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Platz lassen für Gehbehinderte Denkzettel für Falschparker im Emsland

02.07.2014, 17:00 Uhr

Um Autofahrern deutlich zu machen, wie wichtig Behindertenparklätze für Betroffene sind, startet der Sozialverband Deutschland (SoVD) im Emsland eine Aktion gegen Falschparker. Mit einer Postkarte auf der Windschutzscheibe sollen sie künftig auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern hingewiesen werden – und danach möglichst nicht noch einmal einen Parkplatz für Gehbehinderte blockieren.

Fast jeder Autofahrer kennt die Situation: Man ist spät dran, sucht verzweifelt einen Parkplatz und da sieht man sie plötzlich: die freie Parkbucht. Allerdings ist auf blauen Schild ein weißer Rollstuhl abgebildet. Jetzt rattert es im Hirn: „Warum nicht einfach hier parken? Ich will ja nur kurz etwas erledigen – in der Zeit wird schon keiner kommen, der den Platz benötigt. Aber was, wenn doch?“

Wer unberechtigt auf Behindertenparkplätzen steht, muss in Zukunft damit rechnen, Post an seiner Windschutzscheibe vorzufinden: „Sie haben meinen Parkplatz! Wollen Sie auch meine Behinderung?“ steht auf dem postkartengroßen gelben Zettel des SoVD . Kreisvorsitzender Bernhard Sackarendt erklärt den forschen Ton: „Wir haben uns für eine bewusste Provokation entschieden – es soll ja auch zum Nachdenken anregen.“ Auf der Rückseite des Denkzettels macht der Verband deutlich, dass zur gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft von behinderten und nicht behinderten Menschen auch die Rücksichtnahme beim Parken gehöre, da Rollstuhlfahrer auf die ausgewiesenen Parkplätze angewiesen seien, um mobil bleiben zu können.

Der Protestaktion gegen Falschparker des Landesverbands Niedersachsen hat sich nun auch die Region Emsland angeschlossen. „Unsere Mitarbeiter werden mit offenen Augen durch die Stadt gehen, aber prinzipiell jeder, der sich engagieren möchte, kann sich an der Aktion beteiligen“, sagt der Kreisvorsitzende. Die Postkarten sind in den SoVD-Beratungszentren in Meppen, Lingen und Aschendorf kostenlos erhältlich, um sie Falschparkern auf die Windschutzscheibe zu legen.

„Als Sozialverband verstehen wir uns als Lobby für die Schwächeren“, erläutert Sackarendt die Intention des Verbands. Gerade auf dem Land, wo man zur Fortbewegung auf ein Auto angewiesen sei, müsse auf das Freihalten der ausgewiesenen Parkplätze geachtet werden. „Man muss bedenken, dass die Menschen, die diese Plätze benötigen, gar keine andere Möglichkeit haben, die Geschäfte zu erreichen. Inklusion bezieht sich auch auf die Mobilität und dazu gehört, dass man ein- und aussteigen kann“, macht Sackarendt die Situation von Gehbehinderten deutlich.

Berechtigt, eine für Behinderte ausgewiesene Parkgelegenheit zu nutzen, sind Menschen, die das Merkzeichen „aG“ (außergewöhnlich gehbehindert) oder „BI“ (Blindheit) in ihrem Behindertenausweis haben. Nur dann wird ihnen ein Behindertenparkausweis zugeteilt. Die Ausnahmegenehmigung muss im Fahrzeug gut lesbar im Original ausgelegt werden.

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