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Lungenärzte widersprechen Bundeswehr Moorbrand in Meppen: Rauchwolke im Emsland Gefahr für Gesundheit

Von Julia Mausch | 20.09.2018, 17:41 Uhr

Die deutschen Lungenärzte haben vor Gesundheitsgefahren durch den Großbrand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition 91 in Meppen gewarnt. Der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner widerspricht der Einschätzung der Bundeswehr, von dem Brand gehe keine Gefahr aus.

 „Die Rauchwolke führt zu einer massiven Feinstaubelastung und ist eine Gefahr für die Gesundheit", sagt Sprecher Dr. Michael Barczok. Je nachdem, wie der Wind gerade stehe, sei es für Anwohner so, als ob sie sich in einen komplett verräucherten Raum setzen, sagte Barczok. „Es ist, als ob sie fünf Zigaretten gleichzeitig rauchen – nur ohne Nikotin". Schleimhäute würden auf die Feinstaubbelastung reagieren, ein Kratzen im Hals oder ein Hüsteln sind die Folge. 

Betroffene sollten vorübergehend wegziehen

Dass junge, gesunde Menschen dadurch einen dauerhaften Schaden erleiden, glaubt der Lungenspezialist nicht. Jedoch sei die Rauchbelastung für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD ein „echtes Problem". Jeweils zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leidet laut Barczok unter diesen Erkrankungen. Betroffenen rät der Mediziner in Absprache mit dem Hausarzt die Dosierung der Medikamente zu erhöhen, oder während des Brandes zu Bekannten in einen Nachbarort zu ziehen. (Weiterlesen: Moorbrand bei Meppen: Was wir wissen und was nicht)

Kinder nicht draußen spielen

Obwohl der Landkreis Emsland derzeit eine Gesundheitsgefährdung durch den Rauch ausschließt, weist die Behörde "mit Blick auf das nach wie vor vorhandene Rauchaufkommen" darauf hin, "dass betroffene Anwohner Fenster und Türen geschlossen halten sowie Klimaanlagen ausschalten sollen". Dazu rät auch Barczok. Seiner Aussage nach sollten Kinder während des anhaltenden Moorbrandes sich im Inneren aufhalten und nicht draußen spielen: „Die Lunge von Kindern ist kleiner, sie atmen häufiger, somit gelangt der Feinstaub schneller in ihren Körper." (Weiterlesen: So sieht der Moorbrand in Meppen aus der Luft aus)

Drohnenaufnahmen vom Moorbrand in Meppen finden Sie hier >>

Chefarzt: Aussage ist Schutzbehauptung

Den Qualm als ungefährlich zu bewerten, das sieht auch Philip Böhmer, Chefarzt der Fachabteilung Innere Medizin/Pneumologie im Ludmillenstift in Meppen, kritisch und bezeichnet dies als "Schutzbehauptung". Durch den Moorbrand sei eine Vielzahl an organischen, also kohlenstoffhaltigen, Stoffen freigesetzt worden. Bei Menschen mit Lungenerkrankungen könnten diese zu Anfällen führen. Zwar könnte es nicht zu einer lebensbedrohlichen Kohlenmonoxid-, dafür aber zu einer Kohlendioxid-Vergiftung kommen, die sich beispielsweise durch Kopfschmerzen bemerkbar macht. (Weiterlesen: Ministerium rät Kreis: Bitte auf mehr Schadstoffe überprüfen)

Bundeswehr: Keine Gefahr

In einer Pressemitteilung am Donnerstagmorgen hatte der emsländische Landrat Reinhard Winter mitgeteilt, "dass unser Fachbereich Gesundheit aktuell keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm erkennt“. Der Landkreis bezog sich dabei auf die Werte der Luftmessung einer Erkundergruppe des ABC-Zuges Leer, den die Bundeswehr beauftragt hatte. Zuvor hatte auch die Bundeswehr behauptet, dass der Rauch keine Gesundheitsgefahr darstelle. (Weiterlesen: Politik schaltet sich in Moorbrand bei Meppen ein)