Ein Artikel der Redaktion

Meppen Zecken haben Hochsaison

13.07.2009, 14:17 Uhr

Sie sind im „leeren“ Zustand winzig und kaum sichtbar, aber überaus blutrünstig: Zecken. Zurzeit haben die kleinen Blutsauger wieder Hochsaison. Ob bei ausgiebigen Spaziergängen oder bei der Arbeit in waldnahen Gärten, überall warten unzählige Zecken auf neue Opfer. Ein Biss der Spinnentiere ist nicht zu spüren, kann aber für den Betroffenen äußerst gefährlich werden, können dadurch doch Lyme-Borreliose und FSME (Frühsommermeningoenzephalitis) übertragen werden.

Bei der Wahl ihres Wirtes machen die Zecken keinen großen Unterschied. Sie befallen Mensch und Tier gleichermaßen, bohren sich mit ihrem Kopf in die Haut und saugen unter Umständen tagelang Blut.

Die von Bakterien ausgelöste Lyme-Borreliose wird von Zecken im gesamten Bundesgebiet in den Monaten März bis Oktober übertragen und führt nach Angaben der Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises Emsland, Dr. Birgit Stoßberg, „zu geschätzten mehreren 10000 Erkrankungsfällen im Jahr“.

Bis zu vier Wochen nach der Infektion durch einen Zeckenstich kommt es häufig zu einer ringförmigen Rötung der Haut rund um die Einstichstelle, die sich ausbreitet. Oft sind die Beschwerden vielschichtig. Stoßberg spricht in diesem Zusammenhang von Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Kopfschmerzen. Die Beschwerden seien allerdings schwer zu deuten und würden oft nicht mit einem Zeckenstich in Verbindung gebracht. Unbehandelt kann die Infektion Lähmungen, Gelenkentzündungen,

Herzmuskelentzündungen und andere Erscheinungen verursachen. Eine frühzeitig erkannte Infektion lasse sich hingegen gut mit Antibiotika behandeln. An einer Impfung für Europa wird gearbeitet, ein geeigneter Impfstoff steht hier aber - anders als in Amerika - bisher noch nicht zur Verfügung.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine virale Erkrankung des zentralen Nervensystems. Zecken sind nicht überall mit FSME-Viren infiziert, sondern nur in bestimmten Regionen (Endemiegebiete). In Deutschland sind insbesondere Regionen in Baden-Württemberg und Bayern betroffen. Auch in weiteren europäischen Ländern wie zum Beispiel Österreich, Polen, Ungarn, Tschechische Republik und Skandinavien sind Endemiegebiete bekannt. Es gibt keine ursächliche Therapie gegen die FSME. Bei einmal ausgebrochener Erkrankung - Hirnhautentzündung und bei schwerem Verlauf Gehirnentzündung - kann man nur die Symptome lindern. Erwachsene und Jugendliche über zwölf Jahre können sich rechtzeitig vor einem Aufenthalt in einem Endemiegebiet impfen lassen.

Wichtigstes Ziel ist es, wie Stoßberg gegenüber unserer Zeitung betonte, „durch geeignete Maßnahmen und Ausräumen noch weit verbreiteter Irrtümer einer Erkrankung durch Zeckenstich vorzubeugen“. So ließen sich Zecken nicht von Bäumen fallen, sondern warteten im Gras, im Unterholz und in Büschen auf vorbeigehende Menschen oder Tiere. Dadurch bedingt seien nicht vor allem Jäger und Forstarbeiter gefährdet, sondern überwiegend komme es zu Infektionen bei Freizeitaktivitäten, Campen, Wandern, aber auch Gartenarbeit.

Als vorbeugende Maßnahmen empfiehlt die Gesundheitsamtsleiterin das Tragen von langer heller Kleidung und festem Schuhwerk (Hosenbeine in die Socken stecken) sowie die Verwendung von Zeckenschutzmitteln. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der ganze Körper sorgfältig nach Zecken abgesucht werden, da Zecken noch eine ganze Zeit herumkrabbeln und nach einer geeigneten Körperstelle mit weicher und warmer Haut suchen können.

Muss eine Zecke entfernt werden, kann eine dünne feste Pinzette verwendet werden, mit der man die Zecke möglichst nahe der Stechwerkzeuge fasst und herauszieht. Der Zeckenleib sollte nie gequetscht werden oder mit Öl und Ähnlichem bedeckt werden, um eine verstärkte Absonderung des erregerhaltigen Speichels zu vermeiden. Mit Blick auf die Übertragung der Borreliose sei anzunehmen, dass, je früher die Zecke entfernt wird, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Erregerübertragung ist. Die FSME-Viren dagegen könnten schon unmittelbar nach dem Stich übertragen werden.

Bei Reisen in FSME-Endemiegebiete in Süddeutschland und Europa empfiehlt die Medizinerin, bereits zum Zeitpunkt der Reiseplanung die Möglichkeit bzw. Notwendigkeit einer Impfung abzuklären. Ansprechpartner für Fragen zur Impfung oder zu Fragen nach Zeckenstichen sind Haus- und Fachärzte. Durch das Gesundheitsamt wird unter Tel. 05931/441189 ebenfalls eine Beratung angeboten.