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Integration in kurzer Zeit gelungen Sudanesen bereichern das Dorfleben in Meppen-Rühle

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 11.01.2016, 13:34 Uhr

Seit Ende Oktober leben im früheren Pastorenhaus der Kirchengemeinde St. Franz Xaver in Meppen-Rühle neun Sudanesen. Die Integration der Asylbewerber ins Dorfleben kümmert sich ein Arbeitskreis von engagierten Bürgern – mit großem Erfolg.

Wenn in Rühle von „den Jungs“ die Rede ist, sind nicht etwa junge Erwachsene aus der Rühler Dorfjugend gemeint. Gemeint sind dann neun junge Sudanesen, die seit Ende Oktober im früheren Pastorenhaus direkt neben der Kirche der Gemeinde St. Franz Xaver in Rühle leben.

Seitdem sind die Afrikaner fast täglich in der 1400-Seelen-Ortschaft im Westen von Meppen zu sehen. Sich abschotten und sich in ihr 160 Quadratmeter großes, zweigeschossiges Haus zurückzuziehen, ist nämlich gar nicht ihre Art. Oft sind sie mit dem Fahrrad oder zu Fuß im Dorf unterwegs, gehen beim Landwirt Muke gegenüber Eier oder Milch einkaufen, öffnen jederzeit die Türe, wenn jemand klingelt, kommunizieren viel mit jedem, der mag, und nehmen sich sogar eifrig an Veranstaltungen in Rühle teil. Auch an der Sammlung der Weihnachtsbäume am vergangenen Samstag beteiligten sie sich. „Wir haben uns hier sofort wohl gefühlt, denken überhaupt nicht daran, weiterzuziehen“, sagt Ali Ahmed, mit 30 Jahren der Älteste der neunköpfigen Gruppe.

Bedenken schnell erübrigt

Dass die Integration der Asylbewerber innerhalb kürzester Zeit so gut geklappt hat, ist der Verdienst eines Arbeitskreises engagierter Bürger. Zu den Köpfen der ersten Stunden gehören Ortsvorsteherin Juliane Große-Neugebauer, Franz Hüsers vom Kirchenvorstand, die Eheleute Karl-Heinz und Cäcilia Nowak, die direkte Nachbarn am Franziskusplatz in Rühle sind, Udo Hollemann und Stefanie Bröker.

„Dass zu Beginn Bedenken in der Bevölkerung vorhanden waren, kann man nicht leugnen“, sagt Franz Hüsers, der als stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes die Vermietung des Gebäudes an die Stadt Meppen begleitet hat. Seit Februar hatte das alte Pastorenhaus leer gestanden. Als im Sommer Papst Franziskus im Zuge der Flüchtlingskrise die Gemeinden dazu aufrief, kirchliche Einrichtungen für Migranten zur Verfügung zu stellen, zögerte der Kirchenvorstand nicht.

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Bei einem gemeinsamen Kaffeetrinken im Rahmen der „Groschenkirmes“ in der Hubertushalle wurden die Rühler dann im September über die Pläne informiert. „Nicht jeder konnte sich zunächst vorstellen, in so prominenter Lage im Dorfzentrum Flüchtlinge unterzubringen“, berichtet Juliane Große-Neugebauer. Doch das Gebäude leer stehen und verfallen zu lassen, wäre ebenso keine gute Alternative gewesen. Der Arbeitskreis, der sich schnell aus engagierten Bürgern gebildet hatte, sagte zu, bei der Integration zu helfen und ein Auge auf die Situation zu haben.

Aus Bramsche mit dem Zug angereist

Mit dem Zug aus Bramsche kamen die Sudanesen, die zwischen 22 und 30 Jahre alt sind, schließlich Ende Oktober in Meppen an. Zu den ersten Aufgaben des Arbeitskreises gehörte es, Kleidung zu besorgen. Auch ein Internetanschluss und ein Fernseher für das alte Pastorenhaus waren schnell organisiert. Für die Kommunikation, auch mit den Sudanesen, gründeten sie eine Whatsapp-Gruppe.

Neben Besorgungen von Lebensmitteln und anderen Dingen, die die Flüchtlinge benötigen, Hilfen im Alltag oder Behördengängen werden darüber auch Freizeitaktivitäten abgestimmt, um Langeweile unter den Afrikanern zu verhindern. Auch zu Veranstaltungen im Dorf wurden die Sudanesen eingeladen – und die nahmen gerne an. Sie waren beim Adventskranz-Aufhängen am Bauerngarten dabei, bei einer Nikolausfeier der Grundschule, schlugen mit anderen gemeinsam einen Weihnachtsbaum und schmückten ihn mit hilfsbereiten Bürgern gemeinsam in ihrem Wohnzimmer.

Als Dankeschön luden sie den gesamten Arbeitskreis zu einem Essen ein. „Es gab Hühnchen mit Reis, wir haben die Zutaten selber besorgt und dann gemeinsam gekocht“, berichtet Haytham Babekar, mit 22 Jahren das Nesthäkchen der Gruppe.

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