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Grabungsarbeiten auf dem MEP-Gelände 2600 Jahre alte Keramik entdeckt

09.09.2011, 16:19 Uhr

Bauunternehmer Ralf Schulte blickt mit sehr gemischten Gefühlen auf das Grabungsfeld der Denkmalbehörde. Dort, wo in gut einem Jahr die Meppener Einkaufspassage eröffnet werden soll, lebten bereits vor 2600 Jahren Menschen. Aus diesem Grund ruht jetzt auch weitgehend die Baustelle. Schulte hofft trotzdem, dass er sein 50-Millionen-Euro-Projekt pünktlich realisieren kann.

Alles hängt davon ab, wie lange die Ausgrabungen dauern. Gestern sprach der emsländische Unternehmer mit dem Grabungstechniker Michael Wesemann vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.

Dieser kam mit einem Plastikkörbchen an und präsentierte Schulte, seinem Projektleiter Franz Stolte sowie einigen Kommunalpolitikern erst einmal eine Scherbe. „Diese Scherbe stammt aus der vorrömischen Eisenzeit, etwa 600 bis 700 vor Christus.“

Der Experte führte weiter aus, dass das Keramikgefäß ganz einfach gebrannt sei. Natürlich besitze es auch noch keine Glasur. Es sei S-förmig gewölbt. Am Rand des etwa 2600 Jahre alten Gefäßes könne man zudem noch sehr gut erkennen, wie der Handwerker damals gezielt Fingertupfer setzte, um sein Werk zu verschönern.

Bisher habe man insgesamt etwa 30 entsprechende Funde gesichert. Viele stammten aus dem Mittelalter. „Insgesamt sind es aber deutlich weniger, als wir anfangs gehofft haben“, ergänzte Wesemann. Er rechne jedoch, dass seine Arbeiter in den kommenden Wochen noch etwa 200 weitere historische Dokumente ans Tageslicht befördern werden. Wesemann regte an, anschließend im Archäologischen Museum in Meppen eine kleine Ausstellung zu organisieren.

Ausstellung angedacht

Während Bezirksarchäologin Dr. Jana Fries noch bei einem Lokaltermin am 26. August versprochen hatte, dass in den nächsten acht Wochen bis Ende Oktober sieben Mitarbeiter im Einsatz seien, musste Wesemann eingestehen, dass die Bundesagentur für Arbeit ihm nur drei Arbeitskräfte zugewiesen habe. Gleichwohl hofft der Grabungstechniker, dass „er die Baustelle in Absprache mit der Denkmalbehörde vielleicht schon etwas früher freigeben kann“. Einen genauen Termin wollte er aber nicht nennen.

Er fügte hinzu, dass auch ehrenamtliche Helfer willkommen seien. Zudem könnte ein Bauzelt die Arbeiten gerade bei Regenwetter entlasten. So müssten die Arbeiten wegen der empfindlichen digitalen Geräte immer wieder unterbrochen werden. Auf der Gegenseite machte Ralf Schulte ganz klar, dass „jeder Tag kostbar“ sei. So müsse er gegenüber den Zulieferfirmen Fristen einhalten. Zu seinem Leidwesen bilde die Ausgrabungsstelle auch das „direkte Eingangstor zur Großbaustelle und blockiere den Lastwagenverkehr“. „Für mich ist jeder Tag eine Geduldsprobe“, ergänzte er.

Der Grabungstechniker zeigte durchaus Verständnis für dieses Anliegen, ergänzte aber: „Gerade die frühzeitlichen Gräben werden uns aber noch sehr beschäftigen.“ Es zeichne sich ein ganzes Grabensystem ab. Wesemann geht davon aus, dass bestimmte „stinkende und feuerfährliche“ Handwerker wie Schmiede und Gerber im Mittelalter die damalige Meppener Altstadt verlassen mussten und sich am Zusammenfluss von Hase und Ems ansiedelten.

Diesem Umstand dürften auch die ersten Ansiedlungen vor 2600 Jahre zu verdanken gewesen sein. Damit sei jedoch noch nicht belegt, dass es in Meppen über die gesamte Zeit menschliche Siedlungen gab. Gleichwohl steht für Wesemann fest: „An dieser alten Nordwestroute hat schon immer reger Handel stattgefunden.“ „Dann ist hier ja die zukünftige Meppener Mall genau am richtigen Sandort“, fügte Ralf Schulte etwas scherzhaft hinzu.