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Nachbesserung am Neubau notwendig Stadt Meppen: Wand ist nicht feuerbeständig

Von Hermann-Josef Mammes | 05.11.2017, 09:11 Uhr

Die Meppener Familie Plagge ist schwer enttäuscht. Sie fürchtet, auf Sanierungskosten von 50.000 bis 60.000 Euro für ihre beiden Häuser 15 und 15A am Nagelshof in der Meppener Innenstadt sitzen zu bleiben.

Dabei wurde sogar von einem Gutachter des Landgerichtes Osnabrück mittlerweile nachgewiesen (wir berichteten), dass die Bauschäden an den teils 120 Jahre alten Häusern durch den Neubau auf dem Nachbargrundstück entstanden sind. Dabei konnte Plagge mittels des Katasteramtes zusätzlich nachweisen, dass das neue Nachbarhaus bis zu 40 Zentimeter auf seinem Grundstück steht.

Plagge enttäuscht

Wie Reinhard Plagge in einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte, ist er in diesem Zusammenhang besonders vom Verhalten der Meppener Stadtverwaltung enttäuscht. So ließ der Bauherr, die damalige Firma von Josef Wulf für die Gründung des Gebäudes am Nagelshof 17 im Jahr 2014 Spundwände bis zu sechs Meter tief in die Erde rammen. Diese Spundwände befinden sich jedoch ebenfalls auf dem Grundstück Nagelshof 15 seiner Familie. Bis heute ragen Stahlenden aus dem Boden heraus. Vor der Baumaßnahme diente dieser Weg als Durchgang für die Mieter der beiden alten Häuser zur Straße. Seit 2014 kann der Weg nicht mehr genutzt werden.

Streit Privatsache

Doch damit noch nicht genug. Selbst die Wärmeschutzdämmung des Neubaus ragt über die Grundstücksgrenze hinweg. Die Stadt hat die Käufer der Wohnungen am Nagelshof 17 inzwischen schriftlich aufgefordert, die „Dämmung fristgerecht“ zu entfernen. „Passiert ist bis heute nichts“, so Plagge. Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte Bürgermeister Helmut Knurbein, dass die Verwaltung die Besitzer der neuen Wohnungen angeschrieben hat. Tatsächlich sei das Innenmaterial der Wand „nicht feuerbeständig“ und müsse entsprechend ausgetauscht werden. Dies habe die Stadt angemahnt. Die übrigen Streitigkeiten seien rein privatrechtlicher Natur und nicht Angelegenheit der Stadt Meppen.

Doppelt ärgerlich

Für Plagge ist die Situation jedoch doppelt ärgerlich. „Ich würde die Spundwände auf eigenen Kosten entfernen lassen.“ Allerdings will kein Handwerker die Eisenkonstruktionen abtrennen. „Sie befürchten, dass sich dabei das Styropor der Dämmwände, die direkt darüber angebracht sind, entflammen könnte.“ Plagge rechnet mit Kosten von 5000 Euro für das Abtrennen der Spundwände sowie das Anlegen einer Pflasterung. „Wenn sich die Behörden nicht bewegen, bleibt der Durchgang für meine Mieter unpassierbar.“

Leider nichts passiert

Dabei hatte er noch im Herbst 2016 gehofft, dass die Stadtverwaltung Meppen endlich durchgreift und selbst zur Tat schreitet. So forderte das Bauamt den Bauherrn, die J. Wulf GmbH damals schriftlich auf, die Spundwände zu entfernen. Sollte dies nicht realisiert werden, wolle die Stadt diese Maßnahme selbst bis zum 30. Oktober 2016 „zulasten“ des Bauherrn durchführen lassen. Wörtlich heißt es in dem Schreiben der Stadtverwaltung, das unserer Redaktion vorliegt: „Das Abschneiden der Spundbohlen unterhalb des Pflasters, die Wiederherstellung der Pflasterung, gegebenenfalls erforderliche Folgemaßnahmen an Leitungen, Anschlüssen oder Ähnlichem werde ich Ihnen sodann in Rechnung stellen.“

„Ich dachte damals, die Stadt vergibt sogar zeitnah einen entsprechenden Auftrag“, so Plagge. Bis heute sei jedoch nichts passiert. Inzwischen ist die Firma J. Wulf GmbH aus Geeste laut Amtsgericht zahlungsunfähig.

Letzter Strohhalm

Der letzte Strohhalm für die Familie Plagge ist jetzt das Bauunternehmen, das den Neubau damals im Auftrag der Firma Wulf errichtete. Plagge hofft, dass das Landgericht Osnabrück das Bauunternehmen zu einer Schadensregulierung verklagt. Wann und ob das passiert, sei aber noch völlig unklar.