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Meppen Durch die Zweitliga-Zeit bis heute bundesweit bekannt

24.07.2009, 22:00 Uhr

Das Bosmann-Urteil wirkte sich nach dem Abstieg des SV Meppen nicht positiv aus, da der Verein nur dann ablöseberechtigt war, wenn er die vertraglichen Bezüge aus der 2. Liga weiterzahlen würde. Das war für kurze Zeit nur bei Stendel, Bradaric und von Ahlen der Fall, die nach dem Abstieg noch rund 700 000 D-Mark brachten. So kassierte der Verein für alle anderen Profis so gut wie nichts – vor dem Bosmann-Urteil wäre es mindestens noch eine zusätzliche Million gewesen.

Der SV Meppen, der auch ein wirtschaftlicher Faktor in der Stadt war, hatte in der Zweitligazeit zwar nie viel Geld, aber er kam damit besser über die Runden als je zuvor und erst recht als nach dem Abstieg. Wir begannen 1987 mit rund 300000 D-Mark Fernsehgeld und endeten mit rund vier Millionen Mark. Heute gibt es im Schnitt vier Millionen Euro – also das Doppelte. Mit den jährlichen Steigerungen der Fernsehgelder war es möglich, den Spielerkader angemessener zu bezahlen als im Aufstiegsjahr. Damals begannen wir mit bescheidenen 1100 DM pro Monat – natürlich plus Punkt- und Auflaufprämien, die jedes Jahr neu ausgehandelt wurden, aber für alle Spieler gleich waren.

Vielfach wurde verlangt, der SVM hätte sein Geld nicht ins Stadion, sondern in den Kader stecken sollen. Ich bin auch heute noch der Auffassung, dass der Stadionausbau nicht nur wegen der DFB-Auflagen, sondern auch aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und des sportlichen Images des Emslandes auf lange Sicht richtig war. Der Verein war zur Zweitligazeit auch deshalb neben dem SC Freiburg der finanziell gesundeste Verein der Klasse, weil er ein ausgebautes Station mit einem angemessenen Sitzplatzangebot vorzuweisen hatte, was auch heute noch in der fünften Liga ein wirtschaftlicher Vorteil ist.

Nach dem verpassten Bundesligaaufstieg hat sich der Vorstand sogar Gedanken über einen weiteren Ausbau gemacht. Die Pläne für weitere rund 3000 Sitzplätze und ein Gesamtfassungsvermögen von rund 22000 Zuschauern wurden auf Kosten des Vereins erstellt und liegen in der Schublade – voraussichtlich für immer.

Die beim Stadionausbau 1993 errichtete neue Tribüne mit zusätzlich 3000 Sitzplätzen musste vorfinanziert werden, was durch die gestiegenen Durchschnittspreise möglich war. So stieg der Zuschauerschnitt von rund 5000 vor dem Ausbau mit einer Gesamteinnahme von 800000 DM pro Saison auf 8598 in der Saison 96/97 mit einer Einnahme von rund zwei Millionen DM (im Abstiegsjahr kamen immerhin noch 6474 Zuschauer im Schnitt). Die meisten Besucher strömten zu den Spielen gegen Fortuna Düsseldorf, als es um den Aufstieg in die Bundesliga ging, und gegen den 1. FC Kaiserslautern Ende 1996 (rund 16000 Zahlende). So stieg auch der Haushalt in den elf Jahren von rund 2,5 auf etwa 8 Millionen DM. Trotz der durch den Verein gezahlten Bauzuschüsse für das Stadion von rund 5,8 Millionen DM (ohne Vereinsheim) konnte der SVM nach dem Abstieg und unter Berücksichtigung der Altschulden mit einem Plus von circa 1,2 Millionen DM in die Regionalliga gehen.

Meppen und das Emsland haben durch die Zweitligazeit des SVM in Deutschland einen Bekanntheitsgrad erreicht, der auch heute noch besteht. Bis auf den Bundesliganeuling des letzten Jahres, 1899 Hoffenheim, und den Karlsruher SC haben in dieser Zeit alle Bundesligisten in Punktspielen der 2. Liga oder Freundschaftsspielen in Meppen ihre Visitenkarte abgegeben. Lediglich der VfB Stuttgart kam erst vor einigen Jahren zu einem Spiel um den Liga-Pokal gegen Werder Bremen. Gegen 37 ehemalige Bundesligisten musste unsere Mannschaft in Punktspielen antreten. Nur gegen den VfL Bochum hat sie in vier Punktspielen nicht gewonnen. Am häufigsten spielte sie gegen den heutigen Deutschen Meister VfL Wolfsburg – der hier auch die höchste Niederlage kassierte: 0:7 im Oktober 1985 in einem Punktspiel der Regionalliga Nord. So kann sich sportliche Leistung im Laufe von Jahrzehnten verändern.