Ein Artikel der Redaktion

Konzert im Güterbahnhof Musiker John Allen überzeugt Meppener Publikum

Von Heiner Harnack | 21.09.2015, 19:54 Uhr

Zum wohl letzten Konzert im ehemaligen Meppener Güterbahnhof war es Hausherr André Dausin gelungen, mit dem Pianisten, Gitarristen und Songschreiber John Allen einen Musiker zu verpflichten, der dem Publikum im voll besetzten Auditorium noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Zunächst berichtete Dausin aber den mit großer Enttäuschung reagierenden Gästen, dass es aufgrund von personellen Veränderungen im Unternehmen in Zukunft keine Konzerte und Ausstellungen mehr geben werde. Sollte sich keine andere Lösung finden, könne er sich in einem verkleinerten Bereich lediglich dem Verkauf und der Wartung von Instrumenten widmen, so Dausin weiter.

Nach den betrüblichen Nachrichten zog mit dem Auftritt von John Allen allerdings sofort bessere Stimmung in das Haus mit dem besonderen Ambiente. Was der 31-Jährige in seiner Soloshow, die tontechnisch perfekt auf den Raum abgestimmt war, präsentierte, zeigte, dass er absolut richtig lag, den Lehrerjob an den Nagel zu hängen.

Sehnsucht und Zerrissenheit

John Allen verbuchte bereits im Vorprogramm von Milow Erfolge und ließ mit den beiden Studioalben „Sounds Of Soul And Sin“ sowie „Sophomore“ nicht nur Insider aufhorchen. In Meppen begleitete er sich ausnahmslos selbst am Flügel – und das erst zum vierten Mal öffentlich, wie er strahlend erwähnte. Welch guten Ruf Allen in der Szene bereits hat, zeigt die Tatsache, dass ihn im Studio der Akkordeonist Rick Steff aus Memphis/Tennessee begleitet hat, der bereits als kleiner Junge Elvis Presley vorspielen durfte und beim für den Musik-Oscar Grammy nominierten Album „Memphis Blood“ von James Blood Ulmer dabei war.

 Weiterlesen: Duo begeistert im Klavierhaus 

Gleich mit dem ersten Song „Thunder Road“ von Bruce Springsteen, in dem die Zeile „we’re riding out tonight to case the promised land“ versteckt ist, deutete der in Hamburg lebende Musiker an, wie groß die Sehnsüchte, aber auch die Zerrissenheit seines eigenen Lebens sind. So bekannte er immer wieder bei seinen launigen Kommentaren, wie schwer es gewesen sei, den Eltern zu erklären, dass er den sicher verbeamteten Job aufgeben würde – und wie Freundschaften bei seiner Lebensweise als Musiker ohnehin kaum zu halten seien.

Mit „Criminals And Baseballstars“ erinnerte Allen an das Leben in New York City in den 1930er und 1940er Jahren, als sich Einwohner, egal welcher Berufsschicht, und die Stars der Yankees in der Kneipe treffen, die als magischer Treffpunkt für alle gilt. „Leute, die in Kneipen gehen, sind alle gleich“: Allen zeigt auf, dass es auch für ihn keine Rolle spielt, wer gerade im Publikum sitzt.

„Piano Man“ als Vorbild

Mit dem Simon & Garfunkel-Song „America“ zeigte der Vollblutmusiker, wie sehr ihm jenes Land am Herzen zu liegen scheint, obwohl er nach eigenem Bekunden noch nie dort war. Wer John Allen genau zuhört, der bemerkt schnell, dass die Einflüsse auf seine Musik von Bob Dylan, Nick Cave, Bruce Springsteen, Tom Waits oder Billy Joel geprägt sind. Und wer sein sauberes, oft hart anschlagendes Klavierspiel zusammen mit seiner häufig rauchig-harten, dann mal wieder passend weichen Stimme genau verfolgt, erinnert sich unweigerlich an den Letztgenannten, der als „Piano Man“ Ruhm erlangt hat ist und den Allen nach dem Konzert auch sein großes Vorbild am Flügel nennt.

John Allens Songs, die er immer wieder aus dem eigenen Leben heraus schreibt und singt, so das wehmütige „Famous Last Words“, in dem er den Tod des Großvaters verarbeitet, heben sich von der schnelllebigen Hitwelt von heute deutlich ab. Hier geht einer einen sicher beschwerlichen Weg, aber die Großen, wie Dylan, Joel oder auch ein Mann aus Brooklyn namens Neil Diamond, der in vielen seiner Songs eine ebenso große Zerrissenheit zeigte, gingen diesen auch und sind bis heute zu Recht auf dem Olymp des Rock und Pop.

Sollte dieser Abend tatsächlich das letzte Konzert im Klavierhaus Dausin gewesen sein, wird der Meppener Kulturszene demnächst ein, wenn auch kleiner, Diamant fehlen. Das meist kalt wirkende Theater in der Stadt taugt nicht für alle Veranstaltungen und oft sind die leeren Sitze nicht nur für die auftretenden Künstler eher frustrierend. Es müsste doch machbar sein, dass sich hier Interessierte und Verantwortliche an den Tisch setzen, um eine Lösung für einen charmanten Ort zu finden.