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Offener Brief an Deutsche Bahn Rollstuhlfahrer aus Meppen ärgert sich über Bahnservice

01.12.2015, 15:59 Uhr

Obwohl Meppen einen Bahnhof besitzt, scheint es doch schwierig zu sein, überhaupt dort hinzukommen. Nicht zum ersten Mal klagen Bahnkunden über Verspätungen und Ausfälle. Ähnliche Erfahrungen machte vor kurzem auch ein Rollstuhlfahrer . In einem offenen Brief an die Deutsche Bahn (DB) schilderte er seine Horrorfahrt, die Bahn reagierte.

 Von Friederike Warnecke 

Klaus Pierwoß, der in Meppen aufgewachsen ist, heute aber in Berlin lebt, wollte seine Mutter von Spandau aus in Meppen besuchen. Anfang November machte sich der Rollstuhlfahrer zusammen mit seiner Frau auf den Weg in die Kreisstadt. Mit dem IC gelangten die beiden ohne Probleme nach Rheine, wo der Anschlusszug ausfiel. Doch auch mit dem Zug eine Stunde später ging es nicht weiter. Die Abfahrt des völlig überfüllten Zuges wurde schließlich auf unbestimmte Zeit verschoben . „Auch nach über 30 Minuten gab es keine Angaben über eine konkrete Abfahrtszeit“, schreibt der 73-Jährige in seinem Brief.

Personenunfall zwischen Haren und Meppen

Nach einiger Zeit wurde das Ehepaar zudem von einem Zugbegleiter informiert, dass der Fahrstuhl in Meppen seit dem vorherigen Abend defekt sei und somit ein Umweg über Haren nach Meppen erforderlich sei. Die Strecke zwischen Haren und Meppen war jedoch wegen eines Personenunfalls blockiert. Schließlich nahmen die beiden ein Taxi nach Meppen. „Wir wollten unsere im Krankenhaus Meppen liegende Mutter noch rechtzeitig antreffen“, heißt es weiter.

Zuvor wollten sie sich den Zugausfall im Reisezentrum Rheine bestätigen lassen. Die Mitarbeiterin am Schalter habe noch nichts von den Vorgängen am Gleis gewusst und dadurch falsche Informationen an wartende Kunden weitergegeben, schreibt Pierwoß in dem Brief weiter. Das Ehepaar bat sie, sich den Ausfall vom Schaffner am Gleis bestätigen zu lassen. Hiervon habe sie erst nach „massiven Protesten“ abgelassen.

Bahnmitarbeiter versetzt Rollstuhlfahrer

Die Rückfahrt zwei Tage später gestaltete sich ebenso schwierig. Mit einer Begleitperson wollte sich das Ehepaar am Morgen der Abfahrt am Bahnhof Meppen treffen. Trotz verbindlicher Vereinbarung war aber kein Bahnmitarbeiter an den Gleisen anzutreffen. Auch im Zug befanden sich keine Begleitpersonen, um beim Einstieg zu helfen. Somit musste der Lokführer zum rollstuhlgerechten Waggon am Ende des Zuges führen, wodurch sich die bereits verspätete Abfahrt weiter verzögerte.

Rolli-Waggon am Ende des Zuges

Klaus Pierwoß fragt in dem Brief, warum sich der Rolli-Waggon zu 99 Prozent der Fälle am Ende des Zuges befindet. Diese Information hat der Rollstuhlfahrer eigenen Angaben nach von einer sicheren Quelle. Dies führe nur zu einer Irreführung der Rollstuhl-Kunden, schreibt er. Beim Umstieg in Rheine profitierte das Ehepaar wiederum von der Verspätung des Anschlusszuges. So erreichten sie mit 20 Minuten Verspätung ihr Ziel Spandau. Doch dort kam es zu weiteren Komplikationen. Ein Bahn-Mitarbeiter vergaß, die Spur der Hebebrücke mit der Erweiterung der Tür zu vermitteln. Zurück auf dem Bahnsteig musste die Ehefrau den Rollstuhl zum zweiten Mal auf der Fahrt ohne Unterstützung des Personals schieben.

Bahn reagiert auf Vorwürfe

Pierwoß ist verärgert und will, dass sich etwas ändert. Mit den Vorwürfen konfrontierte der 73-Jährige die Bahn. Sie reagierte und nahm telefonisch Kontakt zu ihm auf, das bestätigte die Bahn unserer Redaktion. Mittlerweile seien die Wogen geglättet, als Entschädigung habe der Ex-Meppener einen Gutschein über 120 Euro erhalten.