Ein Artikel der Redaktion

Historische Grußkarten Haren: Weihnachts- und Neujahrsgrüße aus der Vergangenheit

Von Harry de Winter | 28.12.2016, 19:00 Uhr

In der heutigen Zeit sind Weihnachts- und Neujahrsgrüße schnell und bequem per Email und SMS an Familie und Freunde versendet. Immer weniger verschicken Grußkarten mit der Post. Doch das war noch vor einigen Jahren ganz anders.

Heidi Hermsen aus dem Harener Ortsteil Rütenbrock hat eine ansehnliche Sammlung historischer Weihnachts- und Neujahrskarten. Wie viele es wirklich sind, hat sie nie genau gezählt. In einer großen Schachtel bewahrt sie die kleinen Zeitzeugen auf und holt sie jedes Jahr in der Weihnachtszeit wieder hervor, um in den zum Teil über hundert Jahre alten Karten zu stöbern. Geerbt hat Hermsen die Sammlung von der Lebensgefährtin ihres Vaters und legt viel Wert auf die Erhaltung.

Die Karten erzählen Geschichten

„Jede dieser Karten erzählt ihre eigene kleine Geschichte“, erklärt Hermsen im Gespräch mit unserer Redaktion. „Viele sind aus der Zeit der beiden Weltkriege. Auch von der Front sind welche dabei. Da kann so manches Schicksal mitverfolgt werden, wenn man sie liest.“ Der überwiegende Teil der Grußkarten stammt von Angehörigen. Somit konnte Hermsen einiges über ihre Familiengeschichte lernen und erfahren. „Die meiste Post hat Papenburg in der Adresszeile“, sagt Hermsen. „Da hat meine Familie früher gelebt.“

Kleine Kunstwerke

Besonders ins Auge fällt, dass trotz des hohen Alters die Karten sehr hochwertig bedruckt und verziert sind. „Günstig waren die nicht“, weiß die 65-Jährige. „Das sind richtig kleine Kunstwerke. Natürlich ist da auch viel Kitsch dabei, aber einige sind schon ganz besonders koloriert und bedruckt. Was mir aber besonders ausgefallen ist, dass früher eher Neujahrsgrüße als Weihnachtskarten verschickt wurden. Weihnachten war wohl nicht so wichtig wie das kommende Jahr.“ Die Hauptbotschaft der Neujahrsgrüße: Geld und Taler. „Man wünscht sich meistens das, was man wenigstens hat. Früher waren die Menschen einfach ärmer als heute“, erklärt Hermsen.

Stolz auf ihren Schatz

Enttäuscht ist Hemsen aber darüber, dass bei vielen Postkarten die Briefmarken fehlen: „Irgendeiner muss die mal abgemacht haben. Das ist wirklich schade und unansehnlich. Leider ist mir kein Briefmarkensammler in der Familie bekannt, der die entfernt haben könnte.“ Nichtsdestotrotz hegt und pflegt die Rütenbrockerin ihren kleinen „Schatz“. „Ich kann jedes Mal wieder stundenlang darin stöbern und entdecke immer wieder etwas Neues“, erklärt Hermsen. „Vor allem bin ich stolz darauf, die Karten nie weggegeben zu haben. Vieles von früher ist ja irgendwann einfach auf dem Müll gelandet.“

Sammelleidenschaft

Doch nicht nur alte Weihnachts- und Neujahrskarten hat die Rütenbrockerin in ihrem Bestand. Auch alte Stadtkarten, Feldpost sowie Verlobungs- und Hochzeitskarten sammelt sie. „Ich habe einfach ein Faible für diese Sachen“, sagt sie. „Das ist aktive Zeitgeschichte.“