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Kapazitäten aufgestockt Landkreis Emsland muss 800 Notunterkünfte vorhalten

21.10.2015, 21:18 Uhr

Der Landkreis Emsland hat ein weiteres Amtshilfeersuchen des Landes Niedersachsen bekommen. „Wir werden zusätzlich 200 Flüchtlinge aufnehmen müssen“, sagte Landrat Reinhard Winter am Mittwochabend in einem Pressegespräch in

Bislang hielt das Emsland 600 Erstaufnahmeplätze in Meppen und Lingen vor. Zukünftig werden es 800 sein. Nach Angaben von Kreisdezernent Marc-André Burgdorf werden 150 weitere Schlafplätze in der Sporthalle der BBS Lingen (kaufmännische Fachrichtungen) an der Nöldekestraße entstehen. Hilfsorganisationen von Deutschem Roten Kreuz, Technischem Hilfswerk und Malteser-Hilfsdienst arbeiten mit Hochdruck daran, die Halle für die Neuankömmlinge herzurichten. Sie ergänzen damit die bereits vorhandenen rund 300 Schlafstellen im Sportzentrum des Georgianums.

Studiendirektor Heinz Gebbeken von den Berufsbildenden Schulen (BBS) erklärte, die Schule habe am Mittwochmorgen erfahren, dass ihre Sporthalle als Notunterkunft genutzt werden soll. In einer ersten Einschätzung meinte er: „Wir unterstützen als Schule den Landkreis, soweit das in unseren Kräften steht.“ Es handele sich um eine gesamtgesellschaftliche Ausnahmesituation. „Dies ist aber nicht nur Belastung, sondern auch eine Chance für unsere Schüler.“ Inwieweit es zu Kontakten zwischen den Flüchtlingen und der Schule kommen könne, wisse er noch nicht. Jetzt in den Ferien habe die BBS noch recht wenig mit der neuen Situation zu tun. „In der nächsten Woche“, so habe er vom Landkreis gehört, „ist ein runder Tisch zum Thema Sportunterricht geplant.“

100 weitere Flüchtlinge

In Meppen bestehen in der städtischen und kreiseigenen Sporthalle an der BBS bereits 300 Schlafmöglichkeiten. Hier werden 50 weitere Plätze vorbereitet. Bereits am Donnerstagmorgen werden rund 100 weitere Flüchtlinge in Lingen erwartet. Da viele Flüchtlinge in den vergangenen Tagen weiterzogen, schlafen dort aktuell nur noch 95 Personen.

In der Sporthalle in Meppen sind es noch 170 Menschen. Kreisdezernent Marc-André Burgdorf gibt zweimal täglich die aktuelle Situation an das Landesinnenministerium nach Hannover weiter. Von dort können dann immer wieder neue Flüchtlinge kurzfristig zum Beispiel von Passau oder Würzburg per Bus oder Bahn ins Emsland gefahren werden, um das Kontingent von 800 Menschen für die beiden Erstaufnahmelager in Meppen und Lingen aufzufüllen. Nach den neuesten Berechnungen der Landesbehörde muss Niedersachsen pro Tag 1200 bis 1500 aufnehmen, davon entfallen etwa 50 auf das Emsland.

Neue Standortsuche

Für Landrat Winter steht fest, dass die „Unterbringung sich auf möglicht wenige Standorte konzentrieren muss“. Nur so sei auch die Logistik gerade über die vielen ehrenamtlichen Helfer zu garantieren. So seien allein in Lingen „80 bis 100 Kräfte im Einsatz, darunter elf medizinische Fachkräfte“. Zudem werde im Dreischichtbetrieb ein Sicherheitsdienst in Meppen und Lingen mit 36 hauptamtlichen Einsatzkräften vorgehalten. „Gerade für längere Zeiträume reichten die Kapazitäten für mehrere Standorte nicht aus. Der Landkreis untersuche bereits weitere Liegenschaften von Turnhallen bis Gewerbehallen „auf ihre Tauglichkeit“. Ziel sei eventuell sogar, ein großes Erstaufnahmelager für das ganze Emsland zu schaffen.

Winter, Burgdorf und Sozialdezernentin Sigrid Kraujuttis sagten, dass sie gerne „die Erstregistrierung der Flüchtlinge durchführen“ würden. Leider fehle ihnen hierzu die rechtliche Handhabe. So würden viele Flüchtlinge noch nicht einmal namentlich festgestellt, geschweige denn per Foto oder Fingerabdruck registriert.

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