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Holger Gerdes wagt Abenteuer Harener Bänker leistet Aufbauhilfe in Namibia

Von Daniel Gonzalez-Tepper | 22.12.2015, 15:02 Uhr

Am 4. Januar hebt der Flieger nach Windhoek ab: Zwei Jahre lang wird der Harener Holger Gerdes in der Hauptstadt von Namibia arbeiten. Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums und der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation wird der 44-Jährige das Mikrofinanzinstitut Kongalend beraten.

Am Anfang war es eine etwas jecke Idee, gibt der Mitarbeiter der Sparkasse Emsland zu. „Bankexperte für Namibia gesucht“ las er im August in einer Fachzeitung. „Aus Jux habe ich die Anzeige meiner Frau Dunja weitergeleitet“, erzählt Holger Gerdes. Denn ein Wegzug aus Haren und dem Emsland hatten seine Frau und er sowie die beiden Kinder Janna (11) und Anneke (7) keineswegs geplant. „Bewirb dich doch einfach, absagen können wir immer noch“, lautete die für Holger Gerdes etwas überraschende Antwort seiner Frau. Im Weg standen eigentlich nur „die eigene Bequemlichkeit und die Angst“, gibt der Bänker zu. Als dann tatsächlich die Zusage ins Haus flatterte und sich Schritt für Schritt viele offene Fragen klärten, wurde aus dem Traum Wirklichkeit.

In Südwest-Afrika soll der Bankexperte, der in den vergangenen zehn Jahren bereits Führungserfahrung bei der Sparkasse Emsland sammeln durfte, dem Mikrofinanzinstitut Kongalend Aufbauhilfe leisten. Das Institut vermittelt Kleinkredite zwischen 1000 und 230.0000 namibischen Dollar (rund 65 bis 15.000 Euro) vornehmlich an die arme Landbevölkerung.

Nicht nur in Windhuk

Gerdes wird nicht nur in der Zentrale in Windhuk arbeiten, sondern auch in den drei Außenfilialen. Dabei wird er auch die Berater der Bank bei ihren Gesprächen mit der Bevölkerung begleiten, sich Abläufe ansehen und versuchen, diese zu vereinheitlichen und zu verbessern. „Ziel des Projektes ist eine volle staatliche Banklizenz für Kongalend. Damit dürfte das Institut auch Sparprodukte anbieten und könnte sich besser über staatliche Fonds refinanzieren“, erklärt der Harener.

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Am 4. Januar wird Holger Gerdes zunächst alleine in den Flieger steigen und in Windhuk ein kleines Gästehaus beziehen. In den Osterferien wird die Familie ihn besuchen. „Bis dahin muss ich ein größeres Haus gefunden haben“, sagt der 44-Jährige. Im August werden Dunja Gerdes, die Lehrerin am Gymnasium in Haren ist, sowie die beiden Kinder für ein Jahr nach Namibia ziehen. Janna und Anneke werden eine deutsche Privatschule besuchen, Dunja Gerdes möchte sich ehrenamtlich engagieren. „Für ein Jahr eine Lehrer-Lizenz zu beantragen, wäre einfach zu aufwendig“, sagt Holger Gerdes, der beim TuS Haren Fußball spielt und im Kolpingverein aktiv ist.

Sparkassen-Vorstand musste „erst einmal schlucken“

Zu den vielen kleinen Schritten, die im Vorfeld erledigt werden mussten, gehörte neben zahlreichen privaten Dingen und den Lebensbedingungen vor Ort die Zusage seines Arbeitgebers. „Ich gebe zu, ich musste mich nach dem Gespräch mit Herrn Gerdes erst einmal sortieren“, berichtet Oliver Roosen, im Vorstand der Sparkasse Emsland unter anderem für das Personal zuständig. Der Gedanke, Kredite „an den kleinen Mann“ zu vergeben, passe jedoch „zu 100 Prozent zur Sparkassen-Finanzgruppe“, meint Roosen und gewährte Holger Gerdes Sonderurlaub für das Projekt.

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Im November durfte sich Holger Gerdes dann in Namibia ein Bild davon machen, was ihn in Afrika erwarten wird. Dem offiziellen Projektstart in Windhuk wohnte auch der deutsche Botschafter, Mitglieder des namibischen Finanzministeriums, Regierungsabgeordnete und die örtliche Presse bei. Die Zentrale von Kongalend, in der 13 Mitarbeiter tätig sind, gleiche eher einem Privathaus. „Mein künftiges Büro wurde einfach angebaut“, erzählt der 44-Jährige.

Gitter vor den Fenstern und Elektrozäune um das Grundstück gehören in Namibia zur Normalität. Doch den größten Respekt hat er nicht vor der Kriminalität, sondern der Sprache. „Die Namibier sprechen ein sehr blumiges Englisch. Ob ich mit meinem Leistungskurs-Englisch zurechtkomme, wird sich zeigen“, sagt Gerdes mit ein wenig Herzklopfen.