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Millionen-Wunschliste im Wasserbau 30 Brücken müssen im Emsland angehoben werden

Von Hermann-Josef Mammes | 15.06.2016, 09:55 Uhr

„Unser Ziel muss es sein, langfristig die Durchlässigkeit für das Großmotorgüterschiff für den gesamten Dortmund-Ems-Kanal herzustellen.“ Das hat Bernd-Carsten Hiebing im Namen des Arbeitskreises „Hafen und Schifffahrt“ der CDU-Landtagsfraktion formuliert.

Während eines Besuchs von vier CDU-Landtagsabgeordneten beim Baubetriebshof des Wasser- und Schifffahrtamtes in Meppen sagte deren Leiter Holger Giest: „Dafür müssen rund 30 Brücken zwischen Haren und Rheine angehoben werden.“ Zudem müssten neben den Schleusenneubauten im südlichen Emsland zahlreiche Radien des Dortmund-Ems-Kanals zum Beispiel in Höhe der Stadt Lingen begradigt werden. „Zum Teil würde es reichen, wenn wir Böschungen durch Spundwände ersetzen“, sagte Giest.

So besitze das Großmotorgüterschiff eine Länge von 110 Meter und Breite von 11,45 Meter. Nach seinen Angaben befahren täglich etwas 20 bis 30 Schiffe den Dortmund-Ems-Kanal. Dabei wären es vermutlich wesentlich mehr, wenn das Nadelöhr im südlichem Emsland beseitigt würde. So können die Großmotorgüterschiffe, von Norden aus kommend, bereits jetzt den Eurohafen in Haren ansteuern. Danach nimmt der Verkehr bis nach Lingen erheblich ab.

Die Schleuse Herbrum stelle den Eingang zum Dortmund-Ems-Kanal dar. Hier betrug die Tonnage im vergangenen Jahr 4,6 Millionen Tonnen. Vom Küstenkanal aus würde die Tonnage in Richtung Dortmund-Ems-Kanal stark ansteigen. So wurden an der Schleuse Dörpen 2015 rund 3,5 Millionen Tonnen registriert. Ein großer Frequenzbringer sei das Güterverkehrszentrum Dörpen mit der Papierfabrik. Allein über das GVZ wurden im abgelaufenen Jahr rund 25.000 Container aufs Schiff verladen.

Giest stellte den CDU-Landtagsabgeordneten seine Wunschliste vor. Demnach müssten die Brücken am Küstenkanal und Dortmund-Ems-Kanal möglichst alle auf 5,25 Meter Höhe angehoben werden, damit das dreilagige Großmotorgüterschiff passieren könnte. In den nächsten beiden Jahren realisiert werde der Ausbau der Ems-Tidestrecke zwischen Herbrum und Papenburg auf einer Länge von 2,3 Kilometern. Die Kosten bezifferte Giest auf 13 Millionen Euro. Weitgehend in trockenen Tüchern ist der Umbau der Schleuse Dörpen. „Wir werden die Tore verlängern, sodass wir eine 113 Meter lange Schleusenkammer erhalten“. Die Kosten beziffert der WSV-Leiter auf 1,5 Millionen Euro.

Auch wegen fehlender Ingenieurkapazitäten sind hingegen zwei weitere Großprojekte ungewiss. Für 32 Millionen Euro soll die alte Schleusenkammer in Herbrum ertüchtigt werden. Sie könnte dann in Reparaturphasen der Hauptschleuse als Ersatz dienen.

Aber auch der Natur- und Umweltschutz steht wegen der Personalnot erst einmal hinten an. Die Durchgängigkeit der Ems für die Fische würde rund 30 Millionen Euro kosten. Dies umfasst gerade den Bau von Fischaufstiegs- und Abstiegsanlagen, zum Beispiel in Lingen-Hanekenfähr. „Auch hierfür fehlen uns die Ingenieure“, so der Behördenchef.