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Missbrauch nicht erwiesen Gericht in Meppen spricht Angeklagten frei

Von Alfred Korfhage | 19.02.2017, 18:30 Uhr

Mit einem Freispruch endete ein Verfahren wegen Missbrauchs einer Widerstandsunfähigen beim Schöffengericht Die Richter hielten den Tatvorwurf für nicht bewiesen.

Im Mai 2016 hatten sich Bewohner einer Ferienanlage in Haselünne getroffen, um bei Weinbrand, Sekt und Gegrilltem einen fröhlichen Abend zu verbringen. Nach einem Streit mit ihrem Freund sei sie zum Wohnwagen des Angeklagten hinübergegangen, „um sich auszuquatschen“, wie vor Gericht sagte. Dort sei sie wegen des reichlich konsumierten Alkohols in auf der Couch in Schlaf gefallen. Als sie aufwachte, haben sie bemerkt, dass ihre Kleidung heruntergezogen war und der Mann an ihr manipulierte.

Eigentlich wollte sie keine Anzeige erstatten, tat das aber auf Anraten ihres Freundes doch. Der von der Polizei durchgeführte Alcotest ergab einen Nullwert, was gegen ihre Aussage sprach, sie habe in der vorherigen Nacht bis zu vier Flaschen Sekt getrunken. Ein Restalkohol hätte wohl festgestellt werden müssen.

Die Zeugen schilderten den Abend als normalen Grillabend, ohne Streit. Alle hätten reichlich getrunken. Der Angeklagte, gleichaltrig und seit Jahren arbeitslos, bezeichnete sich selber als „bekennender Alkoholiker“. Er gab zu, an der Frau „gefingert“ zu haben, sie sei aber nicht widerstandsunfähig gewesen.

Der Staatsanwalt plädierte auf Freispruch. Es sei zu sexuellen Handlungen gekommen, es gäbe aber keine Anhaltspunkte dafür, dass diese vorgenommen wurden, während die Frau in „tiefgreifender Bewusstseinsstörung“ lag. Damit seien die vom Gesetz geforderten Tatbestandsmerkmale nicht erfüllt, die immerhin für dieses Verbrechen mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren androhen. Der Verteidiger plädierte ähnlich, er forderte Freispruch. In seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung des Gerichts sagte der Angeklagte, er habe nichts Unrechtes getan.

Das Schöffengericht sprach den Angeklagten auf Kosten der Staatskasse frei. Es gebe erhebliche Zweifel an den Aussagen bezüglich des Alkohols, von eingenommenen Medikamenten und dem Gesamtablauf des Grillabends. Eine Verurteilung des bisher unbestraften Angeklagten komme daher nicht in Betracht.