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Meppen Wenn die Tugend von der Decke fällt

17.12.2009, 20:00 Uhr

Als Meisterwerk im Stil des Barock gilt die mehr als 260 Jahre alte Stuckdecke der Gymnasialkirche Meppen. Wie nötig die Restaurierung ist, die jetzt begonnen hat, zeigte sich beim offiziellen Start der Arbeiten, als Restaurator Thomas Lehmkuhl den herabstürzenden Kopf einer Figur auffangen musste, die die Tugend verkörpert.

Der großen Bedeutung des vom Südtiroler Joseph Geitner geschaffenen Werks entsprechend ist die Zahl der Geldgeber für die Reparatur. „Hausherr“ Landrat Hermann Bröring dankte dem Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann Kues, der im September den Kulturstaatsminister der Bundesregierung, Bernd Neumann, nach Meppen eingeladen hatte. Der Bund hat 90000 Euro bereitgestellt. Das Land Niedersachsen gibt 45000 Euro, ebenso viel der Landkreis, der Eigentümer des zum Windthorst-Gymnasium gehörenden Kirchengebäudes in der Stadtmitte ist.

Dass die Stadt Meppen die kulturelle und touristische Bedeutung des als Gotteshaus und Konzertsaal genutzten Gebäudes zu schätzen weiß, betonte Bürgermeister Jan Erik Bohling, Vorsitzender des „Fördervereins zur Erhaltung und Restaurierung der Gymnasialkirche und Residenz in Meppen“ ebenso wie sein Stellvertreter, Schulleiter Dr. Wolfram Hamacher. Bohling dankte allen, die dieses „besondere Juwel“ zu erhalten helfen.

Die Gymnasialkirche in Meppen hat der Jesuitenorden von 1743 bis 1746 als Gotteshaus für seine 1643 gegründete Schule neben der 1726 bis 1729 erbauten Residenz errichten lassen. Ein wichtiger Förderer des Kirchenbaus war Fürstbischof Kurfürst Clemens August (1700–1761), dessen Mitwirkung durch Darstellungen in der Stuckdecke gewürdigt worden ist. Er hatte Künstler, die an seinem Schloss Clemenswerth arbeiteten, nach Meppen beordert, darunter auch Joseph Geitner.

Herabstürzender Stuck hatte bereits vor einigen Jahren eine Sperrung der Kirche erforderlich gemacht. 2002 ist der Bereich oberhalb der Orgelempore restauriert worden. Die hierbei gemachten Erfahrungen fließen in die jetzigen Arbeiten ein. Nach dem Aufbau der Gerüste im Kirchenschiff wurde zunächst die Schäden dokumentiert. Inzwischen hat die Reinigung von Kerzenruß und Staub begonnen. Bei der Reparatur gibt es Prioritäten. „Was runterzufallen droht, muss zuerst gesichert werden“, sagt Restaurator Lehmkuhl. Sowohl bei den verwendeten Materialien als auch bei der abschließenden Farbfassung orientiert man sich am überlieferten Vorbild. Der Fachmann aus Steinfurt zeigte den Gästen, woraus die Aufgabe für ihn und seine Mitarbeiter besteht. Risse durchziehen an vielen Stellen die Decke, teilweise hat sich der Stuck großflächig von der Unterkonstruktion des Daches aus Latten abgelöst. Rostende Eisennägel haben ebenso Schäden verursacht wie Probleme mit der Dachkonstruktion, die allerdings im Vorfeld der Restaurierung behoben worden sind, wie die Kulturamtsleiterin beim Landkreis Emsland, Dr. Andrea Kaltofen, berichtete.

Zuletzt ist die Stuckdecke vor fast 50 Jahren restauriert worden, woran sich Hermann Bröring, damals Schüler am Meppener Gymnasium erinnerte. Für die jetzigen Arbeiten hat Lehmkuhl sechs Monate veranschlagt.