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Konzert in Meppen Traurig schöne Lieder von John Allen im alten Güterbahnhof

Von Gerd Mecklenborg | 20.02.2017, 17:30 Uhr

John Allen, der gefühlvolle bärtige Barde aus Hamburg, hat im Meppener Klavierhaus Dausin am Güterbahnhof in Meppen eines seiner ganz seltenen Konzerte am akustischen Flügel gegeben.

Allen komponiert seine poetischen Songs zuhause oft mithilfe eines E-Pianos. In Meppen sitzt der sympathische Melancholiker konzentriert „und ein wenig aufgeregt“ nun am großen Konzertflügel und huldigt im ersten Song seinen musikalischen Vorbildern mit der Textpassage „only rock’n‘roll can save your soul“.

Allen beherrscht „diese verrückten 88 Tasten“ perfekt, ist ein handwerklich guter Pianist, der es geschafft hat Gitarrenriffs auf das Klavier zu transponieren. Doch unter die Haut geht besonders seine facettenreiche, sehr angenehme „Singer-Songwriter-Stimme“, und so hisst John schnell die Segel für einen Wellenritt über die gesamte Palette seiner tief in ihm schlummernden Gefühle.

Ruppig, dann wieder beseelt

Ruppig, dann wieder sanft beseelt, aber immer voller Leben, singt Allen seine Gedanken dem aufmerksam lauschenden Publikum im Klavierhaus entgegen. Ganz neu sein autobiografisches Lied über Heimat und Jugend, „quasi eine Uraufführung“, wie John verrät. „My Hometown“ ist eine atmosphärische, sehr melodiöse Ballade, da passen die geschmackvollen Schwarz-Weiß-Fotografien, die auf die riesige Leinwand hinter dem Künstler projiziert werden, richtig gut dazu.

Viel Wortwitz

Allen versteht es, auf hohem musikalischen und textlichen Niveau zu verzaubern und dabei mit viel Wortwitz seine „tief düstere Grundstimmung, die mir halt einfach Spaß macht“, immer wieder aufzulockern. Sein Rezept dabei: Er verschachtelt viele Einflüsse zu einem homogenen Klanggefüge.

Er serviert so Vorbildern wie Nick Cave, Bruce Springsteen oder Tom Waits eine ganz persönliche musikalische Hommage, indem er ihnen Songs aus eigener Feder widmet, die erstaunlich nach diesen Vorbildern klingen. Drum hat er auch nur drei oder vier Coverversionen auf seiner Setlist stehen. Und immer wieder der Hauch von Melancholie und Düsternis in seinen eigenen Kompositionen, das prägt auch sein Klavierhauskonzert in Meppen.

Voller Ironie

Die Wunden in der Seele des Hamburger Barden haben aber nicht verhindert, dass der Musiker eigentlich ein lebensfroher Geselle ist. Voller Ironie singt er über „Anna“, die ihn nur genervt hat, über eine alte Freundin, „die nur in Rätseln spricht“ und über eine Lehrerkollegin, „eine alte Zicke, die immer zu mir sagte, wie kannst du nur, so wie du aussiehst, vor deinen Schülern stehen“. Zudem widmet Allen noch seiner Kneipe ein skurriles Liebeslied.

Und so folgt ein toller Song dem andern, mal ein romantisches Klangereignis, dann wieder bestechend durch ein Arrangement mit vollem Dynamikpegel. Passend mit dem Song „Famous Last Words“ – mit eingeflochtener Passagen aus Leonard Cohens „Hallelujah“ – und der gesungenen Frage „When I’m gone will you remember my name?“ beendet John Allen ein „Nicht-Unbedingt-Klavierkonzert“ im Meppener Klavierhaus Dausin. Dafür erntet er lauten Beifall von seinen begeisterten Zuhörern , den er mit einem leisen Abschlusslied als Zugabe honoriert.