die Nutzung von WhatsApp erst ab 16 Jahren erlaubt ist, zumal dieser Messenger geeignet ist, als Verbreitungskanal für Erotikbilder zu dienen. Hier gilt es, durch entsprechende Präventionsarbeit weiter aufzuklären.

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Ein Werteverfall bei Kindern und Jugendlichen ist indes nicht festzustellen. Die Sozialkompetenz ist hoch: 74 Prozent der Schüler klären einen Streit direkt und nicht über Smartphones. 82 Prozent der Befragten empfinden es darüber hinaus als unhöflich, wenn das Smartphone während eines Gesprächs genutzt wird.

Die beteiligten Schulen erhalten nun ihr jeweiliges Ergebnis, das aus Datenschutzgründen nur ihnen zugänglich gemacht wird. „Das Gesamtergebnis der Befragung dient in der Folge als Grundlage für die weitere Aufklärungs- und Informationsarbeit in den Schulen durch Lehrer und externe Fachleute sowie zur Entwicklung neuer Präventionsansätze“, so Winter und Brüggemann. Zur Stärkung der Medienkompetenz seien insbesondere Projekttage geeignet, die Schüler schwerpunktmäßig in den Jahrgängen 5 bis 7 über die Gefahren des Internets aufklären. Zudem seien Eltern mit ins Boot zu holen, indem sie einen Internet-Verhaltenskodex in der Schule unterstützen.

Der Arbeitskreis „Digital Na(t)ives“ ist mit Pädagogen/Schulsozialarbeitern, Jugendpflegern des Landkreises Emsland und mit im Opferschutz bzw. in der Prävention tätigen Mitarbeitern der Polizei besetzt.