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Mehr Lehrstellen als Bewerber Emsland ist ein Paradies für Auszubildende

Von Ina Wemhöner | 10.07.2014, 18:30 Uhr

Dass die regionale Wirtschaft derzeit boomt, kommt insbesondere den Jugendlichen zugute, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind. Denn auf jeden Ausbildungssuchenden warten durchschnittlich zwei freie Lehrstellen im Emsland.

„So ideal war die Situation für Jugendliche auf dem Ausbildungsmarkt nie zuvor im Emsland“, sagte der Erste Kreisrat Martin Gerenkamp bei der zweiten Sitzung der Berufsbildungskommission. Die Kommission erfasst den regionalen Ausbildungsmarkt anhand der Befragung von 6806 Jugendlichen und Heranwachsenden aus den Abschlussjahrgängen; darunter meldeten sich 2233 als Bewerber für einen Ausbildungsplatz .

Zum Stichtag 18. Juni zeigte sich somit, dass es einen deutlichen Überhang an Ausbildungsstellen im Kreis gibt. So seien 349 Schüler der Befragten noch auf der Ausbildungsplatzsuche, jedoch gilt es auch noch, gut 1436 offene Stellen zu besetzen, erklärte Gerenkamp.

„Insgesamt suchen 835 Bewerber eine Stelle“, sagte Dieter Onnen von der Agentur für Arbeit Nordhorn. Darunter fallen sowohl Ausbildungssuchende aus der Befragung, als auch ältere Schulabgänger, die sich an die Agentur für Arbeit gewandt haben. „Einen derartig hohen Stellenüberhang gab es die letzten fünf Jahre nicht“, bilanzierte der Erste Kreisrat.

Besonders im nördlichen Kreisgebiet ist die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden deutlich höher, jedoch rückläufig zum vergangenen Jahr. 146 Jugendliche sind demnach auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle, demgegenüber stehen 544 unbesetzte Stellen. Heraus sticht dabei Papenburg mit 56 Ausbildungssuchenden sowie im südlichen Kreisgebiet Lingen mit 61 und im mittleren Kreisgebiet Meppen mit 45 Bewerbern, die noch auf der Suche sind.

Dieses Ungleichgewicht an übermäßigen Ausbildungsstellen und vielen Bewerbern, die auf der Suche sind, liege hauptsächlich an den Vorstellungen der Jugendlichen, die nicht immer mit dem Angebot auf dem Arbeitsmarkt übereinstimmen, stellt Dieter Onnen erfahrungsgemäß fest. Ein Teil der Bewerber würde auch nicht in das Profil der Betriebe passen oder erfülle die Anforderungen nicht. „Aber generell gilt: Wer geeignet ist, bekommt auch eine Stelle“, betonte Onnen.

Einen besonders hohen Stellenüberhang verzeichnen die Bereiche Gewerbe und Technik, der kaufmännische Bereich, Pflege, Ernährung und Agrar. „In vielen Bereichen können wir auch schwächere Bewerber fördern und unterstützen. Besonders im Handwerk sind derzeit Projekte am Laufen, die Auszubildende an die handwerkliche Arbeit heranführen sollen“, erzählte Hermann Schmitz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling. In Kooperation mit der Kinder- und Jugendstiftung Johannesburg findet eine sozialpädagogische Betreuung statt, um mit einem Praktikum künftige Auszubildende an die Betriebe zu vermitteln, so Schmitz.

Um die leeren Stellen zu besetzen, müssten die Betriebe um Bewerber buhlen und sich so attraktiv wie möglich machen – auch über das Emsland hinaus, so Gerenkamp. Derzeitig fänden auch Gespräche mit den niederländischen Bürgermeistern aus Emmen, Coevorden, Hardenberg und Hoogeveen statt, um die Arbeitslosenquote dort herabzusenken und konstruktiv den deutschen Arbeitsmarkt einzubeziehen.

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