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Landsenkung im Bourtanger Moor Die Probleme mit dem Wasser werden größer

Von Manfred Fickers | 21.08.2013, 18:30 Uhr

Die Freude, dass jetzt auf wissenschaftlicher Basis die Probleme mit dem Grund- und Oberflächenwasser angegangen werden, mischte sich bei der Vorstellung einer wasserwirtschaftlichen Studie für das südliche Bourtanger Moor mit Besorgnis. Bodenerosion verringert die Distanz zwischen Oberfläche und Grundwasserspiegel, haben die Fachleute festgestellt.

Landrat Reinhard Winter sagte, dass die Probleme in den nächsten Jahren größer werden, wenn nichts geschieht. Aber es gebe keine einfachen Lösungsansätze. Eric Blom, Dezernent der Provinzregierung Drenthe, freut sich über die offene und ehrliche Diskussion, denn nur in der Zusammenarbeit über die Grenze hinweg können Lösungen gefunden werden. Die niederländische Regierung stelle in den nächsten Jahren sieben Millionen Euro zur Verfügung, die Provinz Drenthe, die Gemeente Emmen und der zuständige Wasserwirtschaftsverband werden sich beteiligen. Die Ems-Dollart-Region (EDR) hat nicht nur die Mittel aus dem Interreg-VIa-Topf für die Studie vermittelt, sondern auch für erste Maßnahmen wie die Errichtung einer Pufferzone zum Naturschutzgebiet Bargerveen in den Niederlanden und die Erneuerung des Aa-Dükers unter dem Süd-Nord-Kanal in Twist-Adorf. Der Interreg-Programmmanager der EDR, Armin Gallinat, zeigte sich optimistisch, dass die Grenzregion in der Förderperiode 2014 bis 2020 weitere Mittel erhält, denn die Schwerpunkte sollen im Gebiet der Forschung, beim Umweltschutz und der Förderung der Zusammenarbeit liegen. Das Gebiet des Naturparks Bourtanger Moor habe gute Chancen. Er lobte das Naturpark-Team, vertreten durch Verena Schepers, für die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre.

Hohe Wasserstände

Die Absicherung von Siedlungen vor Überschwemmungen, die Interessen der Landwirtschaft und der Naturschutz sind die Ziele der Politik. Im südlichen Bourtanger Moor hat es nach Starkregen immer wieder Schäden gegeben, im Frühjahr können Bauern häufig ihre nassen Äcker nicht befahren, im Herbst gibt es deswegen Verzögerungen und Ausfälle bei der Ernte. Besonders betroffen sind die niederländische Ortschaft Weiteveen und ihre deutsche Nachbargemeinde Twist. Schon vor zwei Jahrzehnten habe der damalige Twister Bürgermeister Josef Egbers den Landkreis aufgefordert, nach Lösungen zu suchen, berichtete Winter, ebenso dessen Nachfolger Ernst Schmitz. Aber jede größere Veränderung kann im gesamten Gebiet zwischen der niederländischen Stadt Coevorden, Lathen und Lingen auch negative Folgen haben.

Drei Fachbüros, die Grontmij (Büro Assen), die ahu AG Wasser - Boden - Geomatik und die delta h Ingenieurgemeinschaft sind beauftragt worden, Daten zu sammeln und auszuwerten. Michael Denneborg (ahu AG) fasste die Ergebnisse zusammen. Die Folge von Entwässerung, Torfabbau und Kultivierung ist eine Landsenkung, weil der Torfanteil des Ackerbodens immer mehr schwindet. Aufgrund des Klimawandels werden mehr Niederschläge und damit höhere Grundwasserstände in den Winterhalbjahren erwartet. „Um großräumige Wirkungen im Wasserhaushalt zu erzielen, bedarf es großräumiger Maßnahmen“, zitierte Denneborg aus der Studie. Eine kurzzeitige Steuerung über die Grabenwasserstände sei nicht oder nur sehr begrenzt möglich. Die Forscher raten dazu ein digitales Geländemodell zu erstellen, um die Landsenkung noch genauer zu erfassen. Außerdem sollte der Grundwasserstand in den Wiedervernässungsgebieten genauer erfasst werden, um mehr über die Entwicklung zu erfahren.

Denneborg schilderte die Vor- und Nachteile der aus der Gemeinde Twist ins Gespräch gebrachten Absenkung des Wasserspiegels im Süd-Nord-Kanal. Dafür sei ein Trennungsbauwerk an der Südgrenze der Gemeinde notwendig. Um weitreichende negative Auswirkungen zu vermeiden, müssten Absperrungen in 24 Gräben gebaut werden. Bei anhaltendem Starkregen würde sich die Auffangkapazität für zwei bis zehn Stunden verbessern. Auf die Grundwasserstände hätte eine Absenkung so gut wie keine Wirkung, da der Kanal kaum Kontakt zu Grundwasser leitenden Schichten habe. Eine teure und wenig sinnvolle Maßnahme, sagte Denneborg.