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Praktische Erfahrung sammeln Auszubildende des Christophorus-Werks in Meppen

Von Adelheid Schmitz | 12.02.2017, 11:30 Uhr

Auszubildende des Christophorus-Werks aus Lingen profitieren seit August 2016 von einer Zusammenarbeit mit dem Logistikunternehmen Georg Boll GmbH in Sie können im Betrieb praktische Erfahrungen im Rahmen sammeln.

Das Einzigartige an diesem Kooperationsvertrag sei, dass es sich um eine feste Gruppe handele, die sich mit ihrem Ausbilder in einem realen Betrieb befindet und sich hier fest integriert Keine Einzelmaßnahme, erklärt Klaus van Kampen vom Christophorus-Werk. Ziel ist es jungen Menschen mit Behinderungen Hilfen zum Übergang in das Berufsleben zu bieten, wodurch sich ihre Chance auf eine langfristige Inklusion in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft erhöht. 

Die Firma Boll hat über einen längeren Zeitraum positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Behindertenhilfe gemacht, wie mit dem Vitus-Werk Meppen. Boll hat im April 2016 einen Mitarbeiter eingestellt, der beim Christophorus-Werk ausgebildet worden war. Seit dem Sommer arbeiten nun 15 Jugendliche, darunter drei junge Frauen, im Lager der Firma Boll. Andre Riedel, verantwortlicher Ausbilder aus dem Berufsbildungswerk Lingen, begleitet das Projekt.

Die erste Ausbildungsgruppe der angehenden Fachpraktiker Lagerlogistik und Fachlageristen (beides zweijährige Ausbildung) und Fachkräfte für Lagerlogistik (dreijährige Ausbildung) hat dadurch die Chance, eine Ausbildung besonders nah an der Realität von Arbeitsalltag und Arbeitsmarkt zu erleben. Zu ihren Aufgaben gehört das Entladen der Container per Stapler, die Einlagerung papiertechnisch zu erfassen und schließlich die unterschiedlichen Produkte auf Abruf wieder zu verladen. Sie lernen, Ware zu konfektionieren und zu kommissionieren, zuerst in Zusammenarbeit mit dem Ausbilder, später unter Kontrolle selbstständig. Die Gruppe ist im normalen Arbeitsablauf der Firma Boll integriert. Reale Aufträge, bis heute 100 an der Zahl, werden unter realistischen Bedingungen abgearbeitet, was im Berufsbildungswerk so nicht geleistet werden kann. „Wer hier besteht, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, betont Andre Riedel.

Die Auszubildenden befinden sich wöchentlich drei Tage im Betrieb, an den übrigen Tagen erhalten sie eine individuelle Förderung im Berufsbildungswerk und gehen zur Berufsschule. Im täglichen Wechsel befinden sich so stets sechs bis acht Auszubildende im Lager des Unternehmens. Die Mitarbeiter der Firma Boll wurden im Sommer auf die neue Ausbildungsgruppe vorbereitet. Bedenken, wie die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wurden ausgeräumt.

Das Berufsbildungswerk bleibt für die gesamte Dauer des Einsatzes, der einzelnen Teilnehmer Maßnahmeträger und Ausbilder. Die Vergütung und Beihilfe wird vom Berufsbildungswerk übernommen. Auftragsbezogene Leistungen werden von der Firma Boll an das Christophorus-Werk gezahlt.

Durch die Betriebsnähe entwickeln die Jugendlichen, unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Einschränkung, ein anderes Selbstbewusstsein, ebenfalls wird die Selbstständigkeit gefördert. Im Idealfall führt es zur Übernahme ins Unternehmen oder zur Vermittlung in einen anderen Betrieb, sagen Klaus van Kampen vom Christophorus-Werk und Frank Hanzlik, Geschäftsführer der Firma Boll . Die Vertragspartner sehen die Kooperation als zukunftsweisenden Weg, von der Menschen mit Behinderung ebenso wie die sie unterstützenden Unternehmen profitieren können. Die Kooperation auch auf das Berufsfeld „Bürokaufmann/-frau“ und Speditionskaufmann/-frau“ auszuweiten, befindet sich in der Planungsphase, wahrscheinlich jedoch in der Form einer Einzelmaßnahme.