Ein Artikel der Redaktion

Meppen "Wir können deshalb nicht mehr ausgeben"

11.12.2002, 23:00 Uhr

Um den Ladenschluss ist einmal mehr ein heftiger Streit entbrannt. Shopping am Samstag auch nach 16 Uhr- ja oder nein? Würde ein solches Angebot angenommen, oder finden die Bürger im Altkreis Meppen, die bisherigen Ladenöffnungszeiten sind völlig ausreichend? Welche Vor- und Nachteile bringt eine längere Öffnungszeit für die Geschäfte und würden hiesige Kunden das Angebot annehmen, wollten wir gestern im Rahmen einer Telefonaktion unserer Zeitung wissen. Die überwiegende Meinung der Leserinnen und Leser, die sich dabei über den "Direkten Draht" zu Wort gemeldet haben: Die bisherigen Ladenschlusszeiten reichen völlig aus.

"Eine verlängerte Öffnung ist nicht notwendig, weil es nicht zu mehr Konsum führen würde", erteilt Birgitta Kötting aus Meppen Plänen zur Lockerung des bestehenden Ladenschlussgesetzes eine Absage. Für sie gehen derartige Pläne "zu Lasten der Leute, die dort arbeiten müssen", und es sei für den Einzelhandel heute schon schwierig genug, Fachpersonal zu halten. Im übrigen sollten sich die Meppener Geschäftsleute "zuerst einmal einigen, wann und dass sie zu einheitlichen Zeiten geöffnet haben, so dass der Kunde weiß, woran er ist".

"Ein langer Samstag bis 16 Uhr reicht völlig, zumal wir ja noch den langen Donnerstag haben", findet Maria Kruse aus Haselünne. Für sie fände hier nur eine Verlagerung des Einkaufens in die Abendstunden statt, mehr konsumiert würde nicht: "Wir haben ja schließlich alle nicht plötzlich mehr Geld".

"Das geht zu Lasten der Familien", ist auch F. Hermann aus Meppen gegen Pläne, die bisherigen Ladenschlusszeiten zu verlängern. Ein im Zusammenhang mit der Diskussion oft angestellter Vergleich mit südlichen Ländern, in denen man bis in den Abend hinein einkaufen kann, hält sie für unpassend. "In Italien oder Spanien zum Beispiel ist es mittags einfach zu heiß, um groß Einkäufe zu tätigen, so dass man sie lieber in den Abend hinein verlagert. Das ist mit unseren Breitengraden aber nicht zu vergleichen", so die Kreisstädterin, die 20 Jahre im Einzelhandel tätig war.

Die Leidtragenden verlängerter Öffnungszeiten sieht Heinz Lattemann aus Meppen eindeutig in den Verkäuferinnen. "Während andere abends ins Kino oder zu einer Party gehen, müssen sie arbeiten". Einen Gewinn für die Wirtschaft prognostiziert er nicht. "Wenn das Volk nicht mehr Geld hat, es auszugeben, brauchen wir auch keine längeren Öffnungszeiten".

Ein Aspekt, den Hermann Wilken aus Haren ebenfalls unterstreicht. "Mann kann nicht 200 Euro ausgeben, wenn man nur 100 Euro in der Tasche hat", betont der frühere Schichtarbeiter, der bei einer Verlängerung der Ladenöffnungszeiten dann auch dafür plädiert, Behörden etc. länger zu öffnen. Die Folge der Mehrarbeit für alle: Eine Minderung der Lebensqualität.

Von einem möglichen längeren Einkauf am Samstag würden Beate Haar und Margot Köning keinen Gebrauch machen. "Es ist völlig unsinnig und bringt niemandem etwas". Beide befürchten eine verstärkte Belastung der Geschäftsleute und ihres Personals. "Es ist unverschämt, die Leute noch mehr zu belasten". Die jetzigen Zeiten reichten völlig aus.

Positiv steht eine Anruferin aus Groß Hesepe den Plänen der Bundesregierung gegenüber. Gerade für Schichtdienstarbeiter wäre es von Vorteil, wenn die Geschäfte am Samstag länger geöffnet hätten. "Viele von ihnen können morgens den Fachhandel nicht aufsuchen, weil er relativ spät öffnet", sieht sie die Chance, dass dieser Kundenkreis beim verlängerten Samstagseinkauf mehr Zeit und Ruhe hätte, das eine oder andere Teil mehr zu kaufen.

Ein Aspekt, den Sieglinde Mallinkrodt aus Rühlerfeld ebenfalls unterstreicht. "Ich fände das prima, weil die Männer dann mitgehen können". Sie würde davon in jedem Fall Gebrauch machen- so wie auch Donnerstag, an dem sie abends mit ihrem Mann einkaufen geht. Ladenöffnungszeiten, wie es sie in den Großstädten bereits gebe, fände sie "prima".

Strikt gegen eine Lockerung der Ladenschlusszeiten sprachen sich 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eines Meppener Verbrauchermarktes aus. "Wir wollen auch mal einen Samstagnachmittag frei haben, nachdem wir schon in der Woche jeden Abend bis 20 Uhr geöffnet haben", so die einhellige Meinung der Belegschaft.

Ebenso klar gegen längere Öffnungszeiten am Samstag ist Elisabeth Leigers aus Rühle. "Bis 16 Uhr kann jeder genügend Geld ausgeben", ist ihre Meinung. Für sie brächten länger geöffnete Läden kein Wachstum, sondern seien eher mit zusätzlichen Kosten für Personal, Strom Licht usw. verbunden.

Auf keinen Fall Gebrauch machen will Christa Schütte vom verlängerten Samstagseinkauf. "Dadurch wird das Wochenende kürzer", meint die Fullenerin, die lieber tagsüber einkauft. In dem Zusammenhang bedauert sie es, dass viele Fachhandelsgeschäfte mittlerweile erst gegen 9 oder 9.30 Uhr öffneten. "Mir geht dadurch morgens eine Stunde verloren", klagt Schütte, die in längeren Öffnungszeiten ein Problem insbesondere für kleinere Betriebe sieht: "Die können personalmäßig nicht mithalten".

Ein Punkt, den Klaus Robben ebenfalls unterstreicht. Nach Ansicht des Schichtarbeiters aus Meppen entständen Kosten, die der Handel auf die Ware aufschlagen würde. "Damit müsste der Endverbraucher für einige wenige bezahlen, die morgens nicht aufstehen können, um einkaufen zu gehen".

Wo soll das noch hingehen?", fragt Marianne Wotte aus Stavern. Selbst Betreiberin eines kleinen Lebensmittelgeschäftes sieht sie erhebliche Probleme auf den Einzelhandel zukommen "Das hat keinen Kreislauf und macht die kleinen Geschäfte kaputt", fürchtet sie.

Ein klares "Nein" kommt auch von Adele Küwen aus Apeldorn und Mechthild Kemper aus Meppen. "Es bringt nicht mehr Geld, denn wir haben nicht mehr Euro in der Tasche" sagen beide. Für sie würden die Nachteile wie höhere Personalkosten z.B. überwiegen. Das sieht Ute Brall aus Osterbrock ähnlich. "Wirtschaftlich bringt das überhaupt nichts". Dennoch vertritt sie die Auffassung, "dass jeder generell sein Geschäft öffnen können soll, wie er will".

Diesen Aspekt unterstreicht auch Reinhard Büring. "Wir müssen das nicht gesetzlich von oben regeln, sondern sollten es denen überlassen, die betroffen sind", bezeichnet er es als "ohnehin typisch Deutsch, immer zu meinen, die Dinge müssten alle reglementiert werden".