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Meppener Gericht verhängt Haft Mehrfach-Straftäter muss ins Gefängnis

Von Gerd Albers | 15.06.2016, 16:32 Uhr

Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten hat ein Meppener Schöffengericht einen 43-jährigen Mann aus dem niederländischen Emmen verurteilt. Ihm wurden unter anderem Körperverletzung und Diebstahl zur Last gelegt.

Umfangreich war die Liste der Straftaten, die die Staatsanwaltschaft zur Anklage gebracht hatte. Straftaten, die bis 2009 zurückreichten, da der Niederländer sich immer wieder durch Flucht den Strafverfahren entzogen hatte. Erst ein internationaler Haftbefehl konnte ihn im April 2016 dingfest machen.

Der erste Tatkomplex des Jahres 2009 umfasste gleich mehrere Straftaten. Der Angeklagte und sein Mittäter, der in einem getrennten Strafverfahren verurteilt wurde, gingen in Twist auf drei junge Männer los, die sich wegen einer Ruhestörung bei dem Angeklagten beschwert hatten.

Radfahrer verprügelt

„Mit einem Stahlrohr und einer Holzlatte bewaffnet, kamen sie aus dem Haus gestürmt“, sagte einer der Geschädigten. „Sie riefen uns zu, dass wir uns verpissen sollten, sonst würde man uns den Schädel einschlagen,“ so der Zeuge weiter. Als die drei bereits im Haus waren, schlug der Angeklagte mit dem vermeintlichen Stahlrohr, das in Wirklichkeit ein Staubsaugerrohr war, das Fenster der Eingangstür ein.

Als dann ein Radfahrer auf der Straße vorbeifuhr, wurde dieser kurzerhand vom Rad geholt und von den beiden gemeinsam verprügelt. Der Mann erlitt erhebliche Verletzungen und war mehrere Tage arbeitsunfähig. Entgegen der Einlassung des Angeklagten, der nicht geschlagen haben will, wurde dieser Sachverhalt durch Zeugen einwandfrei bewiesen.

Fahren ohne Führerschein

Des Weiteren hielt die Staatsanwaltschaft dem 43-Jährigen mehrere Straftaten wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor. Zwei Fahrten gestand der Angeklagte, die andere Fahrt konnte ihm nicht nachgewiesen werden und wurde deshalb eingestellt.

Ebenfalls zunächst eingestellt werden musste das Verfahren wegen des Diebstahls eines Traktors der Marke John Deere in Twist-Rühlerfeld. Der Angeklagte erklärte dem Gericht, dass er den Täter zwar an den Tatort gefahren, aber von einer Diebstahlsabsicht des ihm bekannten Drogendealers nichts gewusst habe. Im Gegenteil, er habe noch versucht, ihn von der Straftat abzuhalten, als er dessen wahre Absicht erkannte. Erst ein weiteres Strafverfahren wird klären können, ob diese Aussage der Wahrheit entspricht.

EC-Karte gestohlen

Im letzten Tatkomplex ging es um den Diebstahl einer EC-Karte mit dem dazugehörenden PIN-Code. Diese war aus dem Briefkasten eines Mietshauses in Twist gestohlen worden. In diesem Haus lebt die langjährige Freundin des Angeklagten, der dort auch ein und aus ging.

Mit dieser Karte wurden vom Konto des Geschädigten, eines Montagearbeiters, fast 2000 Euro abgehoben, und zwar in mehreren Teilbeträgen in den Niederlanden und in Twist. Bei einer Abhebung in Twist wurde der Angeklagte von der im Geldautomaten eingebauten Kamera fotografiert.

Mysteriöser Rumäne

Die Einlassung des Angeklagten dazu war recht abenteuerlich. Demnach habe er im Auftrag eines Rumänen mit Namen Pablo das Geld abheben müssen. Dieser habe von ihm eine Goldkette im Wert von 1750 Euro gekauft. Das Strafregister des Angeklagten wies in den Niederlanden, wie auch in Deutschland 20 zum Teil einschlägige Eintragungen auf.

In ihrem Plädoyer sah die Oberstaatsanwältin die Anklage als weitestgehend bewiesen an. Aufgrund seines kriminellen Vorlebens hielt sie eine zweijährige Haftstrafe für schuld- und tatenangemessen . Sie beantragte weiter, den Haftbefehl aufrecht zu erhalten und dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens aufzuerlegen.

Verteidiger plädiert auf Bewährungsstrafe

Der Verteidiger hielt diesen Antrag für deutlich zu hoch und führte aus, dass sein Mandant höchstens eine Freiheitsstrafe von acht Monaten zur Bewährung erhalten dürfe und er diesen Gerichtssaal als freier Mann verlassen solle.

Das Schöffengericht war anderer Meinung und verurteilte den 43-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Der Haftbefehl blieb in Vollzug und der Angeklagte ging zurück ins Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens, soweit er verurteilt wurde, wurden ihm auferlegt.