Ein Artikel der Redaktion

Meppen Häusliche Gewalt: Jugendliche sensibilisieren

03.07.2009, 07:03 Uhr

Häusliche Gewalt - für Viele ein Tabuthema. „Deshalb müssen wir es durch eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit weiter enttabuisieren und die Bevölkerung dafür sensibilisieren“, sagt Elisabeth Mecklenburg. Die Gleichstellungsbeauftragte ist Sprecherin des Arbeitskreises (AK) „Häusliche Gewalt“ des Kommunalen Präventionsrates der Stadt Meppen (KPR). Er hat sich als eins seiner Ziele deshalb eine intensive Öffentlichkeitsarbeit auf seine Fahnen geschrieben.

Gewalt gegen Frauen und Kinder dürfe nicht länger als individuelles Problem der Betroffenen gesehen werden. „Wir müssen das Gewaltmonopol des Staates ernst und die Gesellschaft in die Verantwortung nehmen“, fordern die Mitglieder des KPR. Dies gelte umso mehr, weil viele Bürger immer noch nicht sehen würden, dass es auch im ländlich katholischen Emsland zu gewalttätigen Übergriffen in den Familien komme. „Wir wollen durch eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit erreichen, dass sich betroffene Frauen schneller als bislang entsprechende Hilfe suchen, und gewalttätige Männer erkennen, dass ihre Gewalttätigkeit kein ‚privates‘ Problem ist, sondern gesellschaftlich sanktioniert wird“, so Mecklenburg.

Dazu hat der AK zum Beispiel im November 2003 eine Broschüre mit dem Titel „Mit mir nicht (mehr) - Leitfaden für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder“ herausgegeben. Darin sind sämtliche Meppener Beratungs- und Hilfsorganisationen aufgeführt, die Betroffenen helfen können. Außerdem enthält das Heft eine Abrisskarte im Scheckkartenformat mit den entsprechenden Telefonnummern.

Heftige Streitszene

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, wurde Ende letzten Jahres eine heftige Streitszene in der Meppener Fußgängerzone während eines Markttages inszeniert. Die Passanten wussten nicht, dass hier nur gespielt wurde. Im Anschluss an die kleine Inszenierung zweier Schauspieler haben Mitglieder des AKs Passanten nach deren Eindrücken und Meinungen gefragt. Die Reaktionen waren breit gefächert von „Geht mich nichts an“ bis hin zu „Ich war empört, wie der mit seiner Freundin sprach bzw. umging“. Es wurde deutlich, dass viele Menschen häusliche Gewalt nicht in ihrer direkten Umgebung vermuten und viele glauben, häusliche Gewalt geschehe fast immer nur in sozial schwachen Familien - und dazu meist unter Alkoholeinfluss.

Entwickelt wurde ein Konzept für das Präventionsprojekt „SIGN“. Es wird an verschiedenen Meppener Schulen in Form eines so genannten Beratungsparcours angeboten. Dazu wurden zwei Szenen filmisch aufgenommen (Drehbuch und Schauspieler: AK bzw. Mitglieder des AKs) und eine Art Begriffspuzzle entwickelt.

Präventionsarbeit

Ausführlich beschäftigte sich der AK mit Präventionsarbeit wie zum Beispiel mit dem Präventionsansatz Starke Eltern - starke Kinder“. In Konfliktsituationen sollen erlernte Strategien helfen, diese besser zu bewältigen.„Dabei spielt natürlich eine große Rolle, dass Erziehung ohne Gewalt auskommen muss und kann. Kinder, die so erzogen werden, erlernen nach diesem Konzept, ihre Konflikte ohne Gewalt selbst zu lösen“, beschreibt Mecklenburg die Intention. Mit dem Projekt soll erreicht werden, dass Jugendliche, und hier insbesondere Jungen, verstärkt für die Problematik der Häuslichen Gewalt interessiert und sensibilisiert werden.