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Kreativitätsschub Justus Frantz bietet mehr als Klaviermusik

07.09.2011, 15:23 Uhr

Drei Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791), gespielt von Justus Frantz, haben die Meppener Konzertbesucher Mozart neu entdecken und verstehen lassen.

Mit Wärme ausstrahlendem Lächeln betrat Professor Justus Frantz, Begründer und Förderer der Philharmonie der Nationen und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, die Bühne des Meppener Theaters, legte die Notenstütze des Flügels zu Boden, nahm Platz und wandte sich seinem gespanntes Publikum zu, um in bester Erzählkunst Mozart als Mensch und Genie in Wesen und musikalischer Entwicklung erlebbar werden zu lassen und für die Musik dieses Abends in besonderer Weise zu sensibilisieren. So spannte er einen Bogen vom dreijährigen und damit jüngsten Komponisten „Wolferl“, hin zum 21-jährigen Mozart, der sich auf Anweisung des Vaters erstmals eigenverantwortlich auf diese Parisreise begab, obwohl er lieber seine große Liebe begleitet hätte. Dieser erste Schritt in die Freiheit habe Mozart den Kreativitätsschub zu seinen großartigen Klaviersonaten, avantgardistisch wie nie zuvor, gegeben.

Bevor Justus Frantz die Reisesonate in F-Dur KV 332 erklingen ließ, machte er mit ihren einzelnen Themen vertraut – als „grenzenlose Freiheit des Versuchs, sich einem sich immer weiter öffnenden Horizont zu nähern“, als Jagdmotiv, den 2. Satz als zweistrophige Sopran-Arie und die anspruchsvollen Klangkaskaden des Marie Antoinette gewidmeten 3. Satzes als überaus virtuose Entwicklungsarchitektur. Die Auseinandersetzung mit dem Vater um Liebe und Reisezwang spiegele sich in der a-Moll-Sonate KV 310; im 1. Satz „hämmere die linke Hand mehr als je eine Komposition von Beethoven, voller Zorn und verzweifelter Leidenschaft, hart wie eine Toccata“, der 3. Satz mit schmerzvollen Dissonanzen, „ins fahle Licht von Hoffnungslosigkeit getaucht“, sei das Rastloseste, was Mozart je geschrieben habe. Ausbleibender Erfolg und der Tod der ihn begleitenden Mutter machten die Reise zum Super-GAU seines Lebens. So sei die A-Dur-Sonate KV 331, die sich mit „Freu dich, mein Herz, leb deinen Schmerz“ beschreiben ließe, der Schlüssel zum Verständnis der Musik Mozarts. Fröhlich, kraftvoll, zögernd, melancholisch zugleich in ihrer Komplexität, umreiße sie den ganzen Reichtum seiner Musik. Gerade diese Musik erneuere sich jeden Tag eines Lebens, begleite alle Lebensstimmungen. Mit ihr könne man niemals unglücklich werden. Das sei das Geheimnis von Mozart.

Fast gehaucht ließ der Meister der sensiblen Dynamik, der „seinen Mozart“ nicht nur auswendig, sondern vor allem in sich trägt, sein Programm mit einerersten Zugabe verklingen und beendete das unvergessliche Konzert mit dem Klang-Feuerwerk zweier Chopin-Etüden mit der Aussicht auf mehr im nächsten Jahr.