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Verbrauchermarkt vorsorglich zu Feuerwehr-Großeinsatz in Twist: Altreifen brennen auf Betriebsgelände

Von Tobias Böckermann | 03.09.2021, 16:38 Uhr

In Twist sind am Freitagmittag um kurz vor 14 Uhr auf dem Gelände eines Recyclingbetriebes Altreifen in Brand geraten. Wegen einer leicht erhöhten Schadstoffbelastung musste ein Supermarkt geschlossen werden.

Kilometerweit sind am Freitagnachmittag die Folgen des Feuers zu sehen: Eine dicke Rauchsäule ragte bis zu 100 Meter weit in den Himmel, ihr schwarzer Qualm trieb - vom lebhaften Wind verweht - schon nach kurzer Zeit eine Hunderte Meter breite Wolke in den ansonsten strahlend blauen Himmel.

Wie die Polizei am Samstag bestätigte, was das Feuer in dem Recyclingbetrieb in der Dieselstraße in Twist durch eine in Brand geratene Schreddermaschine für Altreifen verursacht worden. Versuche, mit dem Feuerlöscher das Schlimmste zu verhindern, scheiterten, der 600 Quadratmeter große Lagerplatz brannte in der Folge ab.

Der Brand fraß sich tief hinein in den Stapel aus Kautschuk und Stahlgewebe. Weil Autoreifen aber zusätzlich auch aus Füllmaterialien wie Ruß, Kieselsäure, Kohlenstoff und Kreide bestehen, dazu mit Polyester, Ölen und Harzen und einigen Chemikalien ausgestattet sind, war die Rauchmischung zumindest potenziell gesundheitsgefährlich. Über Internet und Radio wurden Anwohner in Twist, Geeste und Dalum aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Am Freitagabend musste ein benachbarter Verbrauchermarkt in der Straße "An der Wieke" vorsorglich geschlossen werden. Messungen hatten eine leicht erhöhte Schadstoffbelastung ergeben. Es handelte sich um eine Vorsichtsmaßnahme.

Messungen auf mögliche Schadstoffe erfolgten fortlaufend. Sicher ist: Der Brandrauch roch beißend und als der Wind drehte, verlagert die Feuerwehr ihre Einsatzzentrale aus der Dieselstraße in eine windabgewandte Nebenstraße. Direkt unter der Rauchsäule fiel Löschwasser gemischt mit Gummipartikeln wie Regen zu Boden - es war von den enormen Aufwinden mit in die Luft gerissen worden.

Zwischenzeitlich rückten immer weitere Einsatzkräfte an. Neben den Kameradinnen und Kameraden aus Twist waren auch Schöninghsdorf, Meppen, Groß Hesepe, Haselünne und Haren im Einsatz. Die Feuerwehr der WTD 91 half mit, dazu Kräfte aus der Grafschaft Bentheim. Der Einsatzleitwagen des Landkreises Emsland wurde ebenfalls zum Einsatzort gerufen. Am Ende sind es zehn Feuerwehren und 160 Einsatzkräfte.

Das Problem erläuterte Kreisfeuerwehrsprecher Jens Menke: "Die Autoreifen brennen mit sehr großer Hitze. Mit Löschwasser können wir sie vor allem kühlen. Um den Brand zu ersticken, benötigt man aber Löschschaum, der dem Feuer die Sauerstoffzufuhr entzieht." Die fertig angemischten Schaumvorräte wurden auf den mehrere Hundert Quadratmeter großen Brandherd abgefeuert, Löschfahrzeug für Löschfahrzeug. Danach kam Schaum zum Einsatz, der vor Ort mit Wasser aus einem Hydranten angemischt wurde. Auch ein Landwirt schaffte mit einem Güllefass Löschwasser heran.

Menke riet Anwohnern, so lange Fenster und Türen geschlossen zu halten, wie noch Brandrauch zu sehen ist. Weitere Ergebnisse der Schadstoffmessungen lagen noch nicht vor.

Die Hitze im Reifenstapel war derweil enorm. Eine offensichtlich erst vor kurzem um das Lager errichtete, etwa zwei Meter hohe Betonwand, begann mit deutlichem Knallen zu platzen. Ob sich auch in dem Reifenstapel Explosionen ereigneten, war unklar.

Video: Riesige schwarze Rauchsäule: Altreifen brennen in Twist

Komplizierte Brandbekämpfung

Die Schadenshöhe wurde von der Polizei als gering eingeschätzt.