Ein Artikel der Redaktion

Meppen „Produktbezeichnung und Zutatenliste immer genau ansehen“

23.07.2009, 22:00 Uhr

Irreführende Bezeichnungen von Lebensmittelprodukten seien bisher im Landkreis Emsland sehr selten festgestellt worden. In der Regel erhalte der Verbraucher für sein Geld ein gesundes und hochwertiges Lebensmittel. Das erklärt Ltd. Veterinärdirektor Dr. Haiko de Buhr vom Landkreis Emsland im Interview mit unserer Zeitung. Er empfiehlt den Verbrauchern, Produktbezeichnung und Zutatenliste immer genau anzusehen. Dies gelte insbesondere bei sehr preisgünstigen Lebensmitteln. Das Interview im Wortlaut:

 Herr Dr. de Buhr, gepresster Fisch statt Garnelen, Geschmacksverstärker statt Meerrettich, Pflanzenfett statt Kuhmilch – schmeckt Ihnen das Essen im Moment noch?

Ja, natürlich schmeckt mir das Essen noch. Bei der Diskussion um Lebensmittel-Imitate darf nicht vergessen werden, dass von diesen Produkten keine Gefahr für die Gesundheit ausgeht. Aber sie führen, wenn sie nicht eindeutig als Imitate gekennzeichnet sind, den Verbraucher in die Irre, und das ist verboten und nicht akzeptabel. Deshalb achten die Tierärzte und Lebensmittelkontrolleure des Landkreises bei ihren Kontrollen stets auf die korrekte Kennzeichnung der Lebensmittel. Dies nicht nur im Lebensmittelgroß- und Einzelhandel, sondern auch in der Gastronomie. Regelmäßig werden Proben zur Untersuchung der Zusammensetzung und Kennzeichnung von Lebensmitteln entnommen. Außerdem beteiligt sich der Landkreis Emsland an dem bundesweiten Programm „Beschaffenheit von Kochschinken und Schinkenimitaten in der Gastronomie“. Irreführende Bezeichnungen von Produkten wurden bisher im Landkreis Emsland sehr selten festgestellt. In der Regel erhält der Verbraucher für sein Geld ein gesundes und hochwertiges Lebensmittel.

 Das Entsetzen bei den Verbrauchern über Imitat-Lebensmittel ist groß. Wie verunsichert sind die Konsumenten, welche Reaktionen gibt es bei Ihrem Amt?

Bei uns haben die Medienberichte über imitierte oder wertgeminderte Lebensmittel bisher nur vereinzelt zu Beschwerden und Anfragen von Verbrauchern geführt. Im Landkreis Emsland haben wir bei unseren Kontrollen bisher nur in Einzelfällen Schinkenimitate gefunden, die aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht als „Schinken“ bezeichnet werden dürfen. In den meisten Fällen wird als Pizzabelag tatsächlich naturgewachsener Schinken oder sogenannter Formschinken verwendet, was bei entsprechender Deklaration völlig in Ordnung ist. „Analogkäse“ ist uns bislang nicht untergekommen.

Problematisch scheint vor allem die Kennzeichnung von Produkten. Halten Sie schärfere Gesetze für notwendig? Selbst im Falle einer strengeren Kennzeichnungspflicht: Wer liest schon das Kleingedruckte, wenn er zum Beispiel eine Packung mit der Aufschrift „Vanilleeis“ in den Einkaufswagen legt?

Hier handelt es sich nicht um ein Problem mangelhafter Vorschriften. Das Problem liegt woanders: Auf dem Lebensmittelmarkt gibt es einen enormen Preisdruck. Qualitativ hochwertige Zutaten sind aber nicht zu niedrigen Preisen zu produzieren. Daher versuchen einige Hersteller, mit dem Einsatz von kostengünstigeren Ersatzstoffen im Preiskampf mitzuhalten. Dem Einfallsreichtum sind da kaum Grenzen gesetzt. Geschmacklich fällt es dem Verbraucher oft schwer, Imitat und Original zu unterscheiden. Qualitativ gibt es aber teils erhebliche Unterschiede.

Diese wertgeminderten oder imitierten Lebensmittel in den Verkehr zu bringen ist nicht grundsätzlich verboten. Allerdings muss für den Verbraucher aus der Kennzeichnung eindeutig ersichtlich sein, dass es sich um ein derartiges Produkt handelt. Hier versuchen manche Hersteller, die Grenzen auszuloten. Im Zweifel müssen wir gemeinsam mit den Lebensmittel-Untersuchungsinstituten, denen wir entsprechende Proben zukommen lassen, eine Beurteilung im Rahmen der bestehenden Vorschriften treffen.

Worauf müssen Verbraucher also beim Kauf von Lebensmitteln achten?

Produktbezeichnung und Zutatenliste immer genau ansehen. Dies gilt insbesondere bei sehr preisgünstigen Lebensmitteln, bei denen die Verpackung ein hochwertiges Produkt verspricht. Hier ist gesundes Misstrauen angebracht. Fühlt sich ein Verbraucher getäuscht, sollte er sich an den Landkreis Emsland, Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz, wenden.